MiG-21i "Analog" (A-144)

Moderator: Kilo Mike Sierra

EA-Henning
Administrator
Administrator
Beiträge: 5561
Registriert: So 24. Okt 2004, 18:26
Postcode: 99817
Country: Germany
Skype-Name: EDGE-Henning
Wohnort: DE 99817 Eisenach
x 249
x 34
Kontaktdaten:

MiG-21i "Analog" (A-144)

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mi 8. Feb 2012, 22:24

Ein interessantes Flugzeug ist die MiG-21i, welches bei der Entwicklung der TU-144 verwendet wurde.

MiG-21-i "Analog"
Fliegendes Labor zur Unterstützung der TU-144 Entwicklung.

Alternativ-Bezeichnungen:
21-11 (Erzeugnis 21-11);
A-144 ("A"Steht hier für "Analog");

Auf Basis der MiG-21S wurden in den 1960er Jahren zwei Prototypen zur Erprobung der Tragflächenkonstruktion der Tupolew TU-144 gebaut.
Während die erste Maschine (MiG-21-i1) zumindest zweitweise komplett weiss mit Sowjetflagge am Seitenleitwerk lackiert war und sogar ein ziviles Kennzeichen trug,
ist die zweite Maschine (MiG-21-i2) im eher unspektakulären silbernen Farbschema der sowjetischen Luftstreitkräfte gehalten.
Unstimmigkeiten mit dem Tragflügelprofil der TU-144 verzögerten auch den Bau der MiG-21-i. Bis 1969 wurden rund 140 Flüge durchgeführt,
die vorrangig der TU-144 Entwicklung dienten, aber auch die Testpiloten der TU-144 konnten auf den Flugzeugen erste Erfahrungen sammeln.
Der Erstflug des TU-144 Prototypen war bereits am 31.12.1968, die Erkenntnisse der MiG-21-i "Analog" sind somit wohl eher der TU-144(S) zugute gekommen.
Nach den Flügen im Rahmen des Erprobungsprogramms der TU-144 dienten die beiden Flugzeuge zunächst der Weiterentwicklung der MiG-21.
Die Variante MiG-21LSH sollte ein schwanzloses Delta-Flugzeug werden, ähnlich dem Schema der Dassault-Mirage oder den Kampfflugzeugen von Saab.
Anfang der 1970er Jahre gelangte die zweite Maschine ins Museum der sowjetischen Luftstreitkräfte in Monino, während die erste Maschine bei einer Kunstflugvorführung abgestürtzt ist.
Das "i" in der Typbezeichnung soll für "Imitator" stehen.

MiG-21-i1 (23-11/1)
Kennzeichen: CCCP-1966
Erstflug: 18.04.1968 mit Testpilot O.W.Gudkow;
Verwendung: Erprobung des Elevon-Control-Systems für Flugzeuge ohne Heckflossen.
Farbschema: Silbergrau, zweitweiße Weiss mit Sowjetflagge;
Bemerkung: Gegenüber MiG-21S anderes Triebwerk, andere Tragflächen, fehlende Heckflossen.
Verbleib: bei einer unerlaubten Kunstflugvorführung in geringer Höhe am 28.06.1970 verunfallt.
Testpilot V.Konstantinow kam dabei ums Leben.

MiG-21-i2 (23-11/2):
Kennzeichen: -/-
Erstflug: ?/1968
Verwendung: Erprobung der Flügelvorderkannte mit Pfeilung bis 78°am Gromow Flugtest-Institut.
Farbschema: Silbergrau, roter Sowjetstern der Luftstreitkräfte, roter Kegel im Triebwerks-Lufteinlauf.
Bemerkung: Ausführung wie MiG-21-i1,Auf dem Seitenleitwerk und seitlich rechts auf der Rumpfverkleidung hinter dem Cockpit
befinden sich in strömungsgünstigen Verkleidungen Filmkameras. Die Tragflächen sind breiter als bei der MiG-21-i1.
Das Fahrwerk sieht aus, als wäre es nicht einziehbar?

Technische Daten:
Typ: MiG-21-i (A-144/Erzeugnis 21-11)
Verwendungszweck: Erprobungsflugzeug;
Besatzung: 1 (Pilot);
Länge: 14,7m (Mit Antennen),12,28m (ohne Antennen);
Höhe: 4,71m
Spannweite: 8,15m (MiG-21-i1),11,5m (MiG-21-i2);
Flügelfläche: 2,43m
TOW: 8750kg;
MTOW: 9050kg;
Triebwerk(e): Tumanski R-13F300 Turbojet (ETL);
Schub: 39.9 kN (63.7 kN mit Nachbrenner);
Kraftstoffkapazität: 2715 kg (17 % mehr als bei der MiG-21S);
Höchstgeschwindigkeit: Mach 2.06;
Landegeschwindkeit: 225 km/h;
Maximale Flughöhe: 19000m;

MiG-21i-Analog_Monino-18082011_Axel-Pohl_01_W.jpg
MiG-21-i2 in Monino.


Mehr Infos zum Projekt MiG-21LSH: http://www.testpilot.ru/russia/mikoyan/mig/21/lsh/mig21lsh.htm

0 x
Flieger sterben nicht, sie fliegen nur höher!

EA-Henning
Administrator
Administrator
Beiträge: 5561
Registriert: So 24. Okt 2004, 18:26
Postcode: 99817
Country: Germany
Skype-Name: EDGE-Henning
Wohnort: DE 99817 Eisenach
x 249
x 34
Kontaktdaten:

MiG-21i "Analog"

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mi 8. Feb 2012, 22:28

Was mich bei dem Flugzeug stutzig macht, ist das Hauptfahrwerk. Sieht aus wie vom Mi-8.....
Axel, sag mal was dazu.
MiG-21i-Analog_Monino-18082011_Axel-Pohl_01a_W.jpg
Was ist das für ein Fahrwerk???
0 x
Flieger sterben nicht, sie fliegen nur höher!

Kilo Mike Sierra
Administrator
Administrator
Beiträge: 3930
Registriert: Do 20. Okt 2005, 18:36
Postcode: 1189
Wohnort: Deutschland
x 39
x 126
Kontaktdaten:

Re: MiG-21i "Analog"

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 9. Feb 2012, 23:03

EA-Henning hat geschrieben:Ein interessantes Flugzeug ist die MiG-21i, welches bei der Entwicklung der TU-144 verwendet wurde.
...
Unstimmigkeiten mit dem Tragflügelprofil der TU-144 verzögerten auch den Bau der MiG-21-i.
...

Es soll doch genau umgekehrt gewesen sein. Die schleppende Fertigstellung der MiG-21I seitens des OKB-155 von Mikojan (trotz Bereitstellung aller Daten) hat das Tu-144 Programm verzögert. Erstflug der MiG-21I war am 18. April 1968.


EA-Henning hat geschrieben:...während die erste Maschine bei einer Kunstflugvorführung abgestürtzt ist.
...

Das war keine Kunstflugvorführung, sondern eine fatale Disziplinlosigkeit des Piloten, der in geringer Höhe eine Faßrolle versucht hatte.
0 x
Thomas
Seitdem ich die Zeitung abbestellt habe und keine Nachrichten mehr einschalte, bin ich viel besser informiert.

DDA
Ex NVA
Ex NVA
Beiträge: 300
Registriert: Do 14. Dez 2006, 14:48
Wohnort: 13055 Berlin de
x 16
x 25
Kontaktdaten:

Re: MiG-21i "Analog" (A-144)

Ungelesener Beitragvon DDA » Fr 10. Feb 2012, 16:06

Mist, da hat mich das Forum nach dem Verfassen meiner Antwort wieder herausgeworfen, also noch einmal das Ganze:

Das Hauptfahrwerk sieht für mich so aus, wie ein Standard-Fahrwerk einer MiG-21, nur daß dem Stoßdämpfer ein wenig der federnde Stickstoffdruck verloren gegangen ist. Es sind zumindest, soweit erkennbar, alle Teile vorhanden, die zum ordnungsgemäßen Einfahren des Hauptfahwerkrades nötig sind. nur das Trapez, welche sicherstellt, daß das Rad seine senkrechte Lage beim Einfahren beinbehält, ist etwas zusammengedrückt.

Es macht in meinen Augen auch wenig Sinn, an einem Flugzeug, welches die Untersuchung einer Tragflächenform bis hin zu Mach 2 zur Aufgabe hat, in seiner Umströmung so nachhaltig durch ein ausgefahrenes Fahrwerk zu stören. Weiterhin glaube ich mich erinnern zu können, daß das Fahrwerk an der MiG-21 bis maximal 400 km/h ausgefahren bleiben durfte. Außerdem ist der Luftwiderstand so erheblich, daß ich es zu bezweifeln wage, daß das Flugzeug, selbst wenn das FW höhere Geschwindigkeiten übersteht, mit dem nicht überragend hohem Schub des R13 überhaupt die Schallgeschwindigkeit erreichen würde.

