AN-26 Kamtschatka vermißt

bluemchen
Moderator
Moderator
Beiträge: 4207
Registriert: Mo 29. Dez 2014, 22:56
Postcode: 12
Country: Germany
Wohnort: Berlin
x 189
x 724
Kontaktdaten:

AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Di 6. Jul 2021, 19:31

Eine AN-26 im Passagierflug ist heute wenige Kilometer vor dem Landeplatz abgestürzt, Flug Petropawlowsk - Kamtschatka

Die Meldungen dazu sind noch widersprüchlich, nach 74.ru https://74.ru/text/incidents/2021/07/06 ... =editorial könnte sie ins Ochotskische Meer gefallen sein, nach t-online https://www.t-online.de/nachrichten/pan ... gzeug.html sollen Bruchstücke nahe Palana entdeckt worden sein.

Probleme an Bord soll es keine gegeben haben. Der Flughafen Palana lag russischen Medienberichten zufolge zur Unglückszeit im Nebel und die Berge in der Umgebung waren von Wolken verdeckt.
- Die Suche gestaltet sich schwierig aufgrund der geografischen Lage und schlechter Wetterbedingungen. An Überlebende glaubt zumindest niemand.

Es ist immer ein trauriges Kapitel.
R.

Nach Tass https://tass.com/emergencies/1311185 werden drei Versionen des Unglücks geprüft
0 x
*Träger der Roten Mainelke und des aberkannten Status GDR, gedient in Fremden Streitkräften*

EA-Henning
Administrator
Administrator
Beiträge: 6207
Registriert: So 24. Okt 2004, 18:26
Postcode: 99817
Country: Germany
Skype-Name: EDGE-Henning
Wohnort: DE 99817 Eisenach
x 891
x 120
Kontaktdaten:

Re: AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mi 7. Jul 2021, 00:22

Die Unfallstelle zeigt ein pulverisiertes Flugzeug.
0 x
Flieger sterben nicht, sie fliegen nur höher!

bluemchen
Moderator
Moderator
Beiträge: 4207
Registriert: Mo 29. Dez 2014, 22:56
Postcode: 12
Country: Germany
Wohnort: Berlin
x 189
x 724
Kontaktdaten:

Re: AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Mi 7. Jul 2021, 10:58

Es ist offenbar Gewißheit, daß alle 28 Insassen nicht überlebt haben (können).

Auch wenn das Netz diese Bilder nicht braucht - wie ist denn diese Aufnahme aus einer Suchmaschine einzuordnen https://tass.ru/proisshestviya/11842381 >frage<

- Eine weitere Vermutung zum Eintritt der Tragödie gibt es hier in der Iswestia: https://iz.ru/1189583/2021-07-07/naiden ... -kamchatke
(Vor der Landung Änderung des Anflugweges, was schief ging bei diesen meteo. Bed.)
0 x
*Träger der Roten Mainelke und des aberkannten Status GDR, gedient in Fremden Streitkräften*

bluemchen
Moderator
Moderator
Beiträge: 4207
Registriert: Mo 29. Dez 2014, 22:56
Postcode: 12
Country: Germany
Wohnort: Berlin
x 189
x 724
Kontaktdaten:

Re: AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Mi 7. Jul 2021, 22:10

Eine gewisse Vermutung zum Hergang der Tragödie ist offenbar bestätigt: https://www.aerotelegraph.com/antonov-a ... -flughafen
(Wedomosti.ru mit einer Galerie https://www.vedomosti.ru/society/galler ... leta-an-26 )
Dabei wurde die Besatzung als "erfahren" bezeichnet - zu erfahren?

Was die RA-26085 betrifft, hatte sie einen interessanten Lebenslauf: Seit 1994 UNO-Aufgaben, danach Air-Mali, 2008 abgestellt Ukraine, seit 2013 nach größeren Reparaturen an die Firma "Kamtschatka Aviation Enterprise" übertragen, kommenden Monat Ablauf der Lufttüchtigkeit.

Kommersant: "AN-26 wirft Fragen auf" https://www.kommersant.ru/amp/4889610

Die kleinen Regionalen können das Problem -veraltete Technik- nicht alleine lösen (Kamtschatka Air Company hat fünf An-26, drei Yak-40 und eine An-28 sowie mehrere Hubschrauber), meine ich.
# # #
R.
1 x
*Träger der Roten Mainelke und des aberkannten Status GDR, gedient in Fremden Streitkräften*

Kilo Mike Sierra
Administrator
Administrator
Beiträge: 4734
Registriert: Do 20. Okt 2005, 18:36
Postcode: 1189
Wohnort: Deutschland
x 279
x 384
Kontaktdaten:

Re: AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 7. Jul 2021, 23:54

Der vom Kommersant befragte Laie bringt das "moralische Alter" ins Spiel. Dabei ist hier ein Flugzeug ca. 2,5 km nördlich des Sollflugwegs in eine bis zu 200 m hoch aufragende Felswand geflogen. Beim Überflug der Küste hätte die Flughöhe ca. 160 m betragen müssen. Daher ist ein Flugführungsfehler oder Navigationsfehler hier viel naheliegender als ein technisches Problem mit dem Flugzeug.

Es gibt zwei verschiedene Instrumentenanflugverfahren auf die Landebahn 11 von Palana: einen NDB-Anflug und einen RNP (LNAV)-Anflug nach GPS.
Beide sind sogenannte Nicht-Präzisionsanflüge, d.h. es gibt nur eine horizontale, aber keine vertikale Flugwegführung.


FMS - Flight Management System
GPS - Global Positioning System
LNAV - Lateral Navigation (horizontale Flugwegführung durch FMS oder GPS)
NDB - Non-directional Radio Beacon (ungerichtetes Funkfeuer)
RNP - Required Navigation Performance
0 x
Thomas

Wenn die Politik das Fliegen (und das Fahren) durch dirigistische Eingriffe künstlich verteuert, dann wird es wieder zum Privileg der Reichen - ein Rückschritt von mindestens 50 Jahren.

EA-Henning
Administrator
Administrator
Beiträge: 6207
Registriert: So 24. Okt 2004, 18:26
Postcode: 99817
Country: Germany
Skype-Name: EDGE-Henning
Wohnort: DE 99817 Eisenach
x 891
x 120
Kontaktdaten:

Re: AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Do 8. Jul 2021, 05:26

Die Befragung von Laien ist meist nicht zielführend. Ich erinnere mich an einige Räuberpistolen im Zusammenhang mit dem Flug Unfall 2008 in Eisenach-Kindel.
0 x
Flieger sterben nicht, sie fliegen nur höher!

bluemchen
Moderator
Moderator
Beiträge: 4207
Registriert: Mo 29. Dez 2014, 22:56
Postcode: 12
Country: Germany
Wohnort: Berlin
x 189
x 724
Kontaktdaten:

Re: AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Do 8. Jul 2021, 10:58

Das meine ich natürlich auch
Kilo Mike Sierra hat geschrieben:...ein Navigationsfehler hier (ist) viel naheliegender als ein technisches Problem mit dem Flugzeug.
- es gab ja auch keine (gemeldeten).
Dennoch bleibt das Gerätealter mit (möglicherweise) fehlender modernerer Ausstattung wie exaktem Höhenmeßsystemen / Kollisionswarner ...
So eine Klippe voraus muß doch (gerätetechnisch) erkannt werden bei schlechter / fehlender Sicht und ich wiederhole mich - die erfahrene Crew müßte zudem das Profil im Anflugweg kennen. Kadetten läßt man mit Sicherheit nicht nach Kamtschatka.
Aber das ist nur meine persönliche Meinung
R.

- Ohne Bodensicht unterhalb der Klippenhöhe zu fliegen - die 40 m hätten vlt. gereicht um darüber zu schrammen - ist doch russisch Roulette
Heute wurde bei nicht sehr guten Wetterbedingungen diese Strecke geflogen mit Landung Palana, auf einer anderen Route und es gab keine Probleme.
"Man will verstehen, warum der Kommandant des Flugzeugs eine so schwierige Entscheidung getroffen hat", so der Verkehrsminister
0 x
*Träger der Roten Mainelke und des aberkannten Status GDR, gedient in Fremden Streitkräften*

EA-Henning
Administrator
Administrator
Beiträge: 6207
Registriert: So 24. Okt 2004, 18:26
Postcode: 99817
Country: Germany
Skype-Name: EDGE-Henning
Wohnort: DE 99817 Eisenach
x 891
x 120
Kontaktdaten:

Re: AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Do 8. Jul 2021, 12:55

Wenn ich Cockpit Fotos älter sowjetischer Typen sehe, scheinen die eigentlich alle mit moderner Ausrüstung nachgerüstet zu sein.
0 x
Flieger sterben nicht, sie fliegen nur höher!

Kilo Mike Sierra
Administrator
Administrator
Beiträge: 4734
Registriert: Do 20. Okt 2005, 18:36
Postcode: 1189
Wohnort: Deutschland
x 279
x 384
Kontaktdaten:

Re: AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 8. Jul 2021, 15:48

Dort wo die Steilküste bis zu 200 m Höhe aufragt, hätte das Flugzeug gar nicht anfliegen sollen. Auf dem vorgesehenen Flugweg wäre das Flugzeug über eine Geländehöhe von maximal ca. 17 m geflogen.

Ob in diesem Flugzeug eine Geländewarnsystem (TAWS, EGPWS) eingebaut war, konnte ich bislang nicht herausfinden. Ein solches System kann vor voraus liegendem Gelände nur korrekt warnen, wenn der barometrische Höhenmesser auf den richtigen Luftdruckwert eingestellt ist. Außerdem muß die GPS-Position stimmen.
Erschwerend kommt hinzu, daß die Steilküste dort fast senkrecht ansteigt. Wenn man bereits zu nah oder zu tief ist, wenn man auf die Warnung reagiert, dann kann man das Hindernis nicht mehr übersteigen.

Ist ein EGPWS an Bord (das korrekte Daten erhält) dann gibt es 60 Sekunden vor dem möglichen Geländekontakt einen optischen und akustischen Hinweis („CAUTION TERRAIN“). Sind es nur noch 30 Sekunden, dann gibt es eine Folge optischer und akustische Warnungen („TERRAIN, TERRAIN, PULL UP“, „TERRAIN AHEAD PULL UP - TERRAIN AHEAD PULL UP“).


EGPWS - Enhanced Ground Proximity System
TAWS - Terrain Avoidance and Warning System
2 x
Thomas

Wenn die Politik das Fliegen (und das Fahren) durch dirigistische Eingriffe künstlich verteuert, dann wird es wieder zum Privileg der Reichen - ein Rückschritt von mindestens 50 Jahren.

bluemchen
Moderator
Moderator
Beiträge: 4207
Registriert: Mo 29. Dez 2014, 22:56
Postcode: 12
Country: Germany
Wohnort: Berlin
x 189
x 724
Kontaktdaten:

Re: AN-26 Kamtschatka vermißt

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Do 8. Jul 2021, 20:12

Ein gute Gelegenheit, mal bei den Ausführungen vom Thomas zu bleiben
Kilo Mike Sierra hat geschrieben:... Wenn man bereits zu nah oder zu tief ist, wenn man auf die Warnung reagiert, dann kann man das Hindernis nicht mehr übersteigen.

Ich nehme in kauf naiv rüberzukommen, da ich meinte, daß das Wetterradar die Klippen doch reflektieren müßte (Bodenecho, selbst wenn es kompensiert würde)

2) Wie wird denn so eine regionale Strecke im VF überhaupt geflogen?
- Der Baro-Höhenmesser wird auf NN gestellt (?), dann liegt die relative Höhe über dem Terrain vor - über dem Meer sogar die Tatsächliche.
- Wann wird denn der QFE vom beabsichtigten Landeplatz abgefragt? Doch sicher nicht erst, wenn schon die Baumwipfel dem Fahrwerk drohen - mal etwas burschikos ausgedrückt.
(Ich meine damit, daß die Abfrage doch sicher schon vor dem beabsichtigten Überflug der Küstenlinie erfolgt sein müßte, also vor dem Zerschellen im konkreten Fall)
- Könnten bei dem schlechtem Wetter im Landegebiet auch plötzliche Luftdruckschwankungen auftreten mit Einfluß auf die Analoganzeigen?
Kilo Mike Sierra hat geschrieben:Dort wo die Steilküste bis zu 200 m Höhe aufragt, hätte das Flugzeug gar nicht anfliegen sollen. Auf dem vorgesehenen Flugweg wäre das Flugzeug über eine Geländehöhe von maximal ca. 17 m geflogen.

Daß der beabsichtigte Flugweg nun wiederum vom tatschlichen Flugweg schon stark abweicht, weißt doch möglicherweise auch auf ein GPS-Problem hin
oder bin ich da schon wieder naiv?
@K-M-S und PPL-Inhaber werden es wissen >grins<
R.
0 x
*Träger der Roten Mainelke und des aberkannten Status GDR, gedient in Fremden Streitkräften*


Zurück zu „Flugunfälle und Zwischenfälle (aktuell)“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste