Seitenwindlimit der Tu-134

Moderator: Kilo Mike Sierra

Kilo Mike Sierra
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Seitenwindlimit der Tu-134

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Di 20. Mai 2014, 02:59

Wikipedia erklärt uns ein Problem der Tu-134 (und Tu-124).

Die Tragflächen sind für einen Flug im hohen Unterschallbereich stark gepfeilt und weisen eine negative V-Stellung auf, um die unerwünscht hohe Richtungsstabilität des Pfeilflügels herabzusetzen. Dies führt jedoch zu einer relativ geringen Bodenfreiheit und schränkt Starts und Landungen bei starkem Seitenwind ein.


Ausgerechnet die Tu-134 soll bei Seitenwind besonders beschränkt sein. Ich kenne kein sowjetisches Verkehrsflugzeug, das ein höheres Limit für Seitenwind bei Start und Landung hat als die Tu-134.
Bei trockener Bahn sind es ganze 39 kt (20 m/s). Da ächzt sogar die eher windunempfindliche 747-8, für die eine maximale Seitenwindkomponente von 30 kt als Begrenzung empfohlen wird.
Die Tu-154 ist deutlich abgeschlagen auf 33 kt (17 m/s) limitiert. Jak-40, Jak-42 und Il-62 folgen mit 29 kt (15 m/s).
Wo hat also die Tu-134 ein Problem mit Seitenwind?!

Mangels eigener Erfahrung kann ich nicht beurteilen, ob eine Tu-134 bei Seitenwind einfach oder schwierig zu starten oder landen ist. Dem Flugzeug eine besondere Beschränkung anzudichten, ist jedoch reine Theoriefindung, um einmal das gängige Wikipedia-Edit-War-Vokabular zu benutzen.

Vielleicht hat ja jemand den geometrisch ungünstigsten Fall konstruiert.
Wenn man die Tu-134 mit 12 Grad Längsneigung und so hart aufsetzt, daß das Hauptfahrwerk bis zum Anschlag einfedert, dann hat man bei der Querneigung nur drei Grad Spielraum, bis die Außentragfläche den Boden berührt.
Nur wer landet so ein Flugzeug?

Im Bereich normaler Längsneigungswinkel ist bei der Tu-134 die Bodenfreiheit der Außenflügel (trotz negativer V-Form) sogar größer als bei der vergleichbaren DC-9/MD-80.
Das liegt an der größeren Höhe und Spurweite des Fahrwerkes.
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Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Di 20. Mai 2014, 14:20

Was ist eigentlich die Ursache dafür, das die "Lötlampe" so seitenwindstabil ist?
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Kilo Mike Sierra
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Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Di 20. Mai 2014, 15:57

Warum das Seitenwindlimit der Tu-134 vergleichweise hoch ist, kann ich nur mit allgemeinen Vermutungen begründen.
- robustes Fahrwerk, das auch Schiebelandungen mit hohen Seitenkräften aushält
- breite Spurweite
- ausreichende Bodenfreiheit (falls mit Schräglage aufgesetzt wird)
- ausreichende Seitenruderwirksamkeit
- hohe Landegeschwindigkeit (nicht unbedingt ein Vorteil, bei Seitenwind aber schon)

Es war halt doch nicht alles schlecht bei der Tu.

Gegebenenfalls machen wir daraus ein eigenen Thema. Ausgeführt.
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Flieger Bernd
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Ungelesener Beitragvon Flieger Bernd » Di 20. Mai 2014, 18:44

Die TU-134 wird bei Seitenwind nicht mit Schräglage gelandet,
sondernmit Vorhaltewinkel. Das Fahrwerk ist sehr stabil und bei einer
harten Landung kommen die Interzeptoren sofort - wichtig !

Diese TU fliegen erfordert Mut und Kraft
Kpt. Guntram M.
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Kilo Mike Sierra
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Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Fr 30. Mai 2014, 16:46

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:Warum das Seitenwindlimit der Tu-134 vergleichweise hoch ist, kann ich nur mit allgemeinen Vermutungen begründen.
- robustes Fahrwerk, das auch Schiebelandungen mit hohen Seitenkräften aushält
- breite Spurweite
- ausreichende Bodenfreiheit (falls mit Schräglage aufgesetzt wird)
- ausreichende Seitenruderwirksamkeit
- hohe Landegeschwindigkeit (nicht unbedingt ein Vorteil, bei Seitenwind aber schon)
...

