KB Antonow - Quo vadis?

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старый мешок
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KB Antonow - Quo vadis?

Ungelesener Beitragvon старый мешок » So 28. Apr 2019, 22:24

Sterbebegleitung ...

Hier ein aktuelles Interview mit dem Präsidenten der Luftfahrtsparte Antonow, des ukrainischen Militärkonzerns "Ukroboronprom".
https://www.unian.net/economics/transport/10531239-prezident-gp-antonov-aleksandr-donec-my-dolzhny-vernutsya-k-tomu-chto-umeem-delat-ochen-horosho-k-gruzovym-voennym-samoletam-eto-u-nas-vsegda-poluchalos.html

Google-Translätor bringt eine einigermaßen vernünftige Übersetzung zu Stande.
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Kilo Mike Sierra
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Re: Sterbebegleitung ...

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 29. Apr 2019, 00:34

Jetzt sehe ich noch schwärzer für die Flugzeugindustrie der Ukraine.
Es klingt zudem alles andere als überzeugend, wenn man auf Kooperationen mit luftfahrtindustriellen Zwergstaaten setzen will und dabei offenbar auch noch sämtliche ethischen Bedenken über Bord wirft.
Die "gewaltsame Annäherung" der Ukraine an die EU und die NATO (durch klassischen Regime Change) hat dem Land bisher nur massiv geschadet. Als Spielball fremder Interessen kann man nicht gewinnen. Was wurde in diesem Land nicht schon geopolitisch gezündelt.

Vielleicht könnte man in der Ukraine den Airbus 400M endlich zur Serienreife bringen. Das könnte funktionieren, denn darin sind ja bestimmt keine russischen Komponenten verbaut und die Antonow-Leute haben auf dem Gebiet der militärischen Transportflugzeuge größte Erfahrung.

Hoffentlich haben die Polen eine wassserdichte Produktionslizenz für die An-2. Irgendwann wird dieses Flugzeug wieder gebaut werden müssen.
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Thomas

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bluemchen
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Re: Sterbebegleitung ...

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Mo 29. Apr 2019, 18:11

Das, was sich hier Dank der glorreich atlantischen EU Distriktion und Vereinnahmung abspielt, ist ein Trauerspiel ohne Ende.
Das haben weder Kiews Flugzeug- noch Raketenbauer verdient.

Schon vor diesem großen Interview mit dem Präsidenten Antonova hatte ich - möglicherweise ein Auszug - die Passagen zur "Ruslan" auf den Tasten
- http://www.ukrrudprom.com/news/Preziden ... lanov.html
- http://ukrrudprom.com/news/Antonov_stro ... v_god.html

Ohne Worte … старый мешок , Du hast den passenden Titel gewählt
und was die Geopolitik angeht - man hat es geschafft, ein Anti-Russland mit den nationalistischen Kräften zu installieren, nur - wieviel Opiate muß man genommen haben, um das nicht zu bemerken.

Auch wenn wir ein Fach- oder Sachforum sind, soviel Augen kann man gar nicht zukneifen
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Re: Sterbebegleitung ... Testflugplatz Gostomel (?)

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Fr 8. Jan 2021, 22:08

Wir haben -zig Antonow-Themen / Beiträge, zurecht, denn KB Antonow ist eine Synonym für erfolgreichen und einzigartigen Flugzeugbau. Das will ich einfach mal nicht nur so stehenlassen, sondern kurz anreißen, wie dynamisch (etwas umschrieben) die Geschichte ist.

Das Unternehmen mit den Namen des berühmten sowjetischen Flugzeugkonstrukteurs, Held der sozialistischen Arbeit Oleg Antonow - war das einzige KB im postsowjetischen Raum, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fast vollständig das frühere Potenzial behielt. ---> Bis 2014 waren fast 3.000 Flugzeugbauer beschäftigt - ein Vielfaches mehr als beispielsweise bei "Iljuschin", "Tupolew" oder dem KB Jakowlew.
Wie gesagt bis 2014.
Das ukrainische KB entwickelte, produzierte eins nach dem anderen neue Flugzeuge. Antonow war der erste, der ein regionales Passagierflugzeug
AN-148 - das Analogon des russischen, nicht sehr glücklichen "SJ 100" seinerzeit- erstellte. Wie bekannt, wurde die Produktion der AN-148 im Luftfahrtwerk Woronesch gemeistert.
Danach kommt vom Antonow KB eine erweiterte und fortschrittlichere Version, die AN-158 und dann eine militärische Transportversion, die AN-178 mit einer Frachtrampe.
Daneben die Turboprop AN-140 für die Lokalen und daneben die Unterstützung für die gesamte Eigenproduktion von der AN-22 bis ... -das kann sich jeder aufzählen.
Eingebunden in die Entwicklungsarbeit Kiews waren Iljuschin und Mjasischtchew auf russischer Seite, was problemlos war
- bis 2014
Mit der politischen Entscheidung der Kiewer Behörden - Antonow hat alle Verbindungen mit Russland abzubrechen - begann, wenn man so will, der Niedergang.
Die Abtrennung der Zusammenarbeit mit russischen Firmen wirkte sich nicht nur negativ auf Antonow aus, ich meine - das war der Anfang vom Ende, von der Zerstörung des Unternehmens, den auch Selenski in der Heutezeit nicht aufhalten konnte/wollte.
Die Flugzeugproduktion ist zum Erliegen gekommen.

