Russische Fernfliegerkräfte

bluemchen
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Re: Russische Fernfliegerkräfte

Ungelesener Beitragvon bluemchen » So 19. Aug 2018, 11:43

Um auf des Pudels Kern zu kommen -

seit der Einführung dieser Maschinen sind etwas 40 Jahre vergangen, von den ehemals rund 500 gebauten Stück in den verschiedenen Modifikationen stechen die 250 in der -M2 Version mit der erhöhten Waffenlast hervor, bei denen die variable Flächengeometrie optimiert wurde, die allerdings in punkto Reichweite und Geschwindigkeit dennoch nicht überzeugen konnte.
247 Stück in der folgenden -M3 Version toppten die Vorgaben und davon sind heute noch, nach unterschiedlichen Angaben, 60 … 70 Stück im Einsatz rsp. der Einsatzreserve. In den 80-ern wurden noch 10 Stück in einer Aufklärerversion -M3r gebaut, die vermutlich in den heutigen 70 enthalten sind.

Von diesem Bestand sind 30 Maschinen für die aktuelle Modernisierung -M3M vorgesehen, die bis 2022 abgeschlossen sein soll:
- Hier geht es um eine echte Tiefenmodernisierung für den gesamten Avionikbereich, Cockpitergonomie, Umrüstung auf die modernsten Waffen und deren Einsatz und der Eloka.
Im obigen Bild ist deutlich, daß die Ausrüstung komplett entfernt wurde und auf grundlegend neuer technologischer Basis ersetzt wird.
Es wird -etwas schwammig- über die Integration einer "künstlichen Intelligenz" gesprochen und hier findet auch das Glonass-System seine Erwähnung. Das möge vorstellbar für strategische Flugführung/ -Entscheidungen, Aufklärung/-Gegenwirkung wie auch Waffeneinsatz/-Lenkung/-Auswertung … sprechen.
Seit Sowjetzeiten geht es maßgeblich darum, maritime Bedrohungen, wie durch die großen Trägerverbände, grenzfern abzuwenden.

Mit der Übergsbe der ersten Maschine -M3M in die Bodenerprobungs- und Testphase beginnt ein neuer Abschnitt, der zügig in die Flugerprobung, wohl schon im September, wenn alles glatt läuft, übergeleitet werden soll.

Da die -22M hier noch keine Erwähnung fand, war das aktuelle M3M - Upgrade etwas "von hinten" betrachtet.
Vlt. gelingt es, den folgenden Erststart danach einzufangen.

Zu den Veröffentlichungen in deutsch u.a. diese Artikel :
https://sptnkne.ws/hQMj (zum Ur-Modell)
https://sptnkne.ws/jtzd (zum Upgrade)
https://sptnkne.ws/hW8a (zur Bestückung)
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bluemchen
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Re: Russische Fernfliegerkräfte

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Do 24. Okt 2019, 14:02

Vielleicht hat es sich irgendwo durchgeschwiegen - weniger in der westlichen gut sortierten Medienlandschaft - daß gestern ein Paar der Tupolew
TU-160 "Weißer Schwan" in der Nähe Johannesburg/Südafrika gelandet ist.

Der Nachtflug über 13 Stunden und 11.000 Km startete von der Basis Engel / Saratow mit Luftbetankung durch IL-76 (zur Betankungszone gab es keine Info)
Dazu wurde inzwischen ein Kurzvideo veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=WzCy73arfIA in der https://riafan.ru/1222098-opublikovano- ... eta-v-yuar - In der letzten Flugetappe wurde die Gruppe Tu-160 von südafrikanischen Saab JAS 39 eskortiert, wie im Video auch kurz zu sehen ist.

