Die IL 62 am Gollenberg

Das sowjetische Gegenstück zu den westlichen Typn Boeing 707, Douglas DC-8, Convair 880/990 Coronado und Vickers VC-10.

Moderator: Kilo Mike Sierra

DDR-TKB
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Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon DDR-TKB » Do 15. Mai 2008, 13:22

Kann jemand was dazu sagen, wie man bei der Interflug auf die Idee gekommen ist, so einen großen Vogel auf so einer Piste zu landen ?
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Kilo Mike Sierra
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Re: Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 15. Mai 2008, 15:13

Ich weiß zwar nicht die Antwort, aber diese sehr berechtigte Frage gefällt mir.

Ich hätte dieses Unternehmen jedenfalls nicht genehmigt, nur hat mich damals leider keiner gefragt. :-P

Die ganze Aktion war offensichtlich sehr gut vorbereitet und auch die Besatzung war aus der ersten Garnitur. Das verbleibende Risiko erscheint mir jedoch immer noch unvertretbar hoch.
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Re: Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon DDR-WMK » Do 15. Mai 2008, 15:23

Na ist da nicht in grauer Vorzeit ein Mann mit Namen Lilienthal geflogen ? Und dann kam man wahrscheinlich zu einem Jahrestag auf diese geniale Idee . Ich glaube , der Pilot besichtigte vorher die Landepiste und entschied letztlich wohl auch dieses Unternehmen.
An dieser Stelle : " Hut ab " für den Piloten , in dem Flugzeug möchte ich nicht mal als Passagier gesessen haben .
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Kilo Mike Sierra
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Re: Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 15. Mai 2008, 15:45

Soweit ich mich erinnere, enstand die Idee außerhalb der Interflug. Zuerst sollte ja einfach nur ein Interflug-Flugzeug am Gollenberg aufgestellt werden. Doch ist offensichtlich jemand auf die Idee gekommen, man könne die Maschine ggf. auch in einem Stück dort anliefern. Dann wurde sicher die klassische Machbarkeitsstudie durchgeführt und am Ende hat es auch jemand genehmigt (wahrscheinlich die SLI).

Der Erfolg gibt natürlich inzwischen allen Beteiligten recht.
Allerdings gibt es auf dem berühmten Video Dinge, die mir trotz aller Begeisterung für die gelungene Landung überhaupt nicht gefallen (z.B. Überflughöhe über den Baumwipfeln, hohe Längsneigung beim Ausrollen).

SLI - Staatliche Luftfahrtinspektion (das LBA der DDR)
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Re: Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Do 15. Mai 2008, 16:14

Die Landung wurde allerdings geprobt und es gab mehrere Anflüge. Das starker Anstellen führe ich darauf zurück, das zum einen viel Bremswirkung wollte und zum anderen war dort auch eine Bodenwelle. Ich besitze die lange Version des Videos mit vielen Einstellungen auch aus anderen Blickwinkeln.
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Re: Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon DDR-TKB » Do 15. Mai 2008, 17:03

Mich würde mal interessieren ob die Besatzung irgendwelche Anflughilfen (Licht/Funk) wie auf eienm Flughafen hatte oder ob der Herr Kallbach die Lady mit Augenmaß runtergebracht hat. Mir hat vor einiger Zeit mal ein ehemaliger Interflug angehöriger erzählt, das es gar keine andere Möglichkeit mehr gegeben hat, als dort zu landen, weil der Sprit für den Rückweg nicht mehr ausgereicht hätte. Das läst sich durch mich sicher nicht überprüfen, aber wenn man darüber nachdenkt, das es wohl besser war die kiste "leer" zu landen, macht das irgendwie Sinn.

Ich habe auch das Viedo, aber leider nur auf VHS :-|
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Re: Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 15. Mai 2008, 17:07

EDGE-Henning hat geschrieben:Das starker Anstellen führe ich darauf zurück, das zum einen viel Bremswirkung wollte und zum anderen war dort auch eine Bodenwelle.

Die Erklärung mit der zusätzlichen Bremswirkung durch das starke Anstellen des Flugzeuges habe ich auch gehört.

