22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

EA-Henning
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22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Fr 22. Mai 2020, 13:07

In Karatschi, Pakistan, ist um 14.45 Uhr Ortszeit (11.45 Uhr MESZ) ein Airbus A320-214 der Pakistan International Airways (PIA) mit dem Kennzeichen AP-BLD abgestürzt. Das Flugzeug befand sich unter der Flugnummer PK8303 auf einem Inlandsflug von Lahore nach Karatschi im Landeanflug und stürzte wohl auf ein Wohnhaus. An Bord befanden sich 99 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder.
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bluemchen
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Re: 22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Fr 22. Mai 2020, 18:20

Kaum daß der Verkehr wieder freigegeben wurde, es ist ein Drama.
Allen Opfern / Angehörigen natürlich das Mitgefühl.

Es scheint noch keine klare Nachrichtenlage, technische Störung kann vieles sein.
Dazu kommt der Sekundärschaden im Wohngebiet...
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Re: 22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 1. Jul 2020, 15:54

Am 24. Juni ist der erste Zwischenbericht zu diesem Unfall veröffentlicht worden und viele Details über den Ablauf des Fluges und die Vorgänge im Cockpit bekannt geworden.
Dieser Unfall könnte als einer der haarsträubendsten Unfälle in die Geschichte eingehen. Eine lange Reihe von Flugführungsfehlern und abstrusen Fehlhandlungen reiht sich hier aneinander. Es fällt schwer zu glauben, daß eine Besatzung einen so schlechten Tag gehabt haben könnte. Auch mit kollektiver Inkompetenz ist das Geschehen kaum zu erklären. Manche vermuten daher, das ganze könnte die Folge kontaminierter Kabinenluft gewesen sein, d.h., daß die Piloten mental nur noch eingeschränkt handlungsfähig waren.

Für Details möchte ich auf The Aviation Herald verweisen.
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Re: 22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 8. Jul 2020, 23:19

Aero News mit dem ersten Teil einer Erklärung des Unfallherganges, soweit er bislang bekannt ist. Der zweite Teil soll morgen folgen.



Der junge Mann weiß nicht nur genau, wovon er spricht, sondern formuliert auch überaus exakt. Trotz der haarsträubenden Vorgänge im Cockpit bleibt seine Darstellung neutral und objektiv. Das ist echter Journalismus, hier zudem noch Fachjournalismus. :-) :-) :-)
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Re: 22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Di 14. Jul 2020, 21:33

Hier ist der angekündigte zweite Teil des Videos, der das Geschehen ab dem Passieren des 500 ft Gates im Landeanflug beschreibt. Die nachfolgende Bauchlandung mit eingefahrenem Fahrwerk wurde gar nicht bemerkt, sondern es wurde sogar noch pflichtbewußt in die Bremspedale getreten und versucht, die Schubumkehr auszufahren. Aber all das wird hier gut verständlich geschildert.



Zu dem Fakt, daß nach dem doppelten Triebwerksausfall das Fahrwerk und die Landeklappen von Stellung 2 auf 3 ausgefahren worden sind, hätte man noch auf die vernichtenden Konsequenzen dieser beiden zusätzlichen Fehlhandlungen hinweisen können. Beide Maßnahmen verschlechterten die Gleitzahl des Flugzeuges deutlich. Dem PIA Airbus 320 fehlten nur noch ca. 400 m oder fünf Sekunden bis zum rettenden Flughafenzaun.

Im Gegensatz dazu hatte der British Airways Kapitän, bei dessen 777 im Endanflug auf London Heathrow beide Triebwerke plötzlich keinen nennenswerten Schub mehr produzierten, seine Hausaufgaben in Aerodynamik gemacht. Er fuhr die zur Landung ausgefahrenen Klappen teilweise wieder ein, weil er wußte, daß ein Flugzeug mit eingefahrenen Klappen die beste Gleitleistung erzielt. Hätte er die Klappen nicht zurückgefahren, so hätte das Flugzeug den Flughafen nicht mehr erreicht.
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Re: 22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Di 14. Jul 2020, 22:30

Wenn sich beim Laien schon die Haare sträuben, hat der Fachmann vermutlich gar keine mehr ... und da ist es doch gar nicht soweit hergeholt an solche Theorien zu denken
Kilo Mike Sierra hat geschrieben:... Manche vermuten daher, das ganze könnte die Folge kontaminierter Kabinenluft gewesen sein, d.h., daß die Piloten mental nur noch eingeschränkt handlungsfähig waren.

Zu beiden Videos kann man nur sagen "top sachlich", dann warten wir auf den Abschlußbericht auch bei den Kollegen von AeroNews.
Bleibt die Frage - PIA hat derzeit keine Listenprobleme mit der EU (die Aussage zum Quali-Stand der Crews ließe anderes vermuten ...)
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Re: 22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 20. Jul 2020, 13:58

Am 15. Juli hat die FAA Pakistan von der Kategorie 1 auf 2 zurückgestuft. Das hat zur Folge, daß PIA keine neuen Flugverbindungen in die USA etablieren und kein Code-Sharing mit US-Fluggesellschaften durchführen darf.
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Re: 22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 1. Mai 2024, 15:04

Am 25. Februar 2024 ist der Abschlußbericht zu diesem Unfall veröffentlicht worden.

Was in diesem Cockpit abgelaufen ist, ist mit Worten kaum noch zu beschreiben. Fehlhandlung über Fehlhandlung im Velaufe von Sinkflug, Anflug, Landung und Go-around, keine Prozeduren oder Regeln eingehalten, wiederholte Hinweise und Anweisungen der Flugsicherung (die gut gearbeitet hat) ignoriert, Flugsicherung über Flugzustand belogen, ...

Infolge schlechter Arbeit mit dem Flight Management Computer kam das Flugzeug mehrere Tausend Feet zu hoch in den Anflug. Dennoch erzwang der Kapitän die Landung. Kurz davor fuhr der First Officer das Fahrwerk wieder ein, weil er wohl einen Go-around für unausweichlich hielt (völlig zurecht), aber er sagte seinem Kapitän nichts davon (extremes Autoritätsgefälle im Cockpit). Dann folgte die überraschende Bauchlandung mit eingefahrenem Fahrwerk (trotz Warnung des EGPWS). Nun forderte der F/O einen "Go-around" und der Kapitän folgte diesem Wahnsinnsvorschlag auch noch. Beim erneuten Anflug auf den Flughafen fielen dann beide zuvor beschädigte Triebwerke aus und das Flugzeug stürzte in bewohntes Gebiet.

Wie konnte dieser Pilot in den linken Sitz eines Airbus 320 gelangen? Wie konnte er überhaupt an das Steuer eines Flugzeuges gelangen?

Die pakistanische Luftfahrtbehörde hat im Zusammenhang mit dem Unfall eine große Zahl von "gekauften" Pilotenlizenzen im Land entdeckt. So gab es unqualifizierte "Verkehrspiloten", die andere an ihrer Stelle zu Prüfungen und Checkflügen schickten.
Vorher hat niemand davon gewußt. Okay?

EGPWS - Enhanced Ground Proximity Warning System (Warnsystem für gefährliche Bodenannäherung)
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Re: 22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mi 1. Mai 2024, 15:14

Hab ich das richtig verstanden:“ NACH der Bauchlandung erfolgte ein Go-Arround?“

extremes Autoritätsgefälle

Ja, in diesen islamischen Ländern ist das immer noch, bzw es ist Dort gewöhnlich. Auch wenn uns manch Zeitgenosse einprägen will, das der Islam völlig harmlos ist......

Die pakistanische Luftfahrtbehörde hat im Zusammenhang mit dem Unfall eine große Zahl von "gekauften" Pilotenlizenzen im Land entdeckt. So gab es unqualifizierte "Verkehrspiloten", die andere an ihrer Stelle zu Prüfungen und Checkflügen schickten.
Vorher hat niemand davon gewußt. Okay?


Leider bekannt. Die Regierung wies wohl die Behörden an, durchzugreifen. Bisher hörte man nichts neues. Ein deutscher Manager (ich erinnere an Leipzig mit NewYork-Verbindung und A310....), den man holte, um das Unternehmen in ruhigeres Fahrwasser zu bringen, brachte sich wohl lieber in die Geschäftemacherei nach Mafiastil ein.
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Re: 22.05.2020 Flugzeugabsturz in Karatschi, Pakistan.

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 1. Mai 2024, 22:32

Ja, es war ein Go-around aus der "Bauchlage". 17 Sekunden nach dem Aufsetzen der Triebwerksgondeln auf der Piste, gelang es ihnen, das Flugzeug wieder in die Luft zu bringen. Diese letzte Idiotie war dann das Todesurteil.

Ein islamisch begründetes Autoritätsgefälle sehe ich hier nicht. Autoritätsprobleme dieser Art gab es auch in "westlichen" Cockpits, z.B. aufgrund eines hohen Alters- oder Erfahrungsunterschiedes, der auch hier vorlag. In manchen Kulturen stellt man seinen Chef zudem grundsätzlich nicht in Frage.

Die pakistanische Untersuchungskommission hat jedoch auch Anmerkungen zu den Auswirkungen der Fastenzeit auf das Urteilsvermögen der Piloten gemacht.
Fällt der Fastenmonat wie hier in die helle Jahreszeit (früher Sonnenaufgang, später Sonnenuntergang), dann wird es wirklich hart für alle, die fasten und gleichzeitig arbeiten müssen. Ein Moslem auf Reisen (Musafir) ist jedoch vom Fasten vorübergehend ausgenommen. Er hat die versäumten Fastentage später nachzuholen. Das sollte ja dann auch für Piloten gelten dürfen, im Interesse der Flugsicherheit vielleicht sogar gelten müssen.
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