Mein Kerngedanke aber, ausgehend vom erfolgreichen KB Antonow, war sein Testflugplatz Gostomel

Es soll Pläne der Kiewer Behörden geben, Gostomel, von dem alle Modelle experimentell abhoben, einschließlich der AN-225 Mriya und AN-124 Ruslan,
umzufunkktionieren in einen Ableger des FH Kiew.
- Wenn dem KB auch noch sein Testflugplatz geraubt wird, der für die Erprobung neuer und modernisierter Flugzeuge benötigt wird, wird dies die Arbeit des Büros weiter erschweren und es sogar unmöglich machen, wird gesagt.

Das ist vielleicht auch ein Grund mehr, künftig etwas zu Gostomel zu sagen, zu seiner Geschichte / Entwicklung und überhaupt.
Wenn der Hausmeister nichts dagegen hat - mich interessierte es
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Re: Sterbebegleitung ...

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Sa 9. Jan 2021, 00:02

Aber sicher.
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Re: Sterbebegleitung ... Testflugplatz Gostomel (?)

Ungelesener Beitragvon historienquax » Sa 9. Jan 2021, 12:59

bluemchen hat geschrieben:Wir haben -zig Antonow-Themen / Beiträge, zurecht, denn KB Antonow ist eine Synonym für erfolgreichen und einzigartigen Flugzeugbau. Das will ich einfach mal nicht nur so stehenlassen, sondern kurz anreißen, wie dynamisch (etwas umschrieben) die Geschichte ist.

Das Unternehmen mit den Namen des berühmten sowjetischen Flugzeugkonstrukteurs, Held der sozialistischen Arbeit Oleg Antonow - war das einzige KB im postsowjetischen Raum, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fast vollständig das frühere Potenzial behielt. ---> Bis 2014 waren fast 3.000 Flugzeugbauer beschäftigt - ein Vielfaches mehr als beispielsweise bei "Iljuschin", "Tupolew" oder dem KB Jakowlew.
Wie gesagt bis 2014.
Das ukrainische KB entwickelte, produzierte eins nach dem anderen neue Flugzeuge. Antonow war der erste, der ein regionales Passagierflugzeug
AN-148 - das Analogon des russischen, nicht sehr glücklichen "SJ 100" seinerzeit- erstellte. Wie bekannt, wurde die Produktion der AN-148 im Luftfahrtwerk Woronesch gemeistert.
Danach kommt vom Antonow KB eine erweiterte und fortschrittlichere Version, die AN-158 und dann eine militärische Transportversion, die AN-178 mit einer Frachtrampe.
Daneben die Turboprop AN-140 für die Lokalen und daneben die Unterstützung für die gesamte Eigenproduktion von der AN-22 bis ... -das kann sich jeder aufzählen.
Eingebunden in die Entwicklungsarbeit Kiews waren Iljuschin und Mjasischtchew auf russischer Seite, was problemlos war
- bis 2014
Mit der politischen Entscheidung der Kiewer Behörden - Antonow hat alle Verbindungen mit Russland abzubrechen - begann, wenn man so will, der Niedergang.
Die Abtrennung der Zusammenarbeit mit russischen Firmen wirkte sich nicht nur negativ auf Antonow aus, ich meine - das war der Anfang vom Ende, von der Zerstörung des Unternehmens, den auch Selenski in der Heutezeit nicht aufhalten konnte/wollte.
Die Flugzeugproduktion ist zum Erliegen gekommen.

Ehrlich gesagt ist mir nicht klar warum du dieses Konstruktionsbüro und Flugzeughersteller so schlecht redest. Deine Einschätzung geht fehl:
https://www.aerotelegraph.com/antonov-w ... jahr-bauen (Planung)
https://www.flugrevue.de/militaer/milit ... lt-an-178/ (Realität)
Durch den jüngsten Absturz der An-26 in der Ukraine könnte es so gewesen sein das die Produktionsaufnahme der An-178 beschleunigt wurde. Die An-178 soll jedenfalls die An-26 bei der ukrainischen Luftwaffe ersetzen. Aber was eben auch zählt sind Exporterfolge. Und da gebe es noch etliche An-26 weltweit zu ersetzen.

Deine Zusammenfassung die ukrainische Regierung für was auch immer als Schuldigen zu benennen teile ich nicht und ist einseitig. Dein Beitrag ist tendenziös und polemisch. Was soll das? Warum muss man in politischen Fragen immer seine Meinung mitteilen. Das führt dazu das andere User solche Beiträge aufgreifen und sich gegenteilig dazu äußern. Dann entwickelt sich eine politische Diskussion. Solche Diskussionen führen zu nichts. Das es sich hier um ein Politikforum handelt wäre mir neu.

