Segelfliegen am Rande des Alls

bluemchen
Moderator
Moderator
Beiträge: 3000
Registriert: Mo 29. Dez 2014, 23:56
Postcode: 12
Country: Germany
Wohnort: Berlin
x 102
x 298
Kontaktdaten:

Re: Segelfliegen am Rande des Alls / Missin 2019

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Mi 25. Sep 2019, 13:01

Die Perlan-Mission 2019 wurde früher als geplant beendet
(was mir anfänglich spanisch vorkam, aber im Bezug auf den Artikel "Sudden stratospheric warming could be 'strongest on record' " - https://www.newshub.co.nz/home/new-zeal ... -niwa.html
einen Sinn ergibt)

Dazu rufe ich mal den Blog auf https://perlanproject.org/blog/flight-6 ... t-perlan-2
und lasse mit einer gekürzten Zusammenfassung das Team zu Worte kommen:

Flight #65 to 65,000 feet for Perlan 2 Flug 65 bis 65.000 Fuß
IMG_5746%20(1)_0.jpg

In diesem Jahr 2019 war die Airbus Perlan Mission II flugbereit (für das Ziel 90.000 ft), aber der stratosphärische Wellenauftrieb war über 60.000 Fuß praktisch unbrauchbar. (siehe: zukünftiger Stratospheric Warming Blog)
Das Team blieb positiv eingestellt, sie nahmen jede Chance war mit der Möglichkeit , eine nutzbare Welle von etwa 40.000 Fuß zu erreichen.
Der Flug #65 am 17. September 2019 hatte etwas bessere Prognose.

Der Perlan 2 wurde in den Tagen zuvor vorbereitet. Wir mussten die Start- und Landebahn in sehr engen Zeitabschnitten verlassen, um zwischen der Tourismussaison und dem zunehmenden Verkehr von Flugzeugen zu passen.
Die Prognose war, für einen Auftrieb von etwa 40.000 Fuß der frühen Morgen das Beste wäre, aber eine (schwache) Welle über 50.000 Fuß zu nutzen am frühen Nachmittag.
Vor Sonnenaufgang kam das Team am Flughafen-Gate an, um den Vorflug zu beenden. Dabei das deutsche Wissenschaftsteam des DLR von
Dr. Andreas Dornbrack geleitet, als ein angesehener Wissenschaftler, der die atmosphärische Wellenstrukturen untersucht hat, auch über der Stratosphäre.

Jim und Morgan (die beiden Piloten) zogen sich warm an und testeten die vorgeheizte Kleidung. Nachdem sie sich in den Cockpits eingelebt hatten, Anlegen der Helme und Gesichtsmasken, Schläuche wurden hochgehalten, um den Stickstoff aus dem Rückspülsystem zu entfernen.
Danach mußte über eine Stunde lang 100% Sauerstoff geatmet werden, während der Rampzeit, beim Schlepp des Lastwagens auf die SLB und einschließlich des F-schlepps hinter dem mächtigen Egrett.
.
Einmal in der Luft, fand die Egrett mit der Perlan am Seil einen sehr schwachen Auftrieb bis auf 45.000 Fuß, wo die Perlan 2 sich ausklinkte.
Jim sagte, dass es harte Arbeit war, in den schwachen Wellen oben zu bleiben, zu warten (und hoffen), dass sich der Aufwind verbessern würde.
Sie kletterten langsam und suchten weiter nach Hot Spots mit besserem Liftbedingungen.
Dies war ein Test der Beharrlichkeit, um sich auf 65.000 Fuß zu hochzuarbeiten, um an der Marke wenigstens zu kratzen, denn darüber hinaus starb die Welle und unterstützte über 65.000 Fuß nicht weiter.
Die vorhergesagten horizontalen Liftbänder sollten natürlich idealerweise vertikal sein! Klar.
065%20two%20weather%20ppt.jpg

Somit war
dieser Flug der höchste für 2019 und der dritthöchste jemals geflogene Flug der Welt. Es zeigt, dass die entworfenen Wellenlauffähigkeiten von Perlan 2 auch bei minimalem stratosphärischem Auftrieb erfolgreich sein können.

Nach fast 5 Stunden brutaler Kälte und keinem weiteren Auftrieb wurden die Perlan 2 Druckluftbremsen ausgefahren für ein Sinken von 7.700 Fuß pro Minute (!).
Auch hier mussten sie sich zwischen den Abflügen der Fluggesellschaften bewegen. Perlan 2 kam so schnell herunter, dass Morgans Luke bei der Landung noch gefrostet war.
Jim hatte sein Lukenfenster gewischt, um zusätzliche Sicht in der typischen Steilkurve zum Finale zu erhalten.
- Auch der nächste Tag versprach keine bessere Prognose, so
daß das Team beschloss, einen Tag früher als ursprünglich geplant zu packen.

Es war eine erfolgreiche Kampagne zur Sammlung wissenschaftlicher Daten genau dort, wo und wann der Südpol ein seltenes Wetterphänomen erlebte, das plötzliche stratosphärische Erwärmung genannt wurde. (siehe separates Blog) Es wurde erfolgreich nachgewiesen, dass der Perlan 2 in einem marginalen stratosphärischen Auftrieb klettern kann.

In der Übersicht die Flüge:
2019%20Flight%20time%20Summarry%20ppt.jpg


Alle Perlan-Links wurden in dem Update oben genannt, die Abreise wird sicher auch noch dokumentiert
# # #
R.
0 x
*Träger der Roten Mainelke und des aberkannten Status GDR, gedient in Fremden Streitkräften*

bluemchen
Moderator
Moderator
Beiträge: 3000
Registriert: Mo 29. Dez 2014, 23:56
Postcode: 12
Country: Germany
Wohnort: Berlin
x 102
x 298
Kontaktdaten:

Re: Segelfliegen am Rande des Alls

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Fr 29. Nov 2019, 00:54

Das Perlan-Team hat sich gestern zurückgemeldet -

nach einer 10.000-Meilen-Reise von El Calafate Argentinien über Land und Meer wieder in der Heimatbasis Minden,Nev. angekommen.
Der Seecontainer ist eben abgeladen
78778805_3478636672148326_1845901391051096064_o.jpg
angekommen 26.11..png
angekommen 26.11..png (1.07 MiB) 100 mal betrachtet
Es gibt noch die Episode nachzureichen, nachdem der Fahrwerksreifen einmal die - 105° Fahrenheit in der Stratosphäre nicht aushielt und bei der Landung platt war
75439220_3446119758733351_3549991255570120704_o.jpg

Michelin untersuchte und lieferte für den Perlan-Gleiter einen Mich.Aviator-Reifen, 10-lagig für die Testflüge. Damit machten sie sechs Flüge über 40.000 Fuß, wobei der höchste 65.000 Fuß erreichte und hatten nie wieder einen Platten bei der Landung. (Bei dem nicht einziehbaren Fahrwerk liegt trotz aller aerodynamischen Bemühungen der Reifen im Luftstrom)
75429383_3446123515399642_1118700339063685120_o.jpg
0 x
*Träger der Roten Mainelke und des aberkannten Status GDR, gedient in Fremden Streitkräften*


Zurück zu „Segelflug“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste