Die sowjetische Raumfähre МТКС OK-92 ("Buran") 11F35 K1

Trägerraketen, Satelliten, Raumschiffe und Bodenanlagen
bluemchen
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Die sowjetische Raumfähre МТКС OK-92 ("Buran") 11F35 K1

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Mi 4. Feb 2015, 15:42

Dieses Thema ist durch Abtrennung einiger Beiträge von einem anderen Thema entstanden. Der Anfang ist daher etwas unvermittelt.


EA-Henning hat geschrieben:Ja, das war schon ein Hammerteil.
Ich möchte noch ergänzen, das mit dem 1985er Erstflug des Burans der Flug als Flugzeug gemeint ist. Ein Orbiter war ja mit 4 TL-Triebwerken ausgerüstet.

Genau - 4 Mantelstroms "Lyulka AL-31F" mit je 122,8 kN aus der Entwicklung der Suchoj - 27.
Das hatten nur die Sowjets drauf, die Amerikaner mußten abwerfen zu den Flugtests.
R.
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Kilo Mike Sierra
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Re: Die sowjetische Raumfähre МТКС ("Buran")

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 4. Feb 2015, 21:43

...und fanden dafür eine sehr gute Lösung: Das Shuttle Carrier Aircraft (SCA), d.h. eine modifizierte Boeing 747-100.
Diese Flugzeuge halfen nicht nur bei der Flugerprobung, sondern sicherten während des gesamten STS-Programmes die Mobilität der Orbiter zwischen den verschiedenen Landeplätzen (bei Bedarf weltweit) und der Einsatzbasis auf dem Kennedy Space Center in Florida.

Bild
Boeing 747-100 (SCA) at NASA JSC in Houston, TX by KOBUS 2C, on Flickr

Für das Buran/Energia-Raumfahrtprogramm wurde dazu speziell die An-225 entwickelt.
Für die beiden Marschtriebwerke des Buran-Orbiters in Serienausführung war ein voluminöser Treibstofftank erforderlich, der die Kapazität des Nutzlastraumes im Rumpf zwangsläufig einschränkte. Unter anderem aus diesem Grunde wurden die Marschtriebwerke schließlich aufgegeben, so daß der Buran am Ende doch über keine eigene Triebwerke verfügte.
Es wäre eine interessante Alternative zur "Konkurrenz" gewesen.
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Thomas
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bluemchen
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Re: Die sowjetische Raumfähre МТКС ("Buran")

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Do 5. Feb 2015, 18:32

Das ist schon beeindruckend. Zur Buran muß man aber auseinanderhalten:

Die „OK – GLI“ (Original in Speyer) war nur der „atmosphärische Versuchsträger“ zum Einfliegen der Eigenschaften und des Computerprogramms „Automatische Landung“. Nach 14 Aktivtests war das drin mit Anflug ohne TW.
Mit dem Eigenstart hatte man lediglich eine hohe Operativität erreicht. Da ging es nicht um Ladevolumen.

Die Orbiterversion dagegen brauchte oben ja keine luftatmenden TW. Sie hatte auch nicht wie der Shuttle ein Hauptstart-TW – das übernahm die Energija.
Zur Raumsteuerung waren 46 Gasdüsen und zwei Haupt-TW auf Flüssigbasis (Wasserstoff + LOX) im Heckteil eingebaut.
Hier bedachte man u.a. auch Kreisbahn-Operationen (Wechsel oder Korrektur der Bahnen und Abbremsen), präzise Bewegungssteuerung und Stabilisierung.

- Die „MIR“ wäre ja nur eine Versorgungs-Option gewesen … Es ging um etwas mehr im (damals) kalten Krieg.
(Leider wurde der aktive Orbiter bei dem Halleneinsturz in Baikonur 2002 völlig zerstört. >hell< )

Die vollausgerüstete Buran musste vom Montagewerk Tichiske/Moskau nach Baikonur (2.100Km) überführt werden. Damit war der oben angesprochene weltgrößte Transporter An-225 geboren) :-) .
R.
Ergänzung: Am 24.06.2014 war die -225 in Leipzig zum Weiterflug nach Kanada am 25.06. Wenn ich mich recht erinnere, ging es um einen Super Generator oder -Turbine.
Zuletzt geändert von bluemchen am Do 5. Feb 2015, 21:55, insgesamt 1-mal geändert.
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PeterFrei
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Re: Die sowjetische Raumfähre МТКС ("Buran")

Ungelesener Beitragvon PeterFrei » Do 5. Feb 2015, 18:56

Ende September 2014 auf der WWZ (ehemals WDNCh)

