Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

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Moderator: Kilo Mike Sierra

EA-Henning
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Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » So 24. Feb 2013, 22:33

Doch noch Hoffnung für die TU-334?

Irgendwie schien die TU-334 nie in die Puschen zu kommen.
Einer Nachrichtenmeldung zufolge könnte das Flugzeug nun doch in die Produktion kommen.
http://www.ruaviation.com/news/2012/10/16/1277/
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старый мешок
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Re: Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon старый мешок » So 24. Feb 2013, 23:34

Ha, ha, .... nach 30 Jahren Entwicklung und Bau von ein paar Maschinen geht's nun endlich los!? Die zwei Maschinen werden bestimmt an einen Altmetallhändler verkauft. Wer sollte denn sonst der Abnehmer sein. :wind:
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Kilo Mike Sierra
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Re: Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 25. Feb 2013, 00:03

Im Vergleich zur Tu-334 war die Tu-144 ein Blockbuster.

Warum kaufen die vielen russischen Fluggesellschaften nicht hin und wieder auch russische Flugzeuge?
Was in den letzten zwanzig Jahren gelaufen ist, muß die einheimische Industrie und das vorhandene Know-How doch erheblich ruiniert haben.
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Thomas
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старый мешок
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Re: Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon старый мешок » Mo 25. Feb 2013, 00:57

Warum kaufen die vielen russischen Fluggesellschaften nicht hin und wieder auch russische Flugzeuge?


Diese Frage wäre ein neues Diskussionsthema. Gegenfrage, warum fliegen die russischen Passagiere heute so ungern mit Aeroflot ins Ausland und zahlen lieber das doppelte um noch einen Platz bei AirBerlin oder Lufthansa zu ergattern? Warum schämt sich Aeroflot bei öffentlichen Veranstaltungen, wenn die Sprache auf ihr russisches (sowjetisches) Fluggerät zu sprechen kommt? Egal ob IL-96 oder Suchoj SSJ. Von 140 Flugzeugen gerade mal 12 Maschinen, der Rest alles Böing und Airbus.

Die russische Luftfahrtindustrie, wie vor 25 Jahren, gibt es nicht mehr. Aus, vorbei und wird auch nichts mehr. Wer kauft ein Flugzeug mit Entwicklungsstand von vor 35 Jahren? Es gibt auch nicht mehr genügend ausgebildetes Personal. Die, die vor 25, 30 Jahren die Schulen und Universitäten verlassen haben sind heute im Durchschnitt 55 Jahre und sogenannte "бизнесмен" mit Dollarzeichen in den Augen. Was sollten Sie auch damals anderes tun, da im großen Land alles zusammengebrochen war. Zusammengebrochen im wahrsten Sinne des Wortes, wie die Hallendächer über dem "Buran". Aber auch die Ausbildung neuer Leute war zusammengebrochen.
Man schaue sich doch das Dilemma mit den Suchoj "SuperJet" an. Oder stolz wird im Russischen TV über die Auslieferung von 4 Su-34 Kampfjet an die WWS berichtet. 4 Maschinen im Jahr! Das sagt doch alles.
Zum 100.Jahrestag der WWS im vergangenen Jahr, was wurde da bei den Airshows gezeigt? Flugzeuge mit einem Alter von 50 bis 25 Jahre. Schön aufgemotzt zum Jubiläum. Aber alles alte Kisten (aber sehr schööööne Fliegende Kisten), deren Grenznutzungsdauer bald erreicht sein wird. Der 111.Jahrestag dürfte nur noch in Monino stattfinden. Neues ist nicht