Absturz Boeing 737-300 5B-DBY der Helios Airways am 14.08.2005 (IF Flugkapitän abgestürzt)

Der Betrieb Verkehrsflug der INTERFLUG GmbH war die eigentliche Fluggesellschaft der DDR.

Moderator: Kilo Mike Sierra

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Re: Absturz Boeing 737-300 5B-DBY der Helios Airways am 14.08.2005 (IF Flugkapitän abgestürzt)

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 27. Jul 2017, 17:28

Das ist noch nicht die Fortsetzung, aber ich habe einmal nach Vorfällen mit nicht funktionierenden Kabinen-Sauerstoffsystemen gesucht.

Am 28. März 2015 betraf es eine 737-300 der Orient Thai Airlines. Infolge eines Ausfalls des Druckhaltesystem während des Reisefluges stieg die Kabinenhöhe an, so daß beim Überschreiten von 14.000 ft Kabinenhöhe die Sauerstoffmasken herausfielen. Während des anschließenden Notsinkfluges sollen (laut Presseberichten) mehrere Passagiere bewußtlos geworden sein, was entweder auf Nichtbenutzung, falsche Benutzung oder Defekte am O2-System hindeutet. [Bei nachträglicher Recherche erwiesen sich die Presseberichte über verletzte Passagiere als haltlose Sensationshascherei.]

Ich konnte dazu sogar ein Video finden, auf dem zu sehen ist, wie eine Flugbegleiterin hektisch mit einer nicht funktionierenden Maske kämpft. Zumindest am Anfang reißt sie immer wieder am Schlauch(!) ihrer Maske, dann an den Schläuchen der anderen Masken, was jedoch völlig sinnlos oder sogar eher kontraproduktiv ist. Am Ende greift eine ihrer Kolleginnen nach einer portablen Sauerstofflasche, was eine gute Idee war.
Da der O2-Generator schon ausgelöst war (Auslöseseile hängen herunter), sie aber anscheinend keinen Sauerstoff bekommt, muß es sich um einen leeren oder defekten O2-Generator gehandelt haben.



Es ist also überhaupt nicht auszuschließen, daß sich auch an Bord der Helios Airways 737 ein defekter oder leerer O2-Generator befunden hat.
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Re: Absturz Boeing 737-300 5B-DBY der Helios Airways am 14.08.2005 (IF Flugkapitän abgestürzt)

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 31. Jul 2017, 17:47

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:...
Nächste Spekulation. Hat man am Ende einen neuen O2-Generator übrig gehabt und den Aufwand gescheut, alle O2-Generatoren nochmals zu überprüfen? Dazu hätte man alle Klappen wieder öffnen müssen, wobei alle Masken wieder herausgefallen wären.
...

Diese Spekulation war überflüssig. Mir ist gerade aufgefallen, daß die O2-Generatoren für die verschiedenen Service Units (Passenger, Attendant, Lavatory) unterschiedliche Teilenummern haben. Würde also ein O2-Generator für eine Attendant Service Unit übrig geblieben sein, so müssten nur sehr wenige Einbauorte überprüft werden.
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Re: Absturz Boeing 737-300 5B-DBY der Helios Airways am 14.08.2005 (IF Flugkapitän abgestürzt)

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 16. Aug 2017, 17:41

Auch zwölf Jahre nach der Tragödie von Grammatiko verbreiten die Medien (auch die zypriotischen und die griechischen) immer noch die gleichen, längst widerlegten Geschichten über den Hergang des Unfalls.
Demzufolge habe ein (längst freigesprochener, aber dennoch immer wieder namentlich genannter) Flugtechniker die Katastrophe verursacht. Kompletter Blödsinn!
Auch werden wieder die drei Management-Piloten vorgeführt, die angeblich eine "fluguntaugliche" Besatzung losgeschickt hätten. Selbstverständlich hatten sie das nicht getan, denn die Besatzung erfüllte alle rechtlichen Voraussetzungen (Qualifikation, Tauglichkeit), um diesen Flug anzutreten.
Hier zeigt sich auch der innere Widerspruch dieser ganzen ständig wiedergekäuten Presse-Story. Wer bitteschön war denn nun schuldig? Der Techniker, die Piloten oder das Management? Oder alle zusammen?

Es ist ein Armutszeugnis für die darüber berichtenden "Journalisten", daß sie offenbar recherchefrei arbeiten. Ansonsten hätten sie schon vor Jahren erfahren können, daß die Geschichte mit der falschen Schalterstellung von echten(!) Experten für Flugunfalluntersuchung zweifelsfrei widerlegt worden ist.

Ich befürchte, daß die Hinterbliebenen auch nur die Geschichte mit dem angeblich nicht richtig stehenden Schalter kennen.
Über den ohne jeden Zweifel vom Kabinenpersonal geführten Kampf um das Flugzeug und die Passagiere hat so gut wie niemand irgendein Wort verloren. Man tut gerade so, als wären die Flugbegleiter nur als Ballast an Bord gewesen.

Vorgestern habe ich eine E-Mail mit der Bitte erhalten, dieses Forumthema oder zumindest wesentliche Teile davon in die englische Sprache zu übersetzen. Daran hatte ich hin und wieder auch schon einmal gedacht. Zuerst muß ich aber wohl meine theoretischen Betrachtungen über die Vorgänge in der Kabine zu Ende bringen - und dann nochmals genau prüfen.
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Re: Absturz Boeing 737-300 5B-DBY der Helios Airways am 14.08.2005 (IF Flugkapitän abgestürzt)

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 15. Nov 2017, 17:16

Weiter oben hatte ich schon berichtet, daß leitende Angestellte (Management-Piloten) der Helios Airways von Athener Gerichten zu absurden und unmenschlich hohen Haftstrafen verurteilt worden waren, die später in einem Berufungsverfahren in hohe Geldstrafen umgewandelt worden sind. Kürzlich bin ich nun auf dem griechischen Nachrichtenportal GR Reporter (nicht mehr aktiv) auf ausführliche Gerichtsreportagen zum Helios-Unfall gestoßen. Was ich da gelesen habe, ist weitaus schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte. Das ist ein Justizskandal erster Ordnung. Mit dem Begriff der Rechtsbeugung ist das kaum noch zu umschreiben.

Richter und Staatsanwälte haben hochgradig inkompetent agiert.
Das eindeutig formulierte JAA/EASA-Vorschriftenwerk über das Training von Piloten wurde völlig falsch ausgelegt und so den Angeklagten ein Strick daraus gedreht.
In der Vorschrift steht, daß die Piloten im Zyklus von drei Jahren alle wichtigen Abläufe einmal trainieren müssen. Dazu gehört auch das Verhalten bei Dekompression der Kabine.
Aus einfach nicht nachvollziehbaren Gründen „glaubte“ das ehrenwerte Gericht jedoch, Dekompression müsse alle sechs Monate, also bei jedem Simulator-Training geübt werden. Wenn das wirklich so wäre, müßte das Simulatortraining für alle Verkehrspiloten auf ein Mehrfaches ausgedehnt werden.
Weil die beiden Piloten bei ihrem letzten Simulatortraining keine Dekompressionsübung ausgeführt hatten [weil sie da einfach noch nicht wieder an der Reihe war], wurde speziell dem Chefpiloten vorgeworfen, er hätte seinen Job nicht richtig gemacht und unfähige inkompetente Piloten auf den Flug geschickt.

Ein Laie mit Richterrobe behauptet etwas, was in keinem Gesetz und in keiner Vorschrift steht – und schon bekommt ein Chefpilot lebenslänglich. Normalerweise wäre ein Freispruch unumgänglich gewesen. Stattdessen wurden die drei leitenden Angestellten zu jeweils 121 Jahren Gefängnis verurteilt, was aufgrund der Höchststrafe für fahrlässige Tötung eine effektiv zu verbüßende Haftstrafe von zehn Jahren ergab. Diese wurde später in einem Berufungsverfahren auf ca. 73.000 € Geldstrafe reduziert.

„Auf hoher See und vor Gericht befindest du dich in Gottes Hand.“

Weiterhin wurden alte Geschichten aus dem „früheren Leben“ des Kapitäns (ex INTERFLUG) ausgegraben. Dieser war bei seiner vorherigen Firma angezählt worden, weil er in zwei Fällen den Sinkflug zu spät eingeleitet hatte und daher unter Verwendung der Spoiler mit erhöhter Sinkgeschwindigkeit geflogen war.
Die Helios-Manager hatten davon selbstverständlich keine Kenntnis und mit dem späteren Unfall hatte das ebenfalls nichts zu tun. Aber für Staatsanwalt und Richter war auch das ein gefundene Fressen. Sinngemäß ‘Wer so einen schlechten Piloten einstellt, handelt grob fahrlässig.’

Auch den Copiloten befand man für hinreichend untauglich. So befand man es als merkwürdig, daß er mit 51 Jahren immer noch Copilot gewesen ist. Ein Blick in seinen Lebenslauf hätte genügt, um zu erfahren, daß er erst im Alter von 35 Jahren Verkehrspilot geworden war.

Die eindeutigen Erkenntnisse der kanadischen Unfalluntersucher zur Stellung des Wahlschalters am Druckhaltesystem wurden von den griechischen Richtern ebenfalls stur ignoriert.
Der Knopf des Wahlschalter am Bedienpaneel für die Druckhalteanlage, eines der wichtigsten Beweisstücke überhaupt, war zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung „verschwunden“. Dazu fällt mir nichts mehr ein.
Wie können wichtige Beweismittel in einem der aufsehenerregendsten Fälle der griechischen Justizgeschichte zum schwersten Unfall der griechischen Luftfahrtgeschichte einfach so verloren gehen?!
Es sind u.a. die mechanischen Spuren an diesem Knopf, die beweisen, daß er beim Aufschlag auf AUTO und nicht auf MANUAL gestanden hat.

Boeing, dessen Druckhaltesystem ausgefallen war und dessen Kabinendruckwarnung auch bei früheren Vorfällen mit der 737 zu der gleichen Konfusion wie im Helios-Cockpit geführt hatte, saß übrigens nicht mit auf der Anklagebank. Dort saßen aus unerfindlichen Gründen nur Unbeteiligte.
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Re: Absturz Boeing 737-300 5B-DBY der Helios Airways am 14.08.2005 (IF Flugkapitän abgestürzt)

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 16. Nov 2017, 17:20

Man stelle sich vor, ein Lkw-Fahrer fährt auf der Autobahn, ein Vorderreifen platzt, der LKW beginnt zu schlingern und es kommt zum Unfall, bei dem der LKW einen Reisebus rammt, der sich bei hoher Geschwindigkeit überschlägt. Der LKW-Fahrer sowie 30 Insassen des Busses kommen ums Leben. Es ist der schwerste Unfall in der Geschichte der Bustouristik des Landes.
Der Fall kommt vor Gericht, wobei bis zum Prozeßbeginn die Reste des geplatzten Reifens sowie die bei der Unfallaufnahme gemachten Fotos der Reifen- und Bremsspuren verloren gegangen sind.
Die Richter erklären den Chef der Speditionsfirma für schuldig, weil er den aus Sicht des Gerichtes inkompetenten Lkw-Fahrer eingestellt hat. Nach Ansicht des Gerichtes ist der Fahrer auch deshalb inkompetent gewesen, weil er früher bei einer anderen Firma zweimal durch Fahren mit verschmutzten Scheinwerfern auffällig geworden war. Die Schuld des Chefs besteht auch darin, nicht dafür gesorgt zu haben, daß der Fahrer beim letzten Sicherheitstraining die Reaktion auf platzende Reifen geübt hat, was gesetzlich gar nicht vorgeschrieben ist.
Auch nachdem inzwischen bekannt geworden ist, daß die verwendeten Reifen aufgrund eines Technologiefehlers bei der Runderneuerung mangelhaft waren, wird dieser Umstand vom Gericht nicht gewürdigt.
Es kommt zum Urteilspruch.
Das Strafmaß wird auf 31 Jahre Haft festgesetzt, d.h. ein Jahr Haft für jedes Todesopfer.

Genauso hat das griechische Gericht agiert.

Nach dieser europäischen(!) "Rechtssprechung" ist es höchst riskant, eine Leitungsposition in einem Luftfahrtunternehmen zu übernehmen.
Immerhin erlaubt es die Anzahl der Sitzplätze der eingesetzten Flugzeugtypen vorab einzuschätzen, wie lange man am Ende im Verließ verschwindet, sollte einmal etwas passieren. Das ist Transparenz.
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Re: Absturz Boeing 737-300 5B-DBY der Helios Airways am 14.08.2005 (IF Flugkapitän abgestürzt)

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Mi 13. Dez 2017, 17:04

Zu diesem griechischen (nicht nur)Justiz-Drama fällt einem tatsächlich nichts mehr ein,

aber: Es kommt mir irgendwie in den Sinn, in diesen Tagen im Bücheregal wieder einmal nach
Alexandre Dumas "Der Graf von Monte Christo" zu greifen.

1815 und verstaubt?
Nein, nein - Euer Freund Edmond Dantes läßt grüßen, bis heute
Rainer

... und Danke an Thomas für diese unendliche Recherche
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