Tiertransport aus Nordamerika

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Moderator: Kilo Mike Sierra

Kilo Mike Sierra
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 11. Sep 2013, 13:30

KarlPaul hat geschrieben:Als landwirtschaftlicher „Forumsfrischling“ bin ich erstaunt, dass mein Bericht zu dem Tiertransport eine solche Resonanz gefunden hat.
...

Kein Wunder. Das Thema Luftfracht ist hier bisher kaum zur Sprache gekommen und Tiertransporte sind natürlich immer etwas besonderes.
Außerdem habe ich gleich wieder etwas dazugelernt. Ich hatte immer geglaubt, zum Züchten benötige man nur wenige Tiere und nicht ganze Herden als Genreserve.

Was war denn das eigentliche Problem für die Tiere während des Transports?
Wassermangel, Frischluftmangel oder Kälte?
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Thomas
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KarlPaul
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon KarlPaul » Do 12. Sep 2013, 18:06

Da habe ich mir ja etwas Schönes eingehandelt mit meinem „Schweinkram“ ;-)
W 50: Der W50 hatte eine lange Pritsche, auf der ca. 1,3m hohe mobile Gitterboxen montiert waren, so dass jedes Tier einzeln stand. Wir hatten für die Auslieferung der in meinem Betrieb produzierten Eber noch einen zweiten W50 mit der normal langen Pritsche und gleichem Gitteraufbau. Vatertiere sind einzeln zu transportieren. Bei einem Tarnsport in der Gruppe kann es sehr schnell zu Rangkämpfen kommen. Ich meine hier aber Jungeber mit 130 bis 150kg. Ihr Endgültiges Kampfgewicht erreichen sie mit ca. 400 und mehr kg.
Ursachen der Verluste: Hier kann ich nur spekulieren. Da die Tiere aus verschiedenen Betrieben stammten, hatten sie bestimmt schon eine längere Reise zum Flugplatz hinter sich. Wenn diese Tiere an der Sammelstelle wahllos in Gruppen zusammengestellt wurden, kann es schon die ersten Rangkämpfe gegeben haben. Da der Flieger mit ca.12 Stunden Verspätung ankam, wird er sicher auch mit dieser Verspätung gestartet sein. Es ist nicht auszuschließen, dass die Tiere am Boden während der Wartezeit noch gefüttert wurden, was aus Sicht des Tierwohls richtig zu sein scheint, aber falsch ist. Ausreichend tränken hätte völlig gereicht. Ob beim Start alle Tiere in den Gruppenboxen gelegen haben, möchte ich vorsichtig ausschließen. Von den Stehenden brauchen nur einige auf die Liegenden gefallen sein, schon ist wieder Unruhe oder sogar Panik. Gleiches gilt auch für Turbulenzen. Und in Panik benehmen sich Tiere nicht anders als Menschen. Das ist absoluter Stress und irgendwann sagt der Kreislauf „Auf Wiedersehen“. Während des Fluges wird auch der Transportbegleiter nicht in die Boxen gestiegen sein, weil es erstens von der Boxenanordnung schwierig war und dann aus Gründen der eigenen Sicherheit. Richtiger wäre es gewesen alle Tiere vor dem Flug medikamentös ruhig zu stellen.
Kurzum, ich denke die ganze Transportvorbereitung und -durchführung wurde sehr oberflächlich (hier verkneife ich mir den Begriff laienhaft) abgewickelt.
Kilo Mike Sierra wunderte sich, dass man für eine gezielte Merkmalsveränderung durch Züchtung größere Bestände benötigt. Bei Interesse bitte nach „Wikipedia Züchtung“ und hier „Industriemäßige Tierzucht“ googeln. Sollten sich dann noch Fragen ergeben, antworte ich gern.
EA-Henning ist interessiert an meinen Flügen gen Vietnam und zurück und Hanoi - Ho Chi Minh-Stadt. Worüber soll ich genau berichten, damit es nicht zu landwirtschaftlich wird und in welchem Unterforum? Für einen Tipp wäre ich dankbar.
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EA-Henning
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Do 12. Sep 2013, 19:14

EA-Henning ist interessiert an meinen Flügen gen Vietnam und zurück und Hanoi - Ho Chi Minh-Stadt. Worüber soll ich genau berichten, damit es nicht zu landwirtschaftlich wird und in welchem Unterforum? Für einen Tipp wäre ich dankbar.

