Für die Tu-154 gelten andere physikalische Regeln

Moderator: Kilo Mike Sierra

Kilo Mike Sierra
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Re: Für die Tu-154 gelten andere physikalische Regeln

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 14. Apr 2014, 17:40

Die polnische Regierung hat aufgrund der zahlreichen herumgeisternden Alternativtheorien zum Absturz von Smolensk eine Website eingerichtet, wo alle wesentlichen Fakten noch einmal allgemeinverständlich dargelegt werden.
Der zuletzt veröffentlichte Artikel trägt die recht passende Überschrift "Hundert Hypothesen und eine Ursache", wobei 20 dieser Theorien in dem Artikel kurz geschildert werden.

Am abwegigsten erscheint mir die durch absolut gar nichts gestützte Hypothese, daß die Russen unter der Tu-154 große Mengen Helium freigesetzt hätten, wodurch sich der Auftrieb stark reduziert und den Absturz bewirkt hätte. Jedenfalls eine exzellente Idee für einen neuen Hollywood-Film . . .
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Re: Für die Tu-154 gelten andere physikalische Regeln

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Di 15. Apr 2014, 06:28

Das wäre dann das russische Bermudadreieck.
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Re: Für die Tu-154 gelten andere physikalische Regeln

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Do 11. Jan 2018, 15:53

EA-Henning hat geschrieben:Das wäre dann das russische Bermudadreieck.

"... russisches Bermuda-Dreieck" ist gut - ein noch Größeres in rechtskonservativen polnischen Köpfen möge die neuerliche Auffassung in der Ursachen"forschung" von Kaczynskis UnglücksMaschine begleitet haben:

Nicht nur Wetter-unter-minimum, Sinkhöhenunterschreitung und erzwungene Landung >>> "der Präsident landet wo er will" (n-tv 10.04.2010) obwohl Smolensk sagt >>>unmöglich<<< bei dem Wetter -
Nein, jetzt kommen noch zwei Explosionen in der TF sogar ursächlich in Frage!

Es kann sein, ich bin etwas begriffsstutzig, wenn ich mir die Frage stelle - was wollen die Polen eigentlich >frage<
>>> Ihre Präsidentenmaschine, vom eigenen Hoheitsgebiet gestartet, hat auch noch zwei Sprengkörper an Bord? Diese Welt ist mir nicht sehr verständlich.

Eine YT Tonaufnahme: https://www.youtube.com/watch?time_cont ... FrE0fwRMeU , in der
ich, mit zugegeben gealterten Gehör, eigentlich wenig von Explosionen höre, als vielmehr eine Flächenkollision und danach Schreie ...

Die Tass heute dazu: http://tass.ru/proisshestviya/4866630 (und sicherlich Andere auch)

Wenn ich dennoch (mit)spekuliere: Hätte der Navigator nicht reingerufen "zu Hoch" , möglicherweise vom Radarhöhenmesser über der Senke vor dem Platz,
wäre diese Tragödie vlt. sogar ausgeblieben...
R.
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Re: Für die Tu-154 gelten andere physikalische Regeln

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Fr 12. Jan 2018, 02:15

Ich erinnere daran, daß der Lotse am Präzisionsanflugradar (PAR) die Besatzung im Glauben ließ, sie seien AUF dem Gleitweg, während sie anfangs darüber, später deutlich darunter waren. Erst als es zu spät war, sagte er dann etwas anderes.
Die Piloten mußten sich auf den PAR-Lotsen verlassen, da der Anflug bei dieser noch schlechter als grenzwertigen Sicht (wenn überhaupt) nur nach PAR hätte funktionieren können. Ein ILS gab es in Smolensk nicht und ein nur auf NDB bzw. Markeure gestützter Anflug hatte keinerlei Erfolgschance.

Dieser Anflug durfte nicht nach Funkhöhenmesser geflogen werden, u.a. wegen der Senke vor der Landebahn.
(Eigentlich wird gar kein Anflug nach dem Funkhöhenmesser geflogen. Nur beim Bestimmen der Entscheidungshöhe (DH) und beim Ausschweben wird er wichtig.)
Leider wurde der barometrische Höhenmesser des Kapitäns von einem der beiden Piloten während des Anfluges um 160 m "nach oben" verstellt, um dadurch das EGPWS zum Schweigen zu bringen. Da der Flughafen Smolensk nicht in der Terrain Database des EGPWS gespeichert war, warnte das Gerät, als es einen Landeanflug erkannte, ohne eine dazu passende d.h. direkt voraus liegende Landebahn in seiner Database zu finden (premature descent warning).
Es war korrekt, daß die Piloten diese "falsche" Warnung ignorierten. Sie hätten ihr EGPWS vor dem Anflug jedoch in den passenden Modus (ohne look-ahead terrain warnings) schalten sollen, dann wären diese nervenden Warnungen gar nicht erst nicht ertönt. Den Höhenmesser des Kapitäns, den das EGPWS als Datenquelle für die Flughöhe benutzt, einfach zu verstellen, um auf diese Weise die Warnung loszuwerden, war jedoch sehr unklug. Das dürfte die direkte Folge der nicht durchgeführten Ausbildung zur Handhabung des EGPWS gewesen sein.

Die Piloten und der Anfluglotse haben genug Fehler gemacht, um den Unfall zu erklären. Explosionen sind da eher überflüssig.
Allerdings verstehe ich nicht, warum die russische Seite, das Flugzeug nicht an Polen zurückgibt. Die Untersuchung ist doch längst abgeschlossen und man hat doch wohl nichts zu verbergen.

DH - Decision Height - Entscheidungshöhe
EGPWS - Enhanced Ground Proximity Warning System - "verbessertes" Bodenannäherungswarnsystem
NDB - Non-Directional (Radio) Beacon - ungerichtetes Funkfeuer
PAR - Precision Approach Radar - Präzisionsanflugradar
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