Suchoi Superjet 100 Vermisst

Moderator: Kilo Mike Sierra

EA-Henning
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Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mi 9. Mai 2012, 14:53

Auf einer Demonstrationstour in Indonesien kam es offensichtlich zu einem Zwischenfall.
Während eines Vorführungsfluges verschwand ein Superjet von den Radarschirmen.
Egal, was die Ursache ist, bedeutet das einen heftigen Rückschlag für die rrussische Luftfart-Industrie.

Hier einige Medieninformationen dazu:

http://de.rian.ru/society/20120509/263544487.html
http://avherald.com/h?article=44f464f7&opt=0

Das indonesische Luftfahrtforum beschäftigt sich natürlich ebenfalls damit:
http://www.indoflyer.net/forum/tm.asp?m=599724
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EA-Henning
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Re: Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mi 9. Mai 2012, 15:12

Es handelt sich nach übereinstimmenden Angaben um die 97004, also die vierte gebaute Maschine.
97004_SSJ-100-95_Suchoi_MAKS-21082011_Axel-Pohl-Berlin_01_W.jpg
Das vermutlich verunglückte Flugzeug während der MAKS 2011
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Kilo Mike Sierra
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Re: Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 10. Mai 2012, 09:57

Das Flugzeug ist nach einer Sinkflugfreigabe auf 6.000 ft knapp unter dem Gipfel des ca. 7.000 ft hohen Salak-Berges gegen eine fast senkrechte Felswand geflogen.
(Somit könnte das am Ende auch ein herber Rückschlag für die indonesische Flugsicherung werden.)

Die deutschen Medien sind bereits wieder grandios überfordert und sprechen von dem Flugzeugtyp im Konjunktiv und daß die Maschine auf einem "Testflug" war.

Die Untersuchungskommission war noch nicht am Unfallort, da wurde in der deutschen Wikipedia bereits eiligst der unvermeidliche Absturzartikel erstellt. Darin hielt man es u.a. für erwähnenswert, daß das Flugzeug innen blau dekoriert war. Regenbogipedia.
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Thomas
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Re: Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon Flieger Bernd » Do 10. Mai 2012, 19:01

Hoffentlich nichts "Technisches",
dann verkauft sich der Vogel nicht.
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Romeo Victor
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Re: Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon Romeo Victor » Fr 11. Mai 2012, 07:46

Wenn ich mir die ICAO- Karten ansehe und die Vorschriften über Mindestflughöhen, ist es unverständlich, dass der Pilot eine Reduzierung der Höhe unterhalb der Mindestflughöhe beantragt hat und dann auch noch vom Lotsen bestätigt wurde.
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EA-Henning
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Re: Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Fr 11. Mai 2012, 09:31

Das wäre dann, wenn dem so ist, doppelt-menschlisches Versagern. (Lotse/Crew)
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Re: Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Fr 11. Mai 2012, 10:26

Dort ist alles voller Vulkane. Der (nicht mehr existierende) Krakatau war nur 150 km entfernt.

Der gewundene Flugweg, speziell die 360-Grad-Kurve um den Vulkan Mount Salak, und die geringe Flughöhe lassen manche bereits darauf schließen, daß der Demonstrationsflug zu einem Sightseeing-Flug in unbekanntem Gelände ausgeartet ist.
Ich stelle mir die Frage, warum der Unfall nicht durch das normalerweise frühzeitig warnende EGPWS-System verhindert worden ist.

EGPWS - Enhanced Ground Proximity Warning System

Wenn ein Flugzeug fast schon sehenden Auges in einen Berg geflogen wird, da fällt mir sofort der Unfall der DC-3 (D-CCCC) am 22. Dezember 1991 bei Heidelberg ein. Dort hatte der Copilot seinen Sitz für einen Kameramann freigemacht, damit der ein Interview mit dem Captain führen konnte. Als plötzlich vor den Cockpit-Scheiben ein bewaldeter Berghang auftauchte, konnte der völlig abgelenkte Pilot nur noch "Moment mal..." sagen. (Die Videokassette hat den Unfall überlebt.)

