Dresdner Gene auch in der Tupolew Tu-154 ?

Gearbeitet wurde auch an den Typen 153, 153 A, 154, 155, 157 "Flora" und 160.

Moderator: Kilo Mike Sierra

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Dresdner Gene auch in der Tupolew Tu-154 ?

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » So 9. Nov 2008, 14:43

Mir war bislang bekannt, daß es in den Flugzeugwerken Dresden ein mit 154 bezeichentes Projekt eines Verkehrsflugzeges mit vier PTL-Triebwerken gab. Nachdem die 154 wohl an der späten Verfügbarkeit des PTL-Triebwerkes Pirna 018 gescheitert ist, wurde diese Bezeichnung 1958 erneut für ein Projekt eines vierstrahligen Passagierflugzeuges mit Pirna 020-B ZTL-Triebwerken verwendet. Doch annähernd zur gleichen Zeit soll auch eine dreistrahlige 154 projektiert worden sein. Kann denn das sein?

Jetzt wird es noch interessanter. Es hieß später auch, daß die Projektunterlagen der dreistrahligen 154 irgendwann "verschwunden" waren. 1968 erschien dann die sowjetische Tu-154, die größte Ähnlichkeit mit dem Entwurf der Dresdner 154 gehabt haben soll.
Um mir selbst eine Meinung dazu zu bilden, wüßte ich gern, ob es noch irgendwo eine Zeichnung der dreistrahligen 154 gibt.

Die Übereinstimmung der Nummer 154 in der Typenbezeichnung dürfte jedoch ein echter Zufall gewesen sein. Schließlich paßte die Tu-154 genau in das Nummernschema von Tupolew (Tu-104. 114, 124, 134, 144, ...), auch in der zeitlichen Reihenfolge.
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Re: Dresdner Gene auch in der Tupolew Tu-154 ?

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » So 9. Nov 2008, 16:01

Zunächst:
Ich glaube nicht daran, weil dazwischen doch zu viele Jahre liegen.

Aber lasst uns Diskutieren.

Was DAFÜR spricht:
1. Die TU-154 ist ähnlich ausgelégt, wie die BAe Trident und die Boeing 727.
Diese Entwürfe entstanden etwa zu dieser Zeit und entsprachen den damaligen Vorstellungen bzw. Gegebenheiten des Marktes.
2. Alle Passagierentwürfe bis zur TU-134 waren mehr oder weniger Derivate der TU-16/Projekt 88. Daraus gingen bekanntlich die geometrische Vergrößerung TU-20/95/114 und die Passagiervariante TU-104 hervor. TU-144 und TU-154 brachen jedoch mit der Tupolew-Tradition der "mehreren Aufgüsse".
Die TU-154 war das erste "richtige" Passagierflugzeug von Tupolew.

Was DAGEGEN spricht:
1. die TU-154 ist wesentlich größer und stärker als die westlichen Dreistrahler. Sie kam auch viel später.
2. Es gab zum Produktionsstart erhebliche Probleme mit der Statik, die eine Neukonstruktion der Tragflächen erforderlich machten. Undenkbar, wenn eine durchkonstruierte Entwicklung vorgelegen hat.


Laut "Flight International" hat die DDR im Zeitraum 1969 bis 1972 angeblich die TU-154 bestellt!
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Re: Dresdner Gene auch in der Tupolew Tu-154 ?

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 12. Nov 2008, 14:25

Die eigentliche Frage war, ob es zutrifft, dass in den Flugzeugwerken Dresden gleichzeitig ein drei- und ein vierstrahliges Flugzeug unter der identischen Projektbezeichnung 154 konzipiert worden ist.

Das 154-Projekt, gleich in welcher Auslegung, befand sich damals in der Vorentwicklung. Somit kann sie keinesfalls "durchkonstruiert" gewesen sein.

Hat denn keiner irgendwo eine Projektskizze der dreistrahligen 154 gesichtet?
Ohne ein genaueres Bild von der geplanten Auslegung des Flugzeuges zu haben, ist es unmöglich zu beurteilen, ob es eine geistige Verwandschaft mit der Tupolew Tu-154 gibt.
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Re: Dresdner Gene auch in der Tupolew Tu-154 ?

Ungelesener Beitragvon Flugi » Mi 12. Nov 2008, 16:07

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:Die eigentliche Frage war, ob es zutrifft, dass in den Flugzeugwerken Dresden gleichzeitig ein drei- und ein vierstrahliges Flugzeug unter der identischen Projektbezeichnung 154 konzipiert worden ist.

Das 154-Projekt, gleich in welcher Auslegung, befand sich damals in der Vorentwicklung. Somit kann sie keinesfalls "durchkonstruiert" gewesen sein.

Hat denn keiner irgendwo eine Projektskizze der dreistrahligen 154 gesichtet?
Ohne ein genaueres Bild von der geplanten Auslegung des Flugzeuges zu haben, ist es unmöglich zu beurteilen, ob es eine geistige Verwandschaft mit der Tupolew Tu-154 gibt.