Ich denke, dafür müsste man eine Ruprik schaffen, etwa "Reiseberichte". Deshalb würde ich Deinen Bericht im "Briefing-Room" ablegen, bis es so ein Unterforum gibt.
Briefing-Room
Natürlich interessiert uns hauptsächlich der Flug, das Flugzeug, Eindrücke auf den dortigen Flughäfen. Da Du aber in landwirtschaftlicher Mission unterwegs warst, dürfte dieses Thema ebenso interessant sein. Und wenn wir was nicht verstehen, koennen wir ja fragen.
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon Sigrid Klein » So 15. Sep 2013, 10:22

Das schreibt eine ehemalige Stew., gerade zu dieser Zeit bin ich für IF geflogen !
Vielen Dank für die Blumen, das hört man doch gerne! Auch ich würde mich sehr über einen Erfahrungsbericht eines Dienstreisenden, Hanoi -Karachi- Schönefeld freuen !
Es hat mich erschüttert, was Du über diesen Tiertransport geschrieben hast, was bringen wir Menschen nur fertig!
Gut,daß Du menschlich und schnell reagiert hast, um wenigstens die Überlebenden dieses Horrorfluges aus dem Flieger zu bugsieren und zu retten.

Viele Grüße und hoffentlich bald mehr! Sigrid
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 23. Sep 2013, 22:43

Selbst das Transportieren von Küken ist nicht so einfach. Da bei der Il-18 die Ventilation der Kabine beim Rollen unzureichend war, wurde bei Malév sogar ein Verfahren erarbeitet (und genehmigt), bei der die Maschinen mit offenen Kabinentüren zum Start rollten - und nach der Landung ebenfalls mit offenen Türen zum Abstellplatz rollten.

Mit einem entsprechenden Foto wäre das eine gute Quizfrage für das Forum gewesen.

Nachtrag
Hier ist ein Foto.
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon KarlPaul » Di 24. Sep 2013, 08:03

Kilo Mike Sierra, Du greifst hier einen sehr interessanten Aspekt auf.
Wenn ich davon ausgehe, dass bei dem beschriebenen Transport die Körpermasse der Tiere um einiges höher war als die der maximalen Stückzahl Passagiere, für die diese Maschine ausgelegt war, setzten die natürlich auch eine größere Menge CO2 frei. Da CO2 schwerer ist als Luft und die meisten Tiere mit hoher Wahrscheinlichkeit während des Transportes lagen, könnte es möglich sein, dass sie in ihren eigenen "Abgasen" eingeschlummert sind. Bleibt offen, warum der Begleiter alles unbeschadet überstanden hat.
Vielleicht weiß jemand, wie die Klimatisierung in dem schon gezeigten Flugzeug ausgelegt war.
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Di 24. Sep 2013, 10:48

Klima-18_W.jpg
Schema der Druckbelüftung & Klimanlage der IL-18 der Interflug.
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Di 24. Sep 2013, 13:54

Ich glaube, KarlPaul meint die Auslegung der CL-44.

(Ich habe meinen oben stehenden Beitrag noch um einen Fotolink ergänzt.)
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Di 24. Sep 2013, 14:24

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:Ich glaube, KarlPaul meint die Auslegung der CL-44.

(Ich habe meinen oben stehenden Beitrag noch um einen Fotolink ergänzt.)


Davon habe ich keine Unterlagen...
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Re: Tiertransport aus Nordamerika

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Di 24. Sep 2013, 21:25

KarlPaul hat geschrieben:...
Vielleicht weiß jemand, wie die Klimatisierung in dem schon gezeigten Flugzeug ausgelegt war.

Das Air Conditioning System der Canadair CL-44 war dafür ausgelegt, eine Kabinentemperatur von ca. +21 Grad bei Außentemperaturen von -40 bis +38 Grad zu halten. Dabei wurde unter allen Flugbedingungen und in Flughöhen von bis 30,000 ft (9.150 m) die Kabinenluft alle 3,5 bis 4 Minuten ausgetauscht.
Am Boden konnte das Flugzeug mittels eines externen Klimagerätes (nur bei Seaboard World Flugzeugen) oder, in begrenztem Maße, durch mindestens ein im Leerlauf arbeitendes inneres Triebwerke klimatisiert werden.

Die Druckkabine konnte bis zu einer Höhe von ca. 15,000 ft (4.550 m) einen konstanten Luftdruck wie am Boden halten. In größeren Flughöhen wurde der Kabineninnendruck zunehmend abgesenkt, bis er bei 30,000 ft (9.150 m) einer Kabinenhöhe von 8,000 ft (2.450 m) entsprach.

Quelle: Loftleidir CL-44J Operating Manual, Revision 1975
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