Wie voll war das Cockpit der Superjet?
Wurde es vielleicht auch für ein Interview oder eine ähnliche Veranstaltung genutzt?
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Thomas
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Re: Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon Romeo Victor » Fr 11. Mai 2012, 13:20

@Thomas, EGPWS-System - gibt es da auch Warning, wenn z.B. Landekonfiguration hergestellt ist (Fahrwerke und Klappen)? Wenn es ein "Besichtigungsflug" um den Krater war, könnte es auch sein, dass man das EGPWS-System ausschaltet, weil der Warnton nervt - ich will nicht spekulieren.
In den USA gab es einen Vorfall, dass beim Rollen zur Piste eine Sicherung gezogen wurde (befindet sich hinter dem Copiloten), weil - weiß jetzt nicht genau welche - Warnings ertönten. Die waren als Warnung vor nicht ausgefahrenen Klappen vorhanden. Vor dem Start wurde die Sicherung wieder aktiviert. Doch im "US-Fall" wurde es vergessen und die B737 zerschellte hinter der Piste.
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Re: Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Fr 11. Mai 2012, 13:47

In einigen Foren wird ja spekuliert, das dieses System deaktiviert war.
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Re: Suchoi Superjet 100 Vermisst

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Fr 11. Mai 2012, 14:19

Romeo Victor hat geschrieben:@Thomas, EGPWS-System - gibt es da auch Warning, wenn z.B. Landekonfiguration hergestellt ist (Fahrwerke und Klappen)?
...

Ja, auf jeden Fall*.

Wenn man, egal in welcher Konfiguration, außerhalb der unmittelbaren Umgebung eines Flughafens unter eine bestimmte Höhe über Grund sinkt, kommt ohne Verzögerung die Warnung "Too Low, Terrain".
Wenn man eine Flugbahn fliegt, die zu niedrig über einen vorausliegenden Berg führt oder sogar in ihn hinein, dann kommt ca. 40 bis 60 Sekunden vor dem errechneten Aufschlagzeitpunkt die Warnung "Caution Terrain".
Ca. 20 bis 30 Sekunden vor dem Aufschlag wird der Alarm "Terrain Terrain, Pull Up" ausgelöst.

Dazu gibt es auf dem Navigations-Display eine Darstellung des bedrohlichen Terrains in der Umgebung des Flugzeuges. In Abhängigkeit von der augenblicklichen Flughöhe des Flugzeuges sind dabei gefährliche Höhenbereiche (Gipfel) rot dargestellt, weniger gefährliches Terrain ist gelb dargestellt und ungefährliche Höhenschichten sind grün. Mit Hilfe dieser Karteninformation mit ihren dreifarbigen Höhenschichtungen, kann man dann blitzschnell entscheiden, ob man zusätzlich zum sofort einzuleitenden Steigflug besser auch noch nach links oder rechts abdreht.

Hier ein Video, das die Terraindarstellung auf dem Navigation Display sowie die Warnungen vor einer Kollision anschaulich verdeutlicht. Der gezeigte Flug führt in 6.000 ft Höhe direkt und ohne Ausweichmanöver auf den Mount Salak zu und endet mit dem Aufschlaggeräusch.
Dieses mit einer etwas murkeligen Kamera aufgenommene Video ist kein Versuch einer Unfallrekonstruktion, sondern dient ausschließlich der Demonstration der Terrain-Warnungen des EGPWS.


*) Einen kleinen gefährlichen Haken hat die Sache aber noch.
Es gibt da im Cockpit diesen sogennanten Terrain Override Schalter, mit dem man speziell diese "vorausschauenden" Gelände- und Hindernis-Warnungen auch deaktivieren kann. Die danach aktiv verbleibenden Warnmodi können nicht das vorausliegende Geländeprofil erkennen, sondern nutzen den Funkhöhenmesser, der nur den Geländeabstand unter dem Flugzeug bestimmen kann. Eine senkrecht vor dem Flugzeug aufragende Felswand kann daher nicht erkannt werden.

Wenn die Piloten diesen Schalter betätigt haben, möglicherweise weil ihnen die "Caution Terrain" Warnungen auf die Nerven gegangen sind, so wäre das eine hypothetische Erklärung für den späteren Unfallhergang.
Wenn man diesen Schalter einmal gedrückt hat, dann vergißt man sehr schnell, ihn wieder in seine Normalstellung zu bringen. Das EGPWS arbeitet dann nur noch wie das Vorgängersystem GPWS, d.h. alle Look-Ahead Obstacle und Terrain Alerts sind nicht vorhanden.


So sieht übrigens die Avionics Box, d.h. der Computer des berühmten EGPWS aus.

Bild
An unsung hero of commercial aviation by KOBUS 2C, on Flickr
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