Buran-WDNCh-2014-09.jpg
Buran-WDNCh-2014-09.jpg (69.62 KiB) 2104 mal betrachtet

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Re: Die sowjetische Raumfähre МТКС ("Buran")

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Do 5. Feb 2015, 19:49

Ist das ein vollständiges Exemplar?
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Re: Die sowjetische Raumfähre МТКС ("Buran")

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Do 5. Feb 2015, 21:51

PeterFrei hat geschrieben:Ende September 2014 auf der WWZ (ehemals WDNCh)

Buran-WDNCh-2014-09.jpg

© bei mir

Aha - dann ist es wohl vollbracht. Danke für die Aufnahme. Die Geschichte ist:

Umzug von Moskauer Buran >>>> Juni 2014
... Raumschiff " Buran " soll vom Moskauer Gorki-Park auf das Territorium der ehemaligen WDNCh, wo zu sowjetischer Zeit der Kosmospavillion war, umziehen. Dieses wurde bei einem Rückzug Sitzung der Stadtregierung angekündigt." Wir haben immer wieder das Thema des Umzugs der "Buran" diskutiert, wir wissen jedoch nicht, wo sie toleriert werden könnte und wo sie ihren rechtmäßigen Platz finden würde"- erinnerte Bürgermeister Sergej Sobjanin

Sein Stellvertreter Pjotr Birjukow sagte, " ... dass in einer Umfrage ein Vorschlag die WDNCh war, das Raumschiff in der Nähe des Pavillon Nummer 20 zu plazieren..."
Derzeit laufen bereits Vorbereitungen für den Umzug des BURAN. Nach der endgültigen " ...Entscheidung dauert es etwa einen Monat, dann kann es umziehen", - sagte Biryukov
(Buran am Moskwaufer, im Hintergrund die Krimski-Brücke )

18. Juni berichtete ITAR-TASS mit Bezug auf den Presse-Service des Gorki-Parks, dass am Vorabend von Experten die Flügel und Heck des Schiffes demontiert wurden. Am 22.06. war die Hauptarbeit abgeschlossen und das Raumschiff zum Transport bereit .

Quelle : http://www.buran.ru/htm/news.htm
(vom 22.06.2014 : Королевство кривых зеркал... Königreich der Zauberspiegel ...)
http://www.interfax.ru/realty/realtyinf ... 4&sec=1461

Zur Frage "vollständig" würde ich Zweifel anmelden. Müßte ma noch die Hausnummer rauskriegen. Moglich ist, nur ein Versuchstier.
Rainer
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Re: Die sowjetische Raumfähre МТКС ("Buran")

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 5. Feb 2015, 22:28

bluemchen hat geschrieben:...Da ging es nicht um Ladevolumen.
...
Die Orbiterversion dagegen brauchte oben ja keine luftatmenden TW.
...

Der Prototyp BTS-002 (OK-GLI) wurde ursprünglich mit zwei Strahltriebwerken vom Typ AL-31 ausgestattet. Als jedoch klar wurde, daß deren Schub von 2 x 7.700 daN für einen sicheren Eigenstart zum Zwecke der Flugerprobung im Atmosphärenflug nicht ausreichte, wurde außen am Rumpfheck noch zwei zusätzliche AL-31F Triebwerke mit 2 x 12.500 daN Schub angebracht.

Für die Serienausführung des Orbiters waren die beiden inneren "luftatmenden" Marschtriebwerke vom Typ AL-31vorgesehen. Am Prototypen BTS-002 wird das auch daran erkennbar, daß die beiden inneren AL-31 Triebwerke einen Hitzeschutzschild aufweisen, während die beiden für die Flugerprobung nachgerüsteten AL-31F nicht damit ausgestattet sind.
Diese AL-31 Marschtriebwerke sollten es dem landenden Orbiter ermöglichen, alle geeigneten Pisten auf dem Gebiet der Sowjetunion zu erreichen. Ohne diese Marschtriebwerke zur deutlichen Streckung des Landeanfluges hätten erheblich mehr Flughäfen für eine Buran-Landung vorbereitet werden müssen. Der hierfür erforderliche Kerosin-Tank hätte das Ladevolumen des Orbiters in der Tat erheblich eingeschränkt.

