TU-134A(N) // C/N: 2351607 // CCCP-65745 // MfS (Aeroflot)

Der Geheimdienst der DDR verfügte über insgesamt 4 Flugzeuge.
Zuerst eine AN-24W, die später durch 2 Tupolew TU-134AK abgelösten wurden.
Ausserdem beschaffte man eine ausgediente, nicht mehr flugfähige TU-134A von der Aeroflot, um sie als Trainer für die terrorabwehr zu nutzen.

Moderator: Kilo Mike Sierra

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TU-134A(N) // C/N: 2351607 // CCCP-65745 // MfS (Aeroflot)

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mi 16. Aug 2006, 21:02

Werknummer:
2351607

Seriennummer:
07-16

Entwicklung und Erprobung:
OKB-156 Tupolew, Moskau, UdSSR.

Hersteller:
Staatliches Flugzeugwerk Nr. 135 Charkow (KAPO), UdSSR/Ukrainische SSR;
(Heute: Kharkov State Aircraft Manufacturing Company (KhGAPP), Ukraine)

Erstflug:
01.07.1972

Lebenslauf:
1-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
07/1972 - 17.09.1984
Erstbetreiber: Aeroflot Direktorat Privolzhskoye,
Ersteigentümer: Aeroflot, UdSSR,
Kennzeichen: CCCP-65745
Funkrufzeichen: ?,
Status: Passagierflugzeug; Abgestellt nach Ablauf der zulässigen Betriebsfrist.

Gerüchte sprechen jedoch davon, dass die Maschine bei einer "harten Landung" beschädigt wurde und eine Reparatur nicht wirtschaftlich gewesen wäre. Für das Gerücht spricht die Tatsache, dass der Flug nach Berlin-Schönefeld zur Demontage und zum Strassentransport bereits 5 Wochen vor der Abflauf der Flugzulassung liegt und das nach Angaben mehrerer Zeitzeugen eine Sondergenehmigung zur Überführung erteilt wurde.

2-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
17.09.1984 - 1990 (Überführungsflug nach Berlin-Schönefeld: 10.07.1984)
Betreiber: MfS, AGM/S Trainingsanlage Wartin,
Eigentümer: MfS,
Kennzeichen: CCCP-65745,
Funkrufzeichen: -/-,
Status: Bodentrainer (nicht flugfähig);

3-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
1990 - 21.02.2017
Betreiber: Gaststättenbetreiber Ernst Baummann, Grünz, Betrieb als Ausflugsgasstätte vorgesehen, jedoch nie realisiert.
Eigentümer: Gaststättenbetreiber Ernst Baummann, Grünz,
Kennzeichen: CCCP-65745,
Funkrufzeichen: -/-,
Status: Museumsflugzeug, Ausflugskaffee, (nicht flugfähig);

4-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
21.02.2017 ---->
Betreiber: Flugplatzmuseum Cottbus,
Eigentümer: Flugplatzmuseum Cottbus,
Kennzeichen: CCCP-65745,
Funkrufzeichen: -/-,
Status: Museumsflugzeug, (nicht flugfähig);

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Bermerkungen:
Ursprünglich wurde das Flugzeug durch das Aeroflot Direktorat Privolzhskoye in Betrieb genommen und flog hauptsächlich ab Ufa oder Kuybishew. Offiziell wurde das Flugzeug nach Ablauf der Betriebsfrist außer Betrieb genommen. Nach unbestätigten Berichten hatte das Flugzeug in den 1980er Jahren eine harte Landung und wurde deshalb aus dem Verkehr gezogen. Der Grund zu der Annahme mit der harten Landung ist der, dass der Rumpf stark gewellte Bereiche hat. Ein Beweis ist das allerdings nicht, denn diese können ja auch eher vom Transport als auch von der "Behandlung" durch die Übungen des MfS stammen. Nach diesen unbestätigten Berichten stand das Flugzeug bereits seit rund einem Jahr abgestellt auf einem Flughafen der UdSSR.

1984 wurde die Maschine durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR importiert und sollte als nicht flugfähiges Trainingsobjekt für Anti-Terror Einsätze genutzt werden.

