Verbleib der IF L-60 Brigadier

Diese Flugzeug wird als Reiseflugzeug, militärisches Verbindungsflugzeug und als Agrarflugzeug eingesetzt. Die Konstuktion basiert auf dem Fieseler Storch.

Moderator: Kilo Mike Sierra

MHG1023
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Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon MHG1023 » Di 1. Jan 2019, 11:44

Wohin wurden die ehemaligen DDR L-60 verkauft ?
Sind sie nach Polen gegangen, oder doch wieder zurück in die CSSR zurück.

Davon abgesehen finde ich es interessant, daß man in der DDR dafür keine dauerhafte Verwendung hatte.
Als Agrarflieger war die Nutzlast natürlich auf Dauer zu gering.
Als Verbindungs-/Beobachtungsflieger bei der NVA wären die L-60 aber sicher besser geeignet gewesen als die AN-2.

Hat man die L-60 auch für Luftbildaufnahmen verwendet ?
Später wurden dafür ja die L-410 verwendet, aber von der Größe her ist die schon etwas "overkill", oder täusche ich mich da?
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Kilo Mike Sierra
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Re: Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Di 1. Jan 2019, 13:55

In den Büchern "Flugzeuge der DDR" und "DDR-Zivilluftfahrtregister 1953-1990" finden sich keine Hinweise auf Verkäufe von L-60. Stattdessen erfährt man, daß ca. die Hälfte der im Agrarflugeinsatz verwendeten Maschinen durch Unfälle verlorengingen. Fast alle anderen L-60 sind später verschrottet worden.
Die DM-SLQ, obwohl in dem zweiten Buch als verschrottet geführt, schaffte es immerhin noch zum Agrarhistorischen Museum Schwerin.
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Thomas

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Re: Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Fr 4. Jan 2019, 16:44

Was war eigentlich der Grund für die vielen Unfälle mit der L-60?
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Mucha100
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Re: Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon Mucha100 » Di 8. Jan 2019, 00:47

EA-Henning hat geschrieben:Was war eigentlich der Grund für die vielen Unfälle mit der L-60?

Diese Frage hätte ich auch, doch da ist sicher die Zeit drüber gegangen. Blättere ich mal - wie hier im Aero-Sport H.10 ´60 - >grins< -
L-60.png
und sehe diese robuste Konstruktion (wie es aussieht hier als Absetzmaschine) -
was kann daran kaputtgehen ? oder Verunfallen ? … In einen zugewachsenen Wassergraben auf der Weide rollen, einverstanden, das gäbe Kopfstand.
Windhosen sind vielleicht auch nicht das sympatischste, aber sonst außer Fremdverschulden (der Beladekran -Zwiebelzieher- findet die Bremse nicht)?

Vlt. tauchen tatsächlich noch längst vergessene Erinnerungen wieder auf ...
VG
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Flugi
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Re: Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon Flugi » Mi 6. Feb 2019, 12:38

Vergessene Erinnerungen, die können nicht wieder auftauchen. Da ist es besser, man schreibt sie schnell auf. Warum ich das jetzt hier mache? Ich weiß es auch nicht.
Die L-60 war kein Agrarflugzeug, sie war ein Mehrzweckflugzeug und als solches wurde sie auch gebaut. Und wie das mit Mehrzweckflugzeugen so ist, sie können alles, vieles, aber leider nichts richtig. Zuviel am Anfang.

Deine Einschätzung der L-60 als robustes Flugzeug kann ich leider so nicht teilen. Das fragile Gebilde als verstrebter Hochdecker mit seinem grazilen Fahrwerk und den kleinen Rädern war für die Belastungen beim Agrarflug nicht geeignet.
Nichts gegen die L-60. Persönlich finde ich sie einfach ein elegantes Flugzeug. Ich bin mit den Fliegern aufgewachsen und ihr Flugbild begeistert mich noch heute, in Tschechien.
Was die L-60 und ihre Mutter, der Fieseler „Storch“ auszeichnete, war ihr „Hochauftriebsflügel“, der kurze Start- und Landestrecken erlaubte.

Ein konstruktiver Mangel war, das der Kraftstoff beim Fliegen immer nur auf einer Seite KS entnommen werden konnte, was zu einer ständigen und unerwünschten Schwerpunktwanderung führte.
Dazu kam der mechanische Vorflügel, der mit der Landeklappe gekoppelt war. Aber, genau das war eine der Ursachen, warum viele der L-60 in den niedrig geflogenen Kurven abgeschmiert sind. Als man der Ursache auf die Spur gekommen war, wurde der Vorflügel im ausgefahrenen Zustand blockiert. Also, man flog alle Flugregime mit ständig ausgefahrenen Vorflügel. Zeitnahe, spezielle Schulungen der FF ließen die Kurvenunfälle in der Unfallstatistik vom Platz 1 verschwinden.
Eine zweite Ursache für die Verluste waren das luftgekühlte Treibwerk. Der 6-Zylinder Praga „Doris“ mit seinen 220 PS war der Dauerbelastung bei der Agrarfliegerei nicht gewachsen. 50-60 Starts, ständig mit Vollast, das wollte das Motörchen gar nicht. Ursache dabei waren vor allem die thermische Probleme mit den hinteren zwei Zylindern. Ein Leistungsverlust im Start und kein Notabwurf, waren Dinge die bei ungünstigen Gelände meist tödlich waren.
Dazu kamen die üblichen Beschädigungen von Fahrzeugen der Landwirtschaft beim Flugbetrieb. Da waren schnell mal 30 Flugzeuge Schrott oder abgeschrieben. Die genaue Aufschlüsselung der Unfallursachen ist mir nicht bekannt.
Über einen Verkauf von L-60 aus dem Bestand des Wirtschaftsfluges/Agrarfluges habe ich keine Kenntnis. Die Maschinen waren auch zu "abgeflogen", um das Interesse anderer Betreiber zu wecken. Das einzelne Zellen oder Bauteile zurück nach Tschechien gegangen sind, kann ich mir gut vorstellen.
In Erfurt standen 1975 drei graue, stillgelegte Flugzeuge, die dann auf einmal weg waren. Es hieß, sie wären verschrottet worden.
Dateianhänge
IMG_4228.jpg
Zuletzt geändert von Flugi am Do 7. Feb 2019, 21:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 6. Feb 2019, 22:47

