Flugunfälle der Verkehrsluftfahrt Historisch

bluemchen
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Flugunfälle der Verkehrsluftfahrt Historisch

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Sa 29. Jun 2019, 23:59

IL-14

Am 28. Juni jährte sich zum 50. Mal das schreckliche Drama, das sich in Kirgistan ereignet hatte - Sputnik/Kirgistan recherchierte dazu:
https://ru.sputnik.kg/incidents/2019062 ... ilota.html
Nach den Bildern hatte niemand eine Chance

" Am Morgen des 28. Juni 1969 startete die IL-14 auf der üblichen Route Frunse - Talas, und einige Stunden später ereignete sich auf dem Rückweg von Talas nach Frunze das Unglück auf Grund eines Pilotenfehlers, das 40 Menschenleben kostete .
- Vor dem Start vom Flughafen Talas wurde das Flugzeug überprüft. Das technische Personal fand keine Probleme. Die Ärzte, die die medizinische Untersuchung durchgeführt haben, kamen zu dem Schluss, dass alle Besatzungsmitglieder an Bord gehen können.

Nachdem das Flugzeug den Flughafen Talas verlassen hatte, wurde die Kommunikation mit der Besatzung des Flugzeugs unterbrochen. Nach kurzer Zeit in einer Höhe von 3.150 Metern stürzte die IL-14 in den Hang des Berges.
- Das meteorologische Personal wurde befragt und sagte, dass das Wetter an diesem Tag klar sei und es keine Hindernisse für Flüge gebe.
- Die IL-14 sollte in einer Höhe von 3.500 Metern üNN fliegen, sie stieg jedoch nur auf 3.150 Meter
- Nach Archivdokumenten konnte die Besatzung bei dieser bestimmten Höhe den Flug nicht überstehen - mit anderen Worten, anstatt nach links zu wenden, drehten die Piloten nach rechts - in Richtung der Bergkette.
Der Dispatcher wusste von dem Verstoß, gab aber keine Anweisungen dazu. Einige Quellen berichten, dass die Verbindung zu den Piloten unterbrochen (war). "
Die Flugunfallkommission machte Vorschläge zur Verbesserung der Arbeit der Flughäfen der Republik. Sie betrafen die Verbesserung der Start- und Landebahnen und die Aktualisierung der technischen Kommunikationsmittel.

Das man aber bei klarer Sicht in einen Berghang fliegt, bleibt mir trotzdem unklar, angeblich fehlten 50 m an Flughöhe. Bei Einhaltung der vorgeschriebenen Flughöhe wäre der Bergrücken mit (knappen) 300 m Sicherheit zu überfliegen gewesen
# # #
R.
{Anm.: Der Thread wurde von … Allgemeiner Luftfahrt in "Verkehrsluftfahrt" umbenannt]
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Kilo Mike Sierra
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Re: Flugunfälle der Verkehrsluftfahrt Historisch

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » So 30. Jun 2019, 11:58

Obwohl dieser Flug nach Sichtflugregeln stattfinden sollte, ist das Flugzeug sechs Minuten nach dem Start 8,7 km abseits des geplanten Flugweges in unzureichender Höhe über den Bergen des Kirgisischen Gebirges in Wolken eingeflogen.
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Thomas

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bluemchen
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Re: Flugunfälle im Charterverkehr Historisch

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Mi 17. Jul 2019, 23:18

AN-22

Am 18. Juli um 11:30 Uhr findet auf dem Moskauer Novodevichy-Friedhof eine jährliche Zeremonie zum Gedenken an die umgekommenen Besatzungsmitglieder der An-22 N02-07 statt, wie die Website der peruanischen Botschaft in Russland berichtet.

Diese Trauerfeier ist eine Geste der Solidarität zwischen der russischen Regierung und dem peruanischem Volk, sie ist traditionell als "Tag der russisch-peruanischen Solidarität" etabliert worden.
Diese Gedenkfeier findet am gleichen Datum auch in Peru statt.

Am 31. Mai 1970 erschütterte Peru ein katastrophales Erdbeben. Es forderte das Leben von etwa hunderttausend Menschen, eine halbe Million wurden verstümmelt. Insgesamt gab es etwa 3 Millionen Opfer. Städte im Norden Perus sind zu Ruinen geworden.
"Die Naturkatastrophe war die katastrophalste in der republikanischen Geschichte des Landes. Es hat die gesamte Bevölkerung dieser Region getroffen, enorme Verluste an Menschenleben verursacht, Tausende von Häusern und Infrastruktur zerstört. Der Staat konnte die Folgen der Geschehnisse nicht bewältigen", erinnert sich der Botschafter Perus in Moskau Chimoy Arteaga.

Das sowjetische Volk konnte sich dieser beispiellosen Tragödie nicht fernhalten. Die Regierung beschloß unmittelbar einen Transport humanitärer Hilfe nach Peru sicherzustellen", wie Alexander Schtchetinin, Direktor der lateinamerikanischen Abteilung des russischen Außenministeriums, anmerkte.