Ich finde diese Erklärung jedoch nicht besonders plausibel, da mit dem hohen Längsneigungswinkel beim Ausrollen die Wirkung der Ground Spoiler teilweise zunichte gemacht wird. Diese sollen nicht (wie oft angenommen) primär Widerstand erzeugen, sondern nach dem Aufsetzen einen großen Teil des Auftriebs vernichten. Daher werden die Ground Spoiler manchmal auch Lift Dumper genannt. Mit der schlagartigen Reduzierung des Auftriebs soll erreicht werden, daß sofort ein möglichst großes Gewicht auf dem Hauptfahrwerk liegt. Nur so können die Radbremsen von Anfang an eine hohe Bremswirkung erzielen.
Während die ausgefahrenen Spoiler nun ordnungsgemäß einen Teil des Auftriebs vernichtet haben, haben die spoiler-freien Außenflügel aufgrund des hohen Anstellwinkels dagegen verstärkt Auftrieb erzeugt. Bei einer normalen Landung wäre dieser Auftrieb gar nicht erst entstanden.

Das ist natürlich reine Theorie.
Ich kann mir jedoch gut vorstellen, daß man mit diesem Manöver das Bugfahrwerk geschont hat (durch das weit hinausgezögerte Aufsetzen).
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Re: Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Do 15. Mai 2008, 17:12

Mit dem Sprit, das glaube ich nicht recht. Es wurden mehrere Szenarien durchexerziert. Es wurden auch mehr Anflüge als nötig gemacht. Nach dem die Maschine stand heulten die Triebwerke erneut auf und zogen unmengen Staub durch. Aber sie liefen und erzeugten Schub um zum heutigen Standplatz zu rollen. Ich denke man hatte soviel Sprit, wie nötig und erforderlich dabei.

Nochmal zum "Aufbäumen": Kurz nach dem Aufsetzpunkt ist eine kleine Bodenwelle und anschliessensd fällt das Gelände ab. Eventuell ist das beobachtete Aufrichten eine Folge des Bodeneffekts?
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Re: Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon DDR-TKB » Do 15. Mai 2008, 17:18

Nochmal zum "Aufbäumen": Kurz nach dem Aufsetzpunkt ist eine kleine Bodenwelle und anschliessensd fällt das Gelände ab. Eventuell ist das beobachtete Aufrichten eine Folge des Bodeneffekts?


Ich bin dort auch schon selber geflogen, und diese wellige Piste ist sehr gewöhnungsbedürftig...
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Re: Die IL 62 am Gollenberg

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 15. Mai 2008, 17:38

guido1m hat geschrieben:Mich würde mal interessieren ob die Besatzung irgendwelche Anflughilfen (Licht/Funk) wie auf eienm Flughafen hatte oder ob der Herr Kallbach die Lady mit Augenmaß runtergebracht hat.

Ausschließlich Augenmaß...
...plus Erfahrung, plus Vorbereitung.

Die Besatzung hatte Tage vorher einige Orientierungs- und Probeanflüge mit einer Let L410 UVP durchgeführt. Außerdem wurde nach dem Abflug in Berlin mit der stark erleichterten Maschine erst noch eine Probelandung in Schönefeld durchgeführt. Damit sollte u.a. auch sichergestellt werden, daß Bremsen, Spoiler und Schubumkehr auf jeden Fall funktionieren. Wie Henning erwähnt hat, wurde dann vor der endgültigen Landung auch noch zwei Probeanflüge auf das Flugfeld von Stölln geflogen.

guido1m hat geschrieben:Mir hat vor einiger Zeit mal ein ehemaliger Interflug-Angehöriger erzählt, dass es gar keine andere Möglichkeit mehr gegeben hat, als dort zu landen, weil der Sprit für den Rückweg nicht mehr ausgereicht hätte.

In Anbetracht der sorgfältigen Vorbereitung und der generellen Arbeitsweise bei Interflug kann ich mir nicht vorstellen, daß sich die Besatzung in eine solche Sackgasse (ohne die Option des Rückfluges) begeben hätte.
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