Die einzige MiG-21- Version, die ihr (Haupt-)Fahrwerk nicht einziehen konnte, war meines Wissens nach die MiG-21DPD, weil bei dieser dort, wo die Hauptfahwerkschächte liegen, die Rohre der RD-36 Hubtriebwerke verliefen. Bei dieser ging es aber auch nur um die Erprobung von Start und Landung...

Die MiG-21I war übrigens nach Aussagen des Testpiloten im OKB MiG, Orlow ein recht agiles Fluggerät. So agil, daß man ernsthaft überlegte, ob nicht auf Basis dieser Tragflügelkonstruktion einen Serienversion entwickelt werden sollte. Das Tragwerk der MiG-21 war zu diesem Zeitpunkt schließlich schon über 10 jahre alt. Aus Kapazitätsgründen (lt Orlow) und weil man zu dieser Zeit große Hoffnungen auf veränderliche Tragflächengeometrie zur Verbesserung der Beweglichkeit setzte, wurde die Idee letztlich doch nicht weiter verfolgt.

Bei genauem Hinsehen ergeben sich zur Serien - MiG-21S (aus dieser ging die MiG-21I hervor) eine Veränderungen:
a) die Verkleidung auf der Finne und im Tunnel. Eventuell ist sogar der Behälter7 vor dem Tunnel kürzer.
b) auf der Bugluke ist im vorderen drittel eine Öffnung, an der etwas befestigt gewesen sein muß.
c) rund um das Bugfahrwerk ragen einige Verkleidungen hervor, die wahrscheinlich Sensoren, vielleicht auch einen Rauchgenerator enthalten
d) die Antennen des Heckwarngerätes SPO-10 feheln im Seitenruder wie auch in der Flügelnase
e) in der Kabine ist kein optisches Visier erkennbar
f) eventuell fehlt die Außenbordsteckdose für die Wechselspannungsversorgung, dazu fehlt mir aber gerade ein passendes Vergleichsbild einer miG-21S. Es kann auch sein, daß diese Dose in der Mitte genau unter dem Rumpf liegt. Insbesondere für den Betrieb des doch recht leistungshungrigen Saphir.21 (Funkmeßvisier, dies war ab der MiG-21S in allen späteren Kampfmaschinen [S,SM, SMT,MT,bis] zumindest im Mutterland verbaut ) ist der Wechselspannungsgenerator SGO-8 und damit auch sein Ersatz bei stehendem Triebwerk nötig

Axel
0 x
ex. Funker JG8 2.JS

EA-Henning
Administrator
Administrator
Beiträge: 5561
Registriert: So 24. Okt 2004, 18:26
Postcode: 99817
Country: Germany
Skype-Name: EDGE-Henning
Wohnort: DE 99817 Eisenach
x 249
x 34
Kontaktdaten:

Re: MiG-21i "Analog" (A-144)

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Fr 10. Feb 2012, 16:51

Das gehört so? Also, ich meine das Teil, wo der Pfeil hinzeigt, was so etwa wie ein PKW-Querlenker aussieht?
MiG-21i-Analog_Monino-18082011_Axel-Pohl_01b_W[1].jpg
Bitte auf den Pfeil achten
0 x
Flieger sterben nicht, sie fliegen nur höher!

DDA
Ex NVA
Ex NVA
Beiträge: 300
Registriert: Do 14. Dez 2006, 14:48
Wohnort: 13055 Berlin de
x 16
x 25
Kontaktdaten:

Re: MiG-21i "Analog" (A-144)

Ungelesener Beitragvon DDA » Fr 10. Feb 2012, 16:54

Das, was Du da siehst, ist die mangels Druck im System heruntergefallene zentrale Bremsklappe. Da täuscht leider die Perspektive, ein wenig der Tele- Einstellung geschuldet, weil ich so schlecht an die hinter der Tu-144 stehende MiG-21I herangekommen bin.

Zwischen Hauptfahrwerksrad und Bremsklappe liegt ca 1 Meter Abstand.

Axel
0 x
ex. Funker JG8 2.JS

EA-Henning
Administrator
Administrator
Beiträge: 5561
Registriert: So 24. Okt 2004, 18:26
Postcode: 99817
Country: Germany
Skype-Name: EDGE-Henning
Wohnort: DE 99817 Eisenach
x 249
x 34
Kontaktdaten:

Re: MiG-21i "Analog" (A-144)

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Fr 10. Feb 2012, 17:05

Aha, da war ich also völlig auf dem falschen Weg....
Danke Axel!
0 x
Flieger sterben nicht, sie fliegen nur höher!


Zurück zu „Tupolew Tu-144“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste