FlyDubai

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FlyDubai

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Sa 19. Mär 2016, 11:38

Heute früh
nach n-tv und austrian

...Eine Maschine der Gesellschaft FlyDubai beim zweiten Landeanflug auf den Flughafen der Stadt Rostow am Don ab. An Bord der Boeing 737-800 waren nach vorläufigen Angaben von FlyDubai 55 Passagiere und 7 Mitglieder der Besatzung.
http://www.n-tv.de/panorama/Abgestuerzt ... 65681.html
und
https://www.austrianwings.info/2016/03/ ... ore-119700
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Re: FlyDubai

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Sa 19. Mär 2016, 12:22

Stellt sich schon die Frage - wenn Krasnodar eine Alternative war,
warum dann an Rostow festgehalten. Treibstoffreserve soll noch für 2h gewesen sein.
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Re: FlyDubai

Ungelesener Beitragvon bluemchen » So 20. Mär 2016, 00:33

In der Aviation Herald ist recht ausführlich berichtet, dito Bildmaterial Bahn 22
http://avherald.com/h?article=495997e2&opt=0

(Die Kollisionslage hatte ich mir Berichten zufolge nicht am unmittelbaren Bahnrand vorgestellt)
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Re: FlyDubai

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » So 20. Mär 2016, 01:29

Das erste Video zeigt, dass die Maschine mit Bug voran in den Boden einrastet.
http://lifenews.ru/news/191340
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Re: FlyDubai

Ungelesener Beitragvon bluemchen » So 20. Mär 2016, 13:02

Ich hatte das Ereignis eigentlich nur aufgegriffen,

da ich eine gedankliche Verbindung zu der Schlecht-Wetter-Geschichte der polnischen154 hatte - viewtopic.php?f=210&t=1414&hilit=polnische+TU+154&start=50
Aber das war Smolensk, nicht Rostow, nur eben Schlechtwetter.
Und die Frage bleibt momentan noch - warum wurde nicht nach Krasnodar geflogen. Hatte hier Dubai mit der Überzeugung - "für die 737 kein Problem" die Entscheidungshoheit?
Spekulation, aber so läge der Fall zumindest ähnlich. Auf jeden Fall wieder eine "трагедии ", wie das Portal feststellt.
R.
(Im LiveNews-Video oben ist bei mir aber alles recht verschwommen, da könnte ich nichts fest machen)
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Re: FlyDubai

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » So 20. Mär 2016, 15:00

Mich erinnert der sichtbare Ablauf sehr an den Unfall der Tatarstan Airlines 737-500 in Kasan am 17. November 2013. Dort war es ebenfalls ein nächtliches Durchstartmanöver. Trotz aller visuellen und Audio-Signale war die Abschaltung des Autopiloten von der Besatzung nicht wahrgenommen worden*. Dazu kamen aufgrund der Dunkelheit wahrscheinlich auch somatogravische Illusionen, d.h., die rasante Beschleunigung des Flugzeuges wurde als Vergrößerung der Längsneigung empfunden und daraufhin instinktiv am Steuer gedrückt**, was zum steilen Sinkflug in den Boden führte.

*) Eine Studie des MAK ergab später, daß im Simulator 42% der Piloten in der gleichen Situation die Abschaltung des Autopiloten nicht rechtzeitig erkannten. Insgesamt nur ein Drittel der Piloten meisterten das nächtliche Durchstartmanöver ohne ernsthafte Flugführungsprobleme.

**) Das haarsträubenden Durchstartmanöver eines Airbus 310-300 der INTERFLUG in Moskau war ebenfalls von einer solchen somatogravischen Illusion ausgelöst worden. Zum Glück war es hell, so daß es für die Besatzung zumindest keine Zweifel über den Flugzustand gab.


Wenn ich die beiden den Absturz zeigenden Videos aus Rostow betrachte, so erkenne ich ebenfalls eine extreme steile Flugbahn. Das Flugzeug scheint aber auch in einer Rückenfluglage zu Boden zu gehen (Rollwinkel deutlich größer als 90°), ansonsten wäre der Scheinwerfer am Bugfahrwerk wohl nicht sichtbar.

Kombiniert man schlechte Sichtbedingungen mit Dunkelheit und gibt dazu abrupte Flugmanöver, dann steigt die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Illusionen erheblich an.
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Re: FlyDubai

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » So 20. Mär 2016, 15:44

Insgesamt nur ein Drittel der Piloten meisterten das nächtliche Durchstartmanöver ohne ernsthafte Flugführungsprobleme.


Hätte hier eine Lagekontroll-Anzeige geholfen?
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Re: FlyDubai

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » So 20. Mär 2016, 17:31

Der künstliche Horizont zeigt die Fluglage als Längs- und Querneigungs- bzw. Rollwinkel an.
Das war also nicht das Problem, sondern die Aufmerksamkeitsverteilung und die starke Ablenkung durch die oben erwähnten somatogravischen Illusionen.

Beim Durchstarten einer 737 werden Maximalschub gesetzt, die Längsneigung auf 15° erhöht, das Fahrwerk eingefahren und die Klappen auf 15° zurückgefahren - alles nahezu gleichzeitig.

Wenn man wie in Kasan nicht bemerkt, daß der Autopilot nicht mehr aktiv ist (und man deshalb nicht manuell steuert), erhöht sich die Längsneigung schnell auf kritische Werte (über 25°) und bereits kurze Zeit später kann man in des Teufel`s Küche kommen (Strömungsabriß, abrupte Rollbewegung um die Längsachse, Verlust der Steuergewalt).
Unterliegt man einer durch die starke Längsbeschleunigung verursachten Illusion, die den Eindruck einer übermäßig hohen Längsneigung erweckt, dann wird u.U. instinktiv stark dagegen gedrückt. Wer dann keine Außensicht hat oder den Blick auf den künstlichen Horizont unterläßt, der endet ungewollt im Sturzflug.

Wenn Piloten unerwarteten oder ungewohnten Beschleunigungen ausgesetzt sind, dann fällt es ihnen sehr schwer, diese zu ignorieren, um Illusionen bei ungenügender Außensicht zu vermeiden. Das Gleichgewichtsorgan (Hintern) kann man nicht einfach abschalten.
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Re: FlyDubai

Ungelesener Beitragvon bluemchen » So 20. Mär 2016, 20:50

Kilo Mike Sierra hat geschrieben: .... Das Gleichgewichtsorgan (Hintern) kann man nicht einfach abschalten.


Auch wenn wir über ein ernstes Thema sprechen, diese einfache Fliegerwahrheit sollte man justament zum Wort des Sonntags erheben:
>>> Den Hintern kann man nicht einfach abschalten <<<
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Re: FlyDubai

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » So 20. Mär 2016, 20:52

Dunkelheit und Wolken sowie die Flughöhe waren eine gefährliche Mischung.
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