Vielen Dank, Flugi, für die ausführlichen Hintergrundinformationen. So ähnlich habe ich mir die Problematik der L-60 vorgestellt, aber es ist viel besser, wenn darüber jemand aus erster Hand berichten kann und auch die flugtechnischen Hintergründe kennt.

Das Vorhandensein von Vorflügeln war bestimmt von größtem Vorteil bei Start und Landung, aber bei einem Flugzeug im Agrarflugeinsatz würden diese auch beim Fliegen der fliegerisch anspruchsvollen Umkehrkurve am Ende des Schlages sehr viel Sicherheit bringen.
Immerhin bekam dann die Z-37 im Verlaufe der Flugerprobung noch feste Vorflügel an den Außentragflügeln installiert, ansonsten wäre sie wahrscheinlich ein deutlich weniger erfolgreiches Agrarflugzeug geworden.

Für mich war die L-60 jedoch immer der "Prototyp" eines richtigen Flugzeuges, denn sie hatte in jeder Hinsicht die ganz klassische Grundform. Ähnlich ist es ja mit der Cessna 172, die wohl bis heute irgendwie das echte Grundmodell eines richtigen Flugzeuges verkörpert.


Flugi, gib zu, daß diese gut aussehende L-60 auf diesem schönen Foto nur ein Modell ist. Sicher bin ich mir jedoch nicht.
Welcher Maßstab ist das denn?
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Thomas

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Re: Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon Flugi » Do 7. Feb 2019, 21:08

Maßstab 1:72
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Re: Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Fr 8. Feb 2019, 22:35

Hallo an die Fan-Gemeinde und denn mal einen aufmerksamen Blick auf die folgenden Zeilen vom Manni aus Erfurt geworfen zu den historischen Ereignissen seiner Zeit, der "L-60-Zeit" , zu der Manfred folgendes schreibt :

Zu den letzten Flügen der L-60:

- Die letzten Flüge der drei L-60 der Interflug aus Erfurter Sicht:

Die L-60 "DM-SHA" wurde aus der DM-SHJ
.......................................…………....L-60 "DM-SHB" wurde aus der DM-SLP und
.................................................................................…...…...……………….L-60 "DM-SHC" wurde aus der DM-SLM

wurden wieder flugfähig gemacht und als Schulmaschinen im Mai 1971 an die Verkehrshochschule "Friedrich List" in Dresden übergeben.

Am 26. November 1972 kamen zwei L-60 und am 29. November 1972 die 3. L-60 nach Erfurt und blieben bis Februar 1973 stehen.
Im Februar erfolgte die Ausbildung mit den 3 Maschinen L-60 in Erfurt ---> Sie machten 253 Platzflüge. Anschließend flog eine L-60 nach Dresden.
In den Monaten März und April erfolgte die Ausbildung mit dem zwei in Erfurt verbliebenen L-60, die 141 Platzflüge absolvierten.
Am 23. April 1973 flogen beide L-60 nach Dresden.

Am 26. Mai 1973 machten alle drei L-60 einen Schulflug von Dresden nach Erfurt und zurück.
Zur Überwinterung kamen alle drei L-60 nach Erfurt.
Am 23. Februar 1974 starteten zwei L-60 nach Dresden.

Während der Zeit 1971 bis 1974 wurden sehr wahrscheinlich auch Schul- und Streckenflüge von Dresden aus durchgeführt.

Am 14. Juni 1974 erfolgte die Landung einer L-60 aus Dresden und am 21 Juni 1974 landete zum letzten Mal eine L-60, die zweite L-60, DM-SHA um 11.05 Uhr aus Dresden kommend in Erfurt.

Im August 1975 wurden zwei L-60 verschrottet und eine L-60 zerlegt und in der Nordgarage eingelagert.
Im gleichen Monat wurde sie von einer Flugzeugfirma in der Nähe von Prag (Kunovice?) mit einem LKW für Tests mit dem Sternmotor M-462 abgeholt.


Das war das Ende der L-60 Geschichte bei der Interflug.

Grüße aus Erfurt
vom Manfred
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Re: Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Fr 8. Feb 2019, 22:51

Herzlichen Dank nach Erfurt @ Manfred, das ist Geschichte, als wäre man dabei gewesen :-)

und ich wünschte mir schon immer, mal einen Akteur dieser Zeit hier im Forum zu haben, der Erinnerungen wegen, einfach um sie weiter zu geben

Viele Grüße
Rainer
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Re: Verbleib der IF L-60 Brigadier

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Sa 9. Feb 2019, 20:27

1975 für Versuche mit Sternmotor abgeholt - das paßt. 1975 ist die Umbauvariante L-60S mit dem Motor AI-14RA entstanden. Damit wurde die Motorleistung um immerhin 40 PS auf 260 PS gesteigert.

Bild
L-60S Brigadyr OK-LKJ Karlovy Vary by emdjt42, on Flickr

Die Umbauvariante L-60SF mit dem 315-PS-Motor M-462RF der Z-37 gab es erst ab 1983.
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Thomas

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