Lieber KMS,
bei aller Freundschaft, von einem dreisrahligen Projekt in Dresden höre ich zum ersten mal.
Aber man lernt ja nie aus und vielleicht wäre es ja interessant, aus welcher Quelle das nun wieder kommt.
In der Projektbezeichnung von 1955 war die 154 noch ein PTL Flugzeug mit 4 TW, ähnlich der Il-18. 1957 wurde dies abgeändert auf ein TL Flugzeug mit vier TW an Stielen unter den Tragflächen.
Was heist Vorentwicklung? Außer grobe Projektskizzen gab es nichts, das war alles Zukunftsmusik.
Tu-154 mit deutscher Abstammung? :shock: Verschwörungsteorie! :wink:
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MFG Flugi

Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
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Re: Dresdner Gene auch in der Tupolew Tu-154 ?

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » So 16. Nov 2008, 20:39

Ich kann doch nichts dafür, Flugi. :lol:
Eine Theorie habe ich gar nicht aufgestellt, schon gar keine, die eine Verschwörung zum Inhalt hat. 8-)
Ich habe nur zwei Fragen gestellt.

Zum ersten Mal habe ich ca. 1985 beiläufig von einer dreistrahligen Hundertirgendwas gehört, als ich für ein paar Monate in einem Nachfolgebetrieb der VEB Flugzeugwerke Dresden in Klotzsche als Praktikant gearbeitet habe. Dort ist mir Hören (aber mangels Bildern leider nicht das Sehen) vergangen bei all den Berichten über die damaligen Aktivitäten im DDR-Flugzeugbau. Ich kannte ja nur die Il-14P und die fast vollständig totgeschwiegene 152. Die Leute, die mir bereitwillig über diese Zeit erzählten, hatten wirklich glänzende Augen.

Bei der Lektüre des zweiten Buches von Holger Lorenz ("Kennzeichen Junkers") bin ich zum zweiten Mal auf das dreistrahlige Projekt gestoßen. In dem Buch werden an verschiedenen Stellen insgesamt drei verschiedene Entwürfe erwähnt, die die Bezeichnung 154 tragen:

154-I
Entwurfsbeginn 1955 (Konzept bereits in Sowjetunion erarbeitet)
vier PTL-Triebwerken Pirna 018

154-II
Entwurfsbeginn 1958
vier TL-Triebwerke (ETL Pirna 014 A-1, ETL Pirna 016 (?), perspektivisch ZTL Pirna 020 B)
Entwurfsleiter Eberhard Aikele

154-III
Entwurfsbeginn 1960
drei ZTL-Triebwerken Pirna 020 B
Entwurfsleiter Günther Weyh
Projektunterlagen im Frühjahr 1961 verschwunden

Die römischen Zahlen zur Bezeichnung der 154-Varianten stammen von mir, sind also keine offiziellen Bezeichnungen des DDR-Flugzeugbaus.

Um noch mehr Unruhe mit potentiellen Dresdener Genen in anderen Flugzeugen zu stiften, brauchen wir nur einen Blick auf die 155-II-Variante mit TL-Triebwerken von 1959 werfen und mit der ab 1961 in Bremen entwickelten VFW-614 vergleichen. Bei der HFB-320 Hansa Jet ist ebenfalls sehr überdeutlich die Handschrift von Hans Wocke (vormals Junkers und VEB Flugzeugwerke Dresden) zu erkennen.

Es ist nicht nötig, neue Theorien über abgekupferte oder mitgehen gelassene Konstruktionsunterlagen zu entwickeln. Immerhin gab es jedoch eine sichtbare und eigentlich ganz normale Beeinflussung der Entwicklungsarbeit in anderen Flugzeugwerken, die direkt etwas mit "Westabgängen" oder der Einstellung des gesamten DDR-Grossflugzeugbaus im Jahre 1961 zu tun haben. Letztere brachte zwangsläufig noch einmal eine größere Abwanderungswelle mit sich.


Die Projektstudien waren wesentlich mehr als nur grobe Skizzen. Es handelte sich dabei um "durchgerechnete" und optimierte Entwürfe, z.T. bereits mit Windkanaldaten untersetzt. So waren die geometrischen und aerodynamischen Parameter sowie Gewichtsdaten, Flugleistungsdaten und Cockpit- und Kabinenausstattung bereits bestimmt. Konstruiert waren diese Flugzeuge jedoch noch nicht.

Lediglich von der 153 A heisst es bei Holger Lorenz, sie sei durchkonstruiert gewesen und mit dem Bau der Prototypen hätte begonnen werden können.
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Re: Dresdner Gene auch in der Tupolew Tu-154 ?

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Sa 22. Okt 2016, 01:05

Interessanterweise taucht im Buch RED-Star 35 zur TU-104 vom Autor Yefim Gordon aus dem Midland-Verlag eine Studie zu einer TU-104D mit derselben Anordnung der Triebwerke wie bei der TU-154 auf. (Seite 51 und 52) Diese Studie ist auf das Jahr 1963 datiert. Der Rumpf ist typisch TU-104, auch mit Glaskanzel. Es sind 3 Triebwerke des Typs NK-8 vorgesehen. Das Leitwerk ist in T-Form ausgelegt. Die Tragflächen sind ebenfalls nahe an der TU-154 und besitzen die Fahrwerkskalotten.
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