Was sonst noch so geschieht...

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Kilo Mike Sierra
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Re: Was sonst noch so geschieht...

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Fr 28. Sep 2018, 12:29

Es gab leider doch einen Toten und mehrere schwer Verletzte mit Knochenbrüchen.
Ob die Gleitwinkelbefeuerung (PAPI) den Unfall hätte verhindern können? Sie war am Unfalltag außer Betrieb.
Auf Grund seiner Lage am (im) Meer verfügt der Flughafen über kein ILS und keine Anflugbefeuerung.
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Thomas
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Kilo Mike Sierra
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Grober Unfug ...

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Di 2. Okt 2018, 02:17

Da gibt es Piloten, die an so etwas hirnrissigem wie einem "Langsamflug-Wettbewerb" teilnehmen und sich dann wundern, daß der so mißhandelte Flieger zur Seite abkippt.

Wer es nicht glaubt, siehe hier.


Es kam wie es irgendwann kommen mußte und die Strömung riß ab.
Jetzt erklären die Stall-Experten im Video, daß der plötzlich nachlassende Gegenwind die Ursache gewesen sei. Der Anstellwinkel bleibt völlig unerwähnt, obwohl nur die Überschreitung des kritischen Anstellwinkels* für den Eintritt eines Strömungsabriß entscheidend ist.

Da andere Fliegerkollegen aus dem Video lernen sollen, gibt man auch noch Profitips, wie derartige Mißgeschicke zu vermeiden seien.
Man solle die Flügel waagerecht halten. Wobei es doch eigentlich viel vordringlicher wäre, den Anstellwinkel deutlich unter den kritischen Wert zu reduzieren.
Man solle zudem das Seitenruder und nicht die Querruder zum Halten der Flügel in der Waagerechten benutzen.
Es ist richtig, nahe dem oder im überzogenen Flugzustand die Hände von den Querrudern zu lassen, aber die Erklärung der Langsamflug-Experten ist abwegig: Das nach unten ausgeschlagene Querruder würde am linken Flügel den Widerstand erhöhen, womit der Flügel noch weiter in den überzogenen Zustand gebracht würde.
Nein. Es ist die durch das nach unten ausgeschlagenen Querruder vergrößerte Wölbung des Flügelprofils, die den Zustand verschlimmert. Wenn die Strömung vorher noch nicht ganz abgerissen war, so tut sie es jetzt, wenn das Querruder nach unten ausgeschlagen wird. Der dabei vielleicht zusätzlich entstehende Widerstand ist der abgerissenen Strömung völlig egal.

Doch es kommt noch dicker.
Am Ende des Videos wird bekannt gegeben, daß man für den unschuldig vom Pech verfolgten Piloten (der Wind war schuld), ein Spendenkonto eingerichtet hat, um Geld für die Reparatur seines Flugzeuges zu sammeln.
Angeblich hätte der Pilot sein Antragsformular für die Versicherung leider zu Hause auf seinem Kaffeetisch liegenlassen. Das Bausatz-Flugzeug hatte er im Dezember 2015 fertiggestellt und der Bumser ist im Mai 2017 passiert. Da muß das Formular doch schon mächtig vergilbt gewesen sein.
Welche Versicherung die noch einigermaßen bei Verstand ist, würde außerdem für diesen Schaden aufkommen?

Bin ich zu streng mit diesen Leuten?


*) nicht die Geschwindigkeit, nicht die Längsneigung, nicht der Flugbahnwinkel, nicht der Wind
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Thomas
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bluemchen
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Re: Was sonst noch so geschieht...

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Di 2. Okt 2018, 21:15

Ja, etwas streng, denn ich wollte eben

die Soli-Spende gaaaannnz gaaanz langsam in den Gegenwind rücken.
Das Zauberwort heißt "Ent-schleunigung" in dieser hektischen Zeit. Die Jungs haben das erkannt >finger<

Aber der Satz … die Erklärung der Langsamflug-Experten ist abwegig: Das nach unten ausgeschlagene Querruder würde am linken Flügel den Widerstand erhöhen ...
bringt mir folgendes in Erinnerung aus der jugendlichen Slip- Übungen- Zeit (=> Seitengleitflug)
Es gab immer mal "interne Wettbewerbe" wie: Die genaueste Landung am Lande-T oder: Der kürzeste (und damit steilste) Landeanflug …
Dieser Anflug mit einer späten 4. (Landeanflug)Kurve gelingt dann nur mit einem burschikosen Slip, mit dem Ehrgeiz Lande-T.
Vorausgeschickt sei dazu auch, daß die Fluggeräte sämtlich mit einem Göttingen-Normal- (Tragflächen)Profil ausgestattet waren.

Einsitzig auf dem Grunau-Baby-II wird ausgeführt z.B. - QuerruderRechtssss-Sssseitenruder Links in dieser Folge für einen Rechts-Slip, mit Horizont-Normallage.
Was passiert: Mit Quer-Ruder Ausschlag rechts gibt es ein negatives Wendemoment nach links aufgrund der Widerstandserhöhung der linken Fläche (wie oben geschrieben).
Dieses Moment wird ausgenutzt mit dem vollen Seitenruderausschlag nach links. Der Rumpf dreht nach links mit der hängenden rechten Fläche voran. Es ist eine stabile Fluglage, wo sonst "Ruderkreuzung" verboten ist und es geht rasch nach unten. (Links oder Rechts hängt von der vorherrschenden Windkomponente ab).
Wird jetzt noch mit dem Höhenruder die Längsneigung über den Horizont gehoben (Langsamflug Prämisse) geht es runter wie im Paternoster und das kann man übertreiben zu einem "gesteuerten Absturz" (was kitzelt) und möglichst nicht beobachtet werden sollte vom FL. Aber: Wir reden über das Baby-IIb mit dem gutmütigsten Profil der Welt. Es hat kaum Analogika.

Also: Diesen Langsamflug Experten oben möchte ich auch nicht das Wort reden, die haben eine "Extra-Meise".
Aber das mit der Widerstandserhöhung aufgrund des Ruderausschlages stimmt per se. Die Folge dann ist etwas anderes.
Viele Grüße
R.
(Auch wenn der "Slip" thematisch einem anderen Thread angehörig wäre)
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*Träger der Roten Mainelke und des aberkannten Status GDR, gedient in Fremden Streitkräften*


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