Die sowjetischen Behörden schickten fünf An-22-Flugzeuge mit humanitärer Hilfe, Medikamenten und medizinischer Ausrüstung nach Peru. Auch Ärzte gingen nach Peru.
Eines der Flugzeuge erreichte sein Ziel nicht.
Am 18. Juli 1970 startete die An-22 Bordnummer CCCP - 09303 mit Fracht, 15 Besatzungsmitgliedern und sieben Passagieren vom isländischen Flughafen Keflavik in Reykjavik und verschwand 47 Minuten nach dem Start.
Die Crew meldete sich nicht, das Flugzeug landete auf keinem der Flughäfen auf der Route nach Peru. Es wurden jedoch auch keine Störungen am Flugzeug gemeldet.


In die Suche wurden auch NATO-Flugzeuge einbezogen. Aber alles, was gefunden wurde - waren Fragmente des Deckels des Rettungsinselbehälters und Fragmente von medizinischen Ausrüstungspaketen.

Was den Absturz verursacht hat, bleibt unbekannt. Es wird angenommen, dass es eine Explosion an Bord gegeben haben könnte oder daß das Flugzeug mit einem Höhenballon kollidierte.
Nach der Untersuchung des Wracks kamen die Experten zu dem Schluss, dass Feuer an Bord ausgeschlossen werden konnte.
Nach Angaben der Kommission des Ministeriums für Luftfahrtindustrie der UdSSR gab es eine Explosion von übermäßigem Druck in der Frachtkabine auf dem Echelon (?) Die Kommission vermutete später , dass das Blatt eines Propellers den Rumpf irreparabel beschädigt und durchbohrt haben könnte, was zu einer Dekompression führte.

Es war die erste Katastrophe in der Geschichte der An-22 und bis 1992 die tödlichste.

"Wir glauben, dass das edle Opfer die höchste Manifestation der Menschheit ist und immer mit Dankbarkeit und Respekt vor der Solidarität in Erinnerung bleiben sollte", sagt Arteaga
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Re: Flugunfälle der Verkehrsluftfahrt Historisch

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 18. Jul 2019, 22:37

Mit Эшелон wird in der russischen Fachsprache die Flugfläche (flight level) bezeichnet. Im Kontext des Untersuchungsberichts könnte damit die Reiseflughöhe oder der Reiseflug gemeint gewesen sein.
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Thomas

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bluemchen
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Re: Flugunfälle der Verkehrsluftfahrt Historisch

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Di 11. Aug 2020, 19:58

TU-134

Am 11. August 1979 verunglückte die Taschkenter Fußballmannschaft "Pakhtakor", ich weiß nicht mehr, ob das damals bei uns ein Medienthema war, ich meine aber doch - ja, in der schwachen Erinnerung.

17 Spieler der Taschkenter Mannschaft "Pakhtakor" starteten mit einem Linienflug der Aeroflot mit "Tu-134" , Taschkent - Minsk . - Es ging um ein Länderspiel der UdSSR-Meisterschaft mit dem örtlichen Club "Dynamo".

In Höhe Dniprodzerzhinsk kam es zu einer Kollision mit einer gleichen Linienmaschine, die auf der Strecke "Kischinjow (Moldawien) - Woroshilowgrad - Kuibyshev" unterwegs war mit 89 Pass. + 6 Crew, ebenfalls auf 7.800 m Höhe.
Großes Fragezeichen,
es wurde wohl nie geklärt, warum beide Maschinen auf gleicher Flugfläche geleitet wurden. Es heißt: "Aus unbekannten Gründen erlaubten die Dispatcher dem Flugzeug mit "Pakhtakor" an Bord nicht, die Route auf 9- oder 10.000 Meter zu fliegen".
- Offenbar hatten sich zudem beide Maschinen (mit oder ohne "Glasnase") auch nicht gesehen / sehen können / oder eben zu spät

(Beide Fluglotsen aus Charkiw wurden zu 15 Jahren verurteilt, sie hatten 178 Opfer zu verantworten).
--------------------------------------
Eine andere Frage in dem Zusammenhang ist die nach der mathematischen Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens, genau an einem Ort X in einer Höhe Y zu einer Zeit Z in einem Raum, der unendliche Parameter- Vektorabweichungen zuläßt.
(Gleiches Momentum war ja der Luftwaffen TU-154 11-02 Absturz Namibia nach Kollision mit dem Amerikaner C-141 am 13. September ´97)

Diese Frage stellt man sich immer wieder und kann es nicht fassen, ein riesiger Luftraum mit dem mysteriösen Ort X ...
R.
(Es erinnerte: https://www.asiaplustj.info/ru/news/taj ... -2020-goda /
http://1743.ru/news/39247-na-vysote-780 ... samoletov#
https://uz.sputniknews.ru/society/20200 ... ntsev.html )
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Re: Flugunfälle der Verkehrsluftfahrt Historisch

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mi 12. Aug 2020, 00:31

Die Frage nach der Wahrscheinlichkeit hilft hier nicht weiter, weil es um einen singulären Flug geht. Statistische Betrachtungen gelten nicht für Einzelfälle, sondern nur für eine größere Menge von Fällen.