Mit einer Sondergenehmigung zu einem Überführungsflug gelangte das Flugzeug nach Berlin-Schönefeld. Das Flugzeug stand in voller Aeroflot-Lackierung längere Zeit auf der Rampe 1 in Berlin-Schönefeld. Anschliessend wurde das Flugzeug in der Interflug-Werft zerlegt und auf einem nächtlichen Transport nach Wartin gebracht. Nach der politischen Wende erwarb der Gastwirt Ernst Baumann das Flugzeug und zog es mit Traktoren aus Wartin in den Nachbarort Grünz. Das Flugzeug sollte als Restaurant, Gästehaus und Ausstellungsobjekt dienen. Dieses Vorhaben gelang offenbar nicht und scheiterte an behördlichen Auflagen. Zwischenzeitlich wurde die Lackierung erneuert, die allerdings nun fiktiv ohne Bezug zu einer Fluggesellschaft erfolgte. Anschließend verwitterte das Flugzeug ungenutzt.

Im Februar 2017 wurde das Flugzeug vom Flugplatzmuseum Cottbus erworben. Dort soll es in den Farben der Aeroflot ausgestellt werden.

Nachtrag: In einem kürzlich erschienenem Buch ist auch erörtert, wie es zum Geschenk in Form eines Flugzeuges kam.
Der Import des Flugzeuges geschah auf Vermittlung des damaligen Geheimdienschefs der UdSSR, der einer Übung zur Geiselbefreiung beim Militärmanöver "Schild 84" bewohnte. Dort wurde an einer Holzröhre zur Immitation eines Flugzeuges geübt. Daraufhin versprach er dem MfS, ein ausgedientes Flugezug zu beschaffen.*

*: Der Flughafen Berlin-Schönefeld und das Ende der INTERFLUG 1988–2000 - Horrst Materna, ISBN: 978-3-86777-685-1, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza
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Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 3. Jun 2010, 09:53

Die Aero Transport Data Bank macht zu diesem Flugzeug folgende Angaben: Indienststellung durch Aeroflot am 15. August 1972, Außerdienststellung durch Aeroflot 1984. Erster Standort "Stasi Center", zweiter Standort "Grünz downtown ".

Der Standortwechsel dürfte im Zusammenhang mit der Auflösung des MfS im Zusammenhang gestanden haben und somit nicht vor 1990 erfolgt sein.
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Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Fr 4. Jun 2010, 09:10

Ich habe meine Informationen zur Geschichte der Maschine von zwei Leuten aus Schönefeld. Einer der beiden ist der hier registrierte User "BiBi", der zwischenzeitlich leider verstorben ist. Allerdings ist Irren auch menschlich.

Nach diesen Informationen wurde das Flugzeug aufgrund eines besonderen Vorkommnis außer Dienst gestellt, es handelte sich offenbar um eine harte Landung. 1984 wurde die Maschine im Register der UdSSR gelöscht, aber 1985 erst in Schönefeld angekommen sein.

Die Lackierung wurde vermutlich mit den Schablonen gemacht, die auch andere Eigner genutzt haben. Es kann aber auch eine normale Lakiererei gewesen sein, besonders anspruchsvoll ist sie ja nicht. Auch andere Fluggesellschaften verwendeten einen Interflug-ähnlichen Anstrich. Allerdings passt die aktuelle Lackierung eher zur Aeroflot, als zur IF. Man beachte den dünnen, blauen Unterstrich.
CCCP-65745_TU-134A1_Aeroflot_Gruenz-05-1994_Bild-1_M-Kubatz_Web.jpg
Die CCCP-65745 im Jahre 1994
CCCP-65745_TU-134A1_Aeroflot_Gruenz-05-1999_Bild-1_M-Kubatz_Web.jpg
Die CCCP-65745 im Jahre 1999
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Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Fr 4. Jun 2010, 09:26

EDGE-Henning hat geschrieben:TU-134AN ist eine DDR-Bezeichnung.

Die Glasnase an der TU-134A haben alle Exemplare der früheren Serien der TU-134A. Die meisten späteren TU-134A hatten die Radarnase. Optional war aber offenbar die Glasnase in der SU weiterhin Lieferbar. Die TU-134B hatte all Radarnase. Die Antenne im Leitwerk wurde auch in die TU-134 nachgerüstet. DDR-Intern als TU-134N bezeichnet.



Die Glasnasen gab es bis zum Ende der Serienfertigung. Das war die Original TU-134A. Die Varianten mit Radarnase ("Pappnase") und eingebauten Groza-134 Radar entstand auf Kundenwunsch (Aviogenex, CSA und IF) und stellt sozusagen die Exportversion da. Nur wenige Glasnasen gelangeten zu zivilen Fluggesellschaften, wenn man mal die Aeroflot vergisst.