Die Unterschiede bei der Fahrwerksspurweite sind erstaunlich groß:

- DC-9: 4,9 m
- Tu-134: 9,45 m (193 % im Vergleich zur DC-9)

- 727: 5,72 m
- Tu-154: 11,5 m (201 % im Vergleich zur 727)

Mr. Tupolew war aufgrund seiner Tu-typischen Unterbringung des Fahrwerkes in Flügelgondeln bei der Festlegung der Spurweite keinen besonderen Zwängen unterworfen.
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Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 2. Jun 2014, 22:40

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:Wikipedia erklärt uns ein Problem der Tu-134 (und Tu-124).

Die Tragflächen sind für einen Flug im hohen Unterschallbereich stark gepfeilt und weisen eine negative V-Stellung auf, um die unerwünscht hohe Richtungsstabilität des Pfeilflügels herabzusetzen. Dies führt jedoch zu einer relativ geringen Bodenfreiheit und schränkt Starts und Landungen bei starkem Seitenwind ein.


Ausgerechnet die Tu-134 soll bei Seitenwind besonders beschränkt sein. Ich kenne kein sowjetisches Verkehrsflugzeug, das ein höheres Limit für Seitenwind bei Start und Landung hat als die Tu-134.
Bei trockener Bahn sind es ganze 39 kt (20 m/s). Da ächtzt sogar die eher windunempfindliche 747-8, ...


Die russische Wikipedia ist gegenüber der deutschen Wikipedia ebenfalls zur gegenteiligen Ansicht gelangt.
Выдающейся особенностью самолёта являются непревзойденные до сих пор ограничения по величинам встречной (30 м/c) и боковой (20 м/с) составляющих ветра при взлете и посадке. В условиях СССР, где подавляющее большинство аэродромов имели только одну ВПП, это качество сыграло заметную роль в повышении регулярности полетов.


Übersetzung:
Herausragendes Merkmal des Flugzeugs ist das unübertroffen hohe Limit für die Gegenwindkomponente (30 m/s) und die Seitenwindkomponente (20 m/s) bei Start und Landung. In der UdSSR, wo die überwiegende Mehrzahl der Flughäfen nur eine Landebahn hatte, hat diese Qualität eine überaus wichtige Rolle bei der Erhöhung der Regelmäßigkeit des Luftverkehrs gespielt.
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Ungelesener Beitragvon Flieger Bernd » Di 3. Jun 2014, 13:06

TU-134
Richtig - Durch die Anordnung der Tragflügel geringe Bodenfreiheit
Deshalb - Landetechnik bei Seitenwind mit Vorhaltewinkel "Nase im Wind"
und nicht (wie andere) - Schräglage "hängender Flügel im Wind".
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Re: Seitenwindlimit der Tu-134

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Di 3. Jun 2014, 15:29

Die Landetechnik bei Seitenwind mit Vorhaltewinkel "Nase im Wind" dürfte für die meisten Tiefdecker unter den Verkehrsflugzeugen die bevorzugte Methode sein.
Somit fällt die Tu-134 auch hier nicht aus dem Rahmen, wie uns die deutsche Wikipedia suggerieren will.
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Re: Seitenwindlimit der Tu-134

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Fr 6. Jun 2014, 14:43

Nachfolgend als Illustration zu diesem Thema ein recht gutes HD-Video, das die Landung unserer ex DDR-SCS (ex D-AOBG) am 26. September 2010 auf dem Flughafen
Nowosibirsk-Tolmatschowo zeigt.

Die breite Spurweite des Hauptfahrwerkes kommt hier gut zur Geltung. (Schade, daß danach keine DC-9 landet.)



Der Autor des Videos versucht die "fehlende" Glasnase für den Navigator mit einer neuen Variante einer Typenbezeichnung zu dokumentieren: Tu-134A(B)-3.
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Re: Seitenwindlimit der Tu-134

Ungelesener Beitragvon Texasstyle » Di 10. Jun 2014, 13:13

Moin.
Da hammas doch. Alles basiert anscheinend nur auf Übersetzungsfehler. Ich übersetze sehr viel und kann sagen das sowas schnell passiert ist dass man den Sinn genau andersrum wiedergibt. Kannst du nicht bei Wikipedia den Artikel umschreiben? Das würde doch auch helfen.
Danke für diesen Hinweis wo ich mich über die 134 schlau gemacht hab ist mir dass auch schon aufgefallen aber hab halt gedacht das stimmt schon so. Leider bin ich des kyrillischen nicht mächtig um das zu verifizieren.
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http://www.youtube.com/user/Texasstyle67?feature=mhee aviation memories
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