Funkfeuer Dänholm ?

Auch der Flugsicherungsdienst war unter dem Dach der INTERFLUG organisiert.

Moderator: Kilo Mike Sierra

Kilo Mike Sierra
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Funkfeuer Dänholm ?

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 7. Jul 2008, 23:33

Gab es in den 50er Jahren auf der Insel Dänholm (zwischen Rügen und dem Festland) eine Sendeanlage, die der Funknavigation gedient hat?

Ich habe eine kaum noch lesbare, handschriftliche Frequenz-Liste, die überwiegend Funkfeuer für die Luftfahrt enthält. Aus dieser Liste geht hervor, dass es ein auf 350 kHz arbeitendes NDB "Daenholm" mit der Kennung "SL" gab. Da die Liste auch die Rundfunkstationen Schwerin (728 kHz) und "Greifswaldstadt" (656 kHz, mit NDB "GF" auf gleicher(!) Frequenz) enthält, nehme ich an, dass es sich hier höchstwahrscheinlich um diese Ostsee-Insel im Strelasund handelt.

Aufgrund der Lage könnte es auch ein Marine-NDB gewesen sein.
Ich hoffe, die Kollegen der DSR lesen auch mit. (Immerhin existiert dieser Betrieb noch.)

DSR - Deutsche Seereederei (vormals VEB Deutsche Seereederei Rostock)
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Thomas

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist jetzt überraschenderweise auch von der Politik aufgegriffen worden.
Glaubt man dort, damit den Mangel an menschlicher Intelligenz kompensieren zu können?

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Re: Funkfeuer Dänholm ?

Ungelesener Beitragvon Funkfeuer02 » Mo 1. Sep 2008, 15:57

Hallo Thomas,

nach einer längeren Pause in diesem Forum, möchte ich mich auch wieder einmal zu Wort melden.
Ein sehr interessantes Thema hast Du da angeschoben!
Bisher null Antworten zeugen davon, daß Fakten aus grauen DDR-Zeiten, über diese Thematik, der reinste "Goldstaub" zu sein scheint.
Deshalb an dieser Stelle gleich eine Bitte: Wäre es möglich eine Kopie (oder Abschrift) Deiner genannten Frequenz-Liste zu bekommen ?

Obwohl ich selber keinerlei Fakten zur Richtigkeit der Liste liefern kann, möchte ich doch den einen oder anderen, von Dir aufgeworfenen Punkt, kommentieren.

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:Gab es in den 50er Jahren auf der Insel Dänholm (zwischen Rügen und dem Festland) eine
Sendeanlage, die der Funknavigation gedient hat?....Aus dieser Liste geht hervor, dass es ein auf 350 kHz arbeitendes NDB "Daenholm" mit der Kennung "SL" gab.


Würde ich unbedingt mit "ja" beantworten.
Die Insel Dänholm vor Stralsund gilt, laut 'Wiki', als die Geburtsstätte der Preußischen Marine.
Ab Mitte der 50er Jahre übernahmen dann die Seestreitkräfte der DDR die Insel als Ausbildungsstätte. Ausbildung hat etwas mit Lernen zu tun - und auch die Seefahrt navigierte ursprünglich mit Funkfeuern. Da liegt es doch nahe, daß die Kadetten auf eine entsprechende Anlage im eigenen Hafen zurückgreifen konnten.

Kilo Mike Sierra hat geschrieben: Da die Liste auch die Rundfunkstationen Schwerin (728 kHz) und "Greifswaldstadt" (656 kHz, mit NDB "GF" auf gleicher(!) Frequenz) enthält, nehme ich an, dass es sich hier höchstwahrscheinlich um diese Ostsee-Insel im Strelasund handelt.


Eine Nutzung kommerzieller Rundfunkstationen zur Funknavigation in der zivilen Luft- und Seefahrt hat es, nach meinen Erkenntnissen, in Europa bis in die 60er Jahre hinein gegeben. Rundfunksender sind ja technisch gesehen nur die "größeren Brüder" (in Bezug auf die Sendeleistung) der Funkfeuer.
Allerdings gab es damals dieses Standortsplitting nicht, d.h. die gehörte Frequenz kam auch wirklich vom verzeichneten, definierten Standort, der Grundvoraussetzung für eine Navigation.
Und auch die Sendezeiten der Rundfunksender waren damals etwas anders. So gab es beispielsweise in der Schweiz
zwei kommerzielle Sender, die tagsüber ihr normales Programm ausstrahlten und am späten Abend (nach dem offiziellen
Sendeschluß) mit reduzierter Leistung, eine Kennung in Telegrafie, quasi als normales Funkfeuer, sendeten.
In mehreren afrikanischen Ländern ist es auch heute noch üblich, kommerzielle Rundfunksender als Funknavigationsmittel in der Zivilluftfahrt, zu peilen.
Anders war es bei den Militärs. So befinden sich z.B. in diversen Listen der NVA, von kurz vor der Wende, Angaben über
Rundfunkstationen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, welche zur Funknavigation herangezogen werden sollten. Ob nun generell genutzt oder nur für den Notfall, entzieht sich meiner Kenntnis.

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:Aufgrund der Lage könnte es auch ein Marine-NDB gewesen sein.
Ich hoffe, die Kollegen der DSR lesen auch mit. (Immerhin existiert dieser Betrieb noch.)