Normalerweise wurden die Basisversionen der Luftfahrtzeuge nie exportiert. Ich kenne auch nur wenige Ausnahmen, wo sehr frühe Ausführungen im Leasing betrieben wurden. So beispielweise IL-62 der Nullserie bei LOT und CSA.
LFE_Nasen_TU-134_Forum.jpg
Nasen der TU-134
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Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Di 1. Apr 2014, 15:23

Das Flugzeug existiert noch (siehe hier).
Bei planepictures.net gibt es noch zwei traurige Anblicke aus dem Jahr 2010.

Standort: N53°16'58.36" E014°07'52.88"
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Ungelesener Beitragvon старый мешок » Di 1. Apr 2014, 16:41

Hier einige Aufnahmen der Tu-134 aus Friedenszeiten in Wartin. Die AGM/S trainiert die Erstürmung und Geiselbefreiung.
Gleiches wurde auch an Bussen geübt.
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CCCP-65745, die TU-134A der Aeroflot in Grünz hat eine Zukunft in Cottbus!

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Sa 25. Feb 2017, 12:11

Das ehemalige Trainingsflugzeug de Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Grünz muss nicht verotten oder verschrottet werden. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen CCCP-65745, eine TU-134A der Aeroflot, wurde vom Flugzeugmuseum in Cottbus erworben!

Ich habe erfahren, dass das Flugzeug wieder seine Aeroflot-Lackierung erhalten soll. Das Flugzeug selbst soll sich in einem relativ guten Zustand befinden. Allerdings sind die Notausstiege undicht und deshalb gibt es Feuchtigkeitsprobleme.

Schwierig wird sicher auch der Transport von Wartin nach Cottbus.
CCCP-65745_TU-134A_Aeroflot_Wartin-02-2017_Axel-Pohl_01_W.jpg
CCCP-65745, eine TU-134A der Aeroflot, im Februar 2017 in Wartin.
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Re: CCCP-65745, die TU-134A der Aeroflot aus Grünz hat eine Zukunft in Cottbus!

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Sa 25. Feb 2017, 12:25

Hallo Henning,

das ist doch die Fortsetzung der Geschichte hier: viewtopic.php?f=208&t=2245&p=24612&hilit=Wartin#p24612

oder irre ich mich da?
Wenn Cottbus den Cup gelandet hat :-) gibt es doch wieder Lichtblicke.
R.

P.S.: Zwei Fotos von Grünz sind noch zu finden auf Panoramia von Skupinski: https://www.strassenkatalog.de/panorami ... 71741.html
und hier: http://www.panoramio.com/photo/76171749
Zwei weitere von ublank sind nicht mehr da, er selbst aber auch nicht
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Re: CCCP-65745, die TU-134A der Aeroflot aus Grünz hat eine Zukunft in Cottbus!

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Sa 25. Feb 2017, 13:01

Genau so ist es.
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Re: CCCP-65745, die TU-134A der Aeroflot aus Grünz hat eine Zukunft in Cottbus!

Ungelesener Beitragvon DDA » So 26. Feb 2017, 00:23

Gratulation, dies hier ist das erste Forum, welches die freudige Nachricht verbreitet!

Es ist in der Tat so, am Dienstag Mittag (21.02.2017 11:34 Uhr >hell< ) wurde der Kaufvertrag vor Ort unterzeichnet und seit dem laufen die Hirne heiß, wie der Vogel heil (und kostengünstig, glaubt mir, die avisierten Transportkosten des Vogels übersteigen die des Kaufes um ein Mehrfaches) zu uns ins Museum gebracht werden kann.
Auch für uns mit einem gerüttet Maß an Erfahrung in Demontage und Transport diverser Flugmaschinen ist diese Größenordnung eine neue Herausforderung, die uns mit hoher Wahrscheinlichkeit noch so manch schlaflose Nacht bereiten wird. Noch sammeln wir Informationen (davon sind schon diverse eingetrudelt und andere stehen vor der Tür) und Bodenmittel (da besteht noch erheblicher Bedarf - hat da jemand noch Quellen?) für die Demontage, aber schon im nächsten Monat (dieser, der Februar, hat ja nur noch wenige Tage) werden die ersten praktischen Schritte erfolgen. So stehen ein paar Bäume, Sträucher und ein aufgeständertes Storchennest im Wege, bei deren Umsetzung resp. Beräumung greift uns die ortsansässige Bevölkerung unter die Arme. Aber auch ein Vorkommando der Cottbuser wird seinen ersten Einsatz im nächsten Monat fahren. Mal sehen, mit welch Überraschungen die Tante Tu aufwartet, wenn wir uns das erste Mal mit Leitern und Werkzeug nähern....

Ich verspreche, ich werde weiter berichten.

Axel
Zuletzt geändert von DDA am So 26. Feb 2017, 02:55, insgesamt 2-mal geändert.
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