Dieser Antrieb für den Flug in der Erdatmosphäre wär gegenüber dem Orbiter des STS ("Space Shuttle") ein erheblicher Sicherheitsgewinn gewesen, weil er bei der Auswahl des Landeplatz viele Optionen offenhielt und auch eine Steuerung des Gleitwinkels innerhalb weiter Grenzen zuließ. Der Space Shuttle war dagegen im Landeanflug ein antriebsloses (Segel)Flugzeug und wehe es wäre etwas beim Terminal Energy Management (Umsetzen von Flughöhe in Geschwindigkeit) schiefgegangen und man wäre für den Anflug zu tief gekommen. (Ist aber nie passiert.)

Für den orbitalen Erstflug des Buran-Energia-Raumflugsystems am 15. November 1988 waren dessen AL-31 Triebwerke noch nicht einsatzbereit und wurden nicht montiert. So mußte der Buran-Orbiter am Ende seines ersten Orbital-Fluges ebenfalls als Gleitflugzeug landen.
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Re: Die sowjetische Raumfähre МТКС ("Buran")

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 5. Feb 2015, 22:32

Die traurigen Reste des einzigen im Orbit geflogenen Buran-Orbiters mit einem Mock-Up der Energia-Trägerrakete nach dem Einsturz des Hangardaches im Jahr 2002.

Bild
N-1 “Energia-Buran by martin.trolle, on Flickr
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Re: Die sowjetische Raumfähre МТКС ("Buran")

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Fr 6. Feb 2015, 00:56

Nach Bernd Leitenberger´s Recherche wurde ja eine Vielzahl gebaut (im Unterschied zum Shuttle)
- Ursprünglich waren 3 Orbiter geplant, 1983 wurde die Zahl auf 5 erhöht, die auch zumindest im Rohbau fertig gestellt wurden. Daneben wurden zahllose Modelle gebaut. Neben kleinen Modellen auch 6 Modelle in voller Größe und 2 Flugmodelle.
Also was dann wo steht an Modellen (M) ist schwer zu ordnen.
Zum Einsatzspektrum hat der Thomas natürlich Recht mit den integrierten AI´s, das war das Plus der Russen. Die Militärs hatten nicht umsonst ihre Hände im Spiel.
Also: Wer Recht hat gibt eine Runde!
Das später alles anders kam, hat Prof Tschertok (mit 100 gestorben) auch bedauert:
Der alte Herr B.E. Tschertok schreibt im Schlusskapitel seines monumentalen Werkes " Raketen und Menschen" sinngemäss:

"Ärgerlich war schon, dass vor allem militärische Kräfte unbedingt auch ein Shuttle bauen wollten, und sie haben sich durchgesetzt. Sieben Jahre nach dem
Erstflug des Space-Shuttle hat die Buran dann auch einen tadellosen Erstflug hingelegt, dann kam das politische Ende mit dem Auseinanderfallen der Sowjetunion (Ukraine).
Doppelt ärgerlich war, dass das russische Konzept: Nämlich einen unabhängigen Träger UND die Buran, natürlich langfristig gegenüber den USA einen riesigen Vorteil gebracht hätte. Die Energija konnte ja jederzeit bis 100 Tonnen in den nahen Orbit oder 25 T zum Mond schiessen, und sie flog; im Gegensatz zu der längst ausrangierten Saturn 5.
Was für ein Jammer: Mit Energija hätte Russland ein einmaliges Mondprogramm durchziehen können, Pläne gab es zuhauf. Nun es kam leider anders."

Soweit B.E. Tschertok
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Re: Die sowjetische Raumfähre МТКС ("Buran")

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Fr 6. Feb 2015, 17:15

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:Die traurigen Reste des einzigen im Orbit geflogenen Buran-Orbiters mit einem Mock-Up der Energia-Trägerrakete nach dem Einsturz des Hangardaches im Jahr 2002.

Bild
N-1 “Energia-Buran by martin.trolle, on Flickr

Es gab dazu mal eine interessante (natürlich deutsche) Diskussion, wer dafür haftet :-joy: .
"Nach der Wende" ging da Territorium an Astana, mithin seine Liegenschaften. Russland mußte sich diese zur Weiternutzung zurück pachten. Die Haftung allesdings blieb doch beim Eigentümer, also Astana. Mithin gingen alle Ansprüche an den Eigentümer. Aber abgesehen davon sind das wohl nur theoretische Betrachtungen. Verschrottet wird dort eh nix, da kein Verwerter vor Ort und viel zu teuer und Platz ist da ohne Ende. Somit bleibt alles wie es ist. Eine Steppe muß man nicht schön machen um allen Preis. Deswegen bleibt das Ereignis, so traurig es für die Nachwelt ist, wahrscheinlich "open end".
R.
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