Falls es diese Anlage gegeben hat, wurde sie sicherlich primär von von der Seefahrt genutzt. Allerdings dürfte es sich um ein militärisches Funkfeuer gehandelt haben. Die Kollegen der DSR werden Dir kaum weiterhelfen können. Soviel mir bekannt ist, hatte die zivile Seefahrt der DDR zu keiner Zeit mehr als eine Handvoll Funkfeuer in Nutzung.

Abschließend woch ein paar Worte zum Alter Deiner Frequenzliste.
Geht man vom Sendestart des Rundfunksenders Schwerin (Standort Wöbbelin) am 13.10.1953 aus, so vermute ich mal Mitte bis Ende der 50er Jahre.

Gruß Funkfeuer02
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Re: Funkfeuer Dänholm ?

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 1. Sep 2008, 23:18

Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar.

Mir war auch bekannt, dass LW- und MW-Rundfunksender früher zu Navigationszwecken angepeilt worden sind. Das soll ja auch ein Grund dafür gewesen sein, dass die Sender ihren Stationsnamen und ihren Erkennungston oder -melodie mehrmals in jeder Stunde gesendet haben. Eine Station einfach nur anpeilen und danach fliegen ist ja sehr riskant, solange man die Station nicht eindeutig identifizieren kann.

Neu ist mir die Ausstrahlung von Morsekennungen während der Sendepausen.
(Ich wünschte, es gäbe heute noch Sendepausen - das hat aber einen ganz anderen Grund. :wink: -> Nervenschonung)

Kürzlich ist mir aufgefallen, dass der riesige Langwellensender Junglinster (von Radio Luxembourg - RTL) sich exakt auf der verlängerten Mittellinie der alten Landebahn (heute Rollbahnen E und I) des Flughafens Luxembourg-Findel befindet. Auf der anderen Seite der verlängerten Bahnmittellinie befindet sich zudem ein weiterer Senderstandort von Radio Luxembourg. Der Sender Dudelange wird aber heute nur noch für UKW- und TV-Programme genutzt.
Irgendwann kriege ich noch heraus, ob die Anlage dieser Landebahn auf der Verbindungslinie der beiden Antennenstandorte Absicht war.

Das extrem verblasste Original der in meinem ersten Beitrag genannten Frequenz-Liste lässt sich nicht mehr kopieren, nur noch mit der Lupe analysieren und abschreiben. Letzteres habe ich getan. Ich schicke Dir gern eine Kopie der Abschrift. Allerdings finde ich sie gerade nicht. Daher bitte etwas Geduld...
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Thomas

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Re: Funkfeuer Dänholm ?

Ungelesener Beitragvon Funkfeuer02 » Do 4. Sep 2008, 11:22

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:...Kürzlich ist mir aufgefallen, dass der riesige Langwellensender Junglinster (von Radio Luxembourg - RTL) sich exakt auf der verlängerten Mittellinie der alten Landebahn (heute Rollbahnen E und I) des Flughafens Luxembourg-Findel befindet. Auf der anderen Seite der verlängerten Bahnmittellinie befindet sich zudem ein weiterer Senderstandort von Radio Luxembourg. Der Sender Dudelange wird aber heute nur noch für UKW- und TV-Programme genutzt.
Irgendwann kriege ich noch heraus, ob die Anlage dieser Landebahn auf der Verbindungslinie der beiden Antennenstandorte Absicht war....


Ich denke nicht das es Absicht war.
Da Bottlang bis zur Jahrtausendwende den Sender mit Frequenz auf seinen VFR-Karten eingezeichnet hatte, denke ich vielmehr, daß die Station nur zur Groborientierung beim Anflug aus größerer Entfernung, gepeilt wurde.
Solche hohen Masten beim Landeanflug auf die Nebenbahn zu überqueren kann ich mir nicht vorstellen.
Auf einer alten Bottlangkarte von 1969 ist vielmehr je ein Korridor im Norden und Süden eingezeichnet, der, im respektvollen Abstand zu den hohen Sendemasten, den Anflug auf den Flugplatz Findel darstellt.

Was denkst Du Thomas?

Gruß FF02
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Re: Funkfeuer Dänholm ?

Ungelesener Beitragvon Funkfeuer02 » Do 21. Mai 2009, 19:54

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:...Das extrem verblasste Original der in meinem ersten Beitrag genannten Frequenz-Liste lässt sich nicht mehr kopieren, nur noch mit der Lupe analysieren und abschreiben. Letzteres habe ich getan. Ich schicke Dir gern eine Kopie der Abschrift. Allerdings finde ich sie gerade nicht. Daher bitte etwas Geduld...


Hallo Thomas,

....ich hoffe, Du hast das "interessante Dokument" wiedergefunden und mich nicht vergessen ? :-|
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Re: Funkfeuer Dänholm ?

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 21. Mai 2009, 21:04

Schön, daß Du wieder einmal in diesem Forum vorbeischaust.

Nein, ich habe es nicht vergessen. Ich bin immer noch dabei, meine wahllose Sammlungen hoffentlich wertvoller Luftfahrtrelikte zu ordnen und richtig zu katalogisieren (zwecks Wiederfindens :-P ). Nur "vorbeigekommen" ist das gesuchte Papier noch nicht. Ich hätte es damals lieber nicht aus der Hand legen sollen.
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Thomas

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