Ergänzend und da hier wohl noch nicht genannt, die Produktion der An-140 in Samara wurde nach Beendigung der Zusammenarbeit zwischen Russland und der Ukraine eingestellt. Was mir hier nicht ganz klar ist ob dieses Flugzeug in Samara mit in der Ukraine produzierten Einzelteilen endmontiert wurde? Im Iran wurde das wohl genau so gemacht.

Was die zuvor erwähnte An-148 betrifft, wie ist da eigentlich die Generalüberholung geregelt, wer macht das denn oder gab es noch keine Generalüberholungen?

Hier eine frühe Darstellung des Flugplatzes Gostomel aus Sicht des CIA:
https://www.cia.gov/readingroom/docs/CI ... 0001-5.pdf

Mit diesem Suchbegriff gibt es noch mehr Dokumente zu Gostomel:
https://www.cia.gov/readingroom/search/site/gostomel

PS: Kann man mal dieses "Sterbebegleitung" anpassen?
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bluemchen
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Re: Sterbebegleitung ...

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Sa 9. Jan 2021, 16:10

Zum einen: Ich dachte, ich hätte mich klar positioniert - wenn das nicht so zum Ausdruck kam, dann gerne noch einmal: KB Antonow ist Symbol, ist ein Wertsymbol für die Ukraine!
Zum anderen: Politik ist hier nicht auszuklammern, denn die Behördenentscheidungen folgen politischen Entscheidungen und die sind weit davon entfernt, sie gut zu reden.
Ob diese Entscheidungen dem KB Antonow gut tun, kann jeder für sich analysieren.
Eckpunkte u.a. auch
- der CEO und Chefdesigner Dmitry Kiwa (in der Periode der erfolgreichen Neuentwicklungen) ---> Rauswurf
- danach folgen weitere Managerwechsel
- KB Antonow als Staatsunternehmen ---> ist Geschichte
- es folgt die Unterstellung unter das milt./industr. Ukroboronprom

Nochmal deutlich: Nicht das KB Antonow steht in der Kritik, es sind die politischen Entscheidungen nach 2014 der Ministerpräsidenten
und ich gestatte mir, diese Meinung zu äußern.

Zum Thread-Titel - den hatte старый мешок vermutlich gewählt, weil es eigentlich eine traurige Sache ist. Mir wäre z.B. eine "Kurbegleitung" auch lieber. Wenn es soweit ist, reden wir drüber, und das lieber heute als morgen.
R.
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Re: Sterbebegleitung ...

Ungelesener Beitragvon historienquax » Sa 9. Jan 2021, 16:38

bluemchen hat geschrieben:Nochmal deutlich: Nicht das KB Antonow steht in der Kritik, es sind die politischen Entscheidungen nach 2014 der Ministerpräsidenten und ich gestatte mir, diese Meinung zu äußern.

Ich ich gestatte mir dich deutlich darauf hinzuweisen das die kritisierten Entscheidungen eine Folge des Verhaltens Russland gegenüber der Ukraine waren (Krim-Okkupation und Einmarsch in die Ukraine). Russland und die Ukraine könnten heute gemeinsam die An-70 und andere Flugzeuge in Stückzahlen für sich selbst und den Weltmarkt produzieren und die alten Antonow-Transporter An-12, An-24 und An-26 wären längst auf dem Schrottplatz gelandet. Mit anderen Worten, deine Betrachtungsweise ist mir zu einseitig.

PS: Was du mit "Wertsymbol für die Ukraine" ansprichst, da fällt mir sofort der Eigenname Ukraina für die An-10 ein. Das könnte also schon damals gegolten haben.
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Re: Sterbebegleitung ...

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Sa 9. Jan 2021, 18:12

Anmerkung:
"Ukraina" heisst nur der Prototyp der AN-10.

Das Verhältnis Ukraine war schon spätestens nach dem WW2 beschädigt.


Nun zu Antonow. Das Problem dort, es ist genau genommen ein Konstruktionsbüro mit angeschlossenem Musterbau. Das heute dazugehörige Herstellungswerk Aviant ist für Flugzeuge der Größe AN-24/26/30/32 gut geeignet. Alles andere ist nur in einer langsamen Produktion zu machen. Deshalb würde bei der AN-124 das Werk Aviastar in Uljanowsk hinzugezogen. Deshalb würden AN-10, 12 und 22 in Russland gebaut. Und deshalb hat man diverse Kooperationen mit Russland, China, Indien oder Iran angestrebt, um AN-140 und AN-148/58 zu fertigen. Antonow allein ist nicht wettbewerbsfähig.
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Re: Sterbebegleitung ...

Ungelesener Beitragvon historienquax » Sa 9. Jan 2021, 20:02

EA-Henning hat geschrieben:Das Verhältnis Ukraine war schon spätestens nach dem WW2 beschädigt.

Stichwort "Holodomor", Anfang der dreissiger Jahre.

Wird die An-178 eigentlich in Kooperation oder alleine gebaut?
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