U.a. auch "Военное обозрение" https://topwar.ru/163950-sorvali-grafik ... -juar.html berichtet dazu
1571892674_1571892638.jpg
Es ist ja keine Geheimoperation, sondern im denkbaren Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Sotschi-Forum stehend.
Vermutlich gibt es auch vertragliche Grundlagen über die (schon bisherige) Zusammenarbeit mit Südafrika, denn irgendwo stand die Bemerkung geschrieben … Russland hat keine koloniale Vergangenheit... . Das ist wohl wahr.

Zur Flugstrecke wird gesagt, daß sie über das Kaspische Meer, das Arabische Meer und den Indischen Ozean führte. Somit eine reine Überwasserstrecke und damit länger als mit Landpassagen (wie vorher geplant).

Daß der "Weiße Schwan" auf Auswärtsmissionen nie alleine unterwegs ist, wissen wir. So gehörte zur Equipage ein IL-62 und eine AN-124, die bereits einen Tag zuvor am Zielflughafen eintrafen.
Das könnte nach meinem Gefühl die gleiche Eskorte sein, wie bei dem Besuch in Venezuela.

Inhaltlich als Zweck der Mission wird angegeben: Das russische Verteidigungsministerium stellte fest, dass der Zweck des russischen Luftwaffenbesuchs in Südafrika darin besteht, die bilaterale militärische Zusammenarbeit auszubauen und die Interaktion zwischen der russischen Luftwaffe und der südafrikanischen Luftwaffe auszuarbeiten. Ziel der Veranstaltungen ist es, die Kampfausbildung der Flugbesatzungen beider Länder zu verstärken.

Wie gesagt, hier gibt es sicherlich schon Verträge (frei von kolonialer Vergangenheit).
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Re: Russische Fernfliegerkräfte

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Do 24. Okt 2019, 20:58

Sollte Südafrika interesse an der TU-160 haben?
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Flieger sterben nicht, sie fliegen nur höher!

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Re: Russische Fernfliegerkräfte

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Do 24. Okt 2019, 22:47

EA-Henning hat geschrieben:Sollte Südafrika interessr an der TU-160 haben?

Nee, nee - das ist ein völlig falscher Schluckauf:

Es steht ja nirgendwo geschrieben, daß Präsident Putin am 23. und 24 Oktober 40 afrikanische Länder in Sotschi zum ersten Russland - Afrika Gipfel geladen hatte.
Hier gibt es eine Geste, die wirkt, wenn eine Fliegergruppe im Zeichen der Partnerschaft am 23. Oktober 2019 in Südafrika landet.
- Daß russische Bomber nach Afrika fliegen, hat es bis dato nie gegeben
, zumal am selben Tag im russischen Sotschi wie gesagt, der Russland-Afrika-Gipfel begonnen hat – der Erste überhaupt.
Dieses "Ding" hat in erster Linie Symbolkraft und
noch einmal zum Ziel der Mission:
bluemchen hat geschrieben:… die bilaterale militärische Zusammenarbeit auszubauen und die Interaktion zwischen der russischen Luftwaffe und der südafrikanischen Luftwaffe auszuarbeiten. Ziel der Veranstaltungen ist es, die Kampfausbildung der Flugbesatzungen beider Länder zu verstärken.

Jeder Langstreckenflug - es hat noch nie einer in südlicher Hemisphäre stattgefunden (bisher patroullierte man in der Arktis- und Pazifikregion, auch in Zusammenarbeit mit China) - wird für die Crews (fliegerisch) effektiv ausgeschöpft werden, das ist das eine.
Das andere ist eine künftige gemeinsame Praxis - nicht ausgeschlossen, daß bald gemeinsame Einsätze von südafrikanischen Kampfjets und russischen Bombern bei längeren Patrouillen nahe der Antarktis stattfinden (könnten), wie die örtl. Presse mutmaßt.

Für Moskau scheint es wichtig zu sein, sich immer häufiger rund um die Welt partnerschaftlich zu engagieren, offensichtlich erfolgreich.
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Re: Russische Fernfliegerkräfte

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Sa 26. Okt 2019, 23:55

Um den Besuch Südafrika nicht in der Luft hängen zu lassen - wie schon vermutet, gibt es ein Abkommen beider Verteidigungsministerien, seit 1995 sogar, über die Zusammenarbeit.

Wie es bei solchen Besuchen auch üblich ist - während die militärisch-technische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern am Himmel über Südafrika praktiziert wird - mit einem Paarstart auf der Watercloft AFB am frühen Samstag morgen zu einem 3 1/2 stündigen Flug (nicht über die Reservate, sondern entlang der Küstenlinie des Indischen Ozeans) mit Landung der "Wassily Reshetnikov" und "Ivan Yarygin" auf dem Zielflughafen in Johannesburg

wird die kulturelle Zusammenarbeit vor Ort praktiziert - mit eine Ausflug in die Reservate / Safaripark, wo die Partner aus Südafrika der russischen Delegation den exotischen Charakter ihres Landes vorstellen.

Zum offiziellen Teil gehören Militärkapelle, Geschenkeaustausch, Ansprachen … der Besuch der russischen Raketenträger wurde vom Luftwaffengeneral als "ein historischer Tag für Südafrika und ganz Afrika" hervorgehoben.
Johannesburg.png
Q.: Screenshot aus dem Kurzvideo dazu: https://www.vesti.ru/doc.html?id=320365 ... d%3D815380

In Südafrika nahm das russische Militär an einem Seminar des südafrikanischen Verteidigungsministeriums zu militärischen Themen teil. Sie diskutierten unter anderem die Themen Kampfhandlungen, Suche und Rettung (SAR).

Nach einer Ruhe der Besatzung der "Schwäne", wird dann ein weiterer Flug folgen - 11 Tausend Kilometer zum Heimat-Flugplatz in Russland, wiederum ein Nachtflug, demzufolge heute am 26., wenn ich richtig vermute.
Und da die RF keine Zeitumstellung hat, gibt es keine Flugplanprobleme >grins< Man fliegt MOZ und Punkt.
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Re: Russische Fernfliegerkräfte

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Mo 28. Okt 2019, 01:15

Am heutigen Sonntag Abend (27.) äußerte sich der erste Kanal https://www.1tv.ru/news/2019-10-27/3746 ... tsa_tu_160
noch zu diesem Luftflottenbesuch:
… Mit dem am frühen Morgen - wie ob. gesagten - " Vor-Sonnenaufgang- Start" von der Watercloft AFB und Landung in Johannesburg verband sich in den drei Flugstunden in einer Höhe von etwa achttausend Metern eigentlich ein Patrouillen-Nacht-Flug unter ungewohnten Bedingungen über demselben Indischen Ozean

Der Kommandant der Langstreckenluftfahrt der Russischen Föderation Sergej Kobylash sagte dazu:
"Die Flugbesatzung hat die Aufgabe in vollem Umfang erfüllt, die Ausrüstung hat normal funktioniert, im Prinzip können wir sagen, dass wir genügend Erfahrung in den südlichen Breitengraden weit weg vom Äquator gesammelt haben"

Ich meine, wir sind nun Realisten genug, um diesen Flottenbesuch - zum Zeitpunkt des hochrangigen Afrika- Forums in Sotschi mit Putin auch mit dem politischen Touch entsprechend einzuordnen.
Es war überhaupt erst das zweite Mal, daß im Zuge der regelmäßigen Patrouillen in Schlüsselgebieten der Weltmeere eine Landung auf einem ausländischen Flugplatz (nach Venezuela) erfolgte.

Sehr interessant dazu ist die chinesische Sicht - https://topwar.ru/164053-v-smi-kitaja-o ... -ssha.html - ebenfalls von heute.
Die kann sich jeder selbst mal mit dem Translator ansehen …

- Unpolitisch ist heute wenig, auch die INTERFLUG war im Gefüge sicher genauso politisch
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