Damals waren die Höhenmesser und die Autopiloten noch nicht so präzise wie heute. Das Schicksal hat am 11. August 1979 wirklich einen sehr schlechten Tag gehabt, als es die Flugzeuge am gleichen Ort auf gleiche Höhe gebracht hat und dazu noch zur gleichen Zeit. Vergleichbares geschah auch am 10. September 1976 über Zagreb, als eine HS Trident 3B der Britisch Airways und eine DC-9-32 der Inex-Adria Airways im Reiseflug kollidierten.

Seit der Einführung der Reduzierten Vertikalen Staffelung Minima (RVSM) auf der Grundlage präziserer Höhenmesser, Luftdatenrechner (ADC) und Autopiloten ab 1997 gibt es keine system-imanente "Höhenstreuung" mehr, die die Mehrzahl der Kollisionen praktisch verhindern würde. Andererseits gibt es das Kollisionswarnsystem TCAS, welches das neue Risiko der zu genauen Einhaltung der Flughöhe mehr als überkompensiert. TCAS ist ein Segen für die Flugsicherheit. Es ist sehr bedauerlich, daß es nicht schon viel früher eingeführt werden konnte.


ADC - Air Data Computer
RVSM - Reduced Vertical Separation Minima
TCAS - Traffic Alert and Collision Avoidance System
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Re: Flugunfälle der Verkehrsluftfahrt Historisch

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Mi 12. Aug 2020, 14:29

Ja sicher, es ist schon eine Singularität - auch.
Im Falle von Linien - mit regelmäßiger Bedienung - nicht mehr so ganz. Einen gewissen springenden Punkt sehe ich aber auch hier -
Kilo Mike Sierra hat geschrieben:TCAS ist ein Segen für die Flugsicherheit. Es ist sehr bedauerlich, daß es nicht schon viel früher eingeführt werden konnte.
- Eine Technologie, die vorhanden, wird wurde nicht umgesetzt. Warum >frage< Ging man davon aus, daß eine Wahrscheinlichkeit von Kollisionen eben vernachlässigbar klein ist ...
Es ist eine theoretische Betrachtung:
Konstruieren wir den Fall, daß die zur Kollision geführten Destinationen identisch in einem Supercomputer nachgestellt werden, mit einer Frequenz von täglich einer Verbindung mit Retoure und den täglichen (instrumentalen, meteorologischen u. a. ) Abweichungen.
- Wieviel Jahre brauchte es, bis der gleiche Zu-Fall wieder einträfe - tausend Jahre oder Zehntausend ... ? Genau das ist die "Ungerechtigkeit" in der Betrachtung, wenn Menschen zu Schaden kommen.
Ein philosophisches Problem, und da hilft weder Gott noch Mohammed
R.
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Re: Flugunfälle der Verkehrsluftfahrt Historisch

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Do 13. Aug 2020, 22:51

Die Einführung von TCAS ist nicht "künstlich" verzögert worden. Die Entwicklungszeit für die überaus komplexen Software-Algorithmen* war sehr lang. Außerdem waren einige technische Voraussetzungen zu erfüllen: ausreichend schnelle Prozessoren, Modus-C-fähige Transponder (d.h. mit Höhenübermittlung). Dann mußten sich die Behörden zu einem für die Fluggesellschaften verpflichtenden, zugleich aber auch finanziell verträglichen Einführungsmodus durchringen. Dabei sind noch Jahre vergangen, in denen es weiter zu Kollisionen kam.
Dann kam die Katastrophe von Überlingen und hatte zur Folge, daß noch einmal mit Nachdruck an der Verbesserung der Algorithmen gearbeitet wurde, woraus die Version TCAS 7.2 resultierte. Doch auch deren Entwicklung und Einführung brauchte wieder mehrere Jahre. Zudem mußte in vielen Ländern (auch in Deutschland) die Luftfahrtgesetzgebung verändert werden, da sie "inkompatibel" zu TCAS war. So hatten die Piloten der Bashkirian Airlines damals formaljuristisch korrekt gehandelt, indem sie die Ausweichbefehle der Flugsicherung befolgten und die entgegengesetzten Anweisung des TCAS ignorierten. Erst später wurde gesetzlich klar formuliert, daß TCAS das letzte Wort hat.

*) Sehr außergewöhnlich für eine so wichtige Avionikkomponente ist, daß diese Algorithmen allen Avionik-Herstellern frei zur Verfügung gestellt werden. Der Pseudo-Code der Software ist praktisch in der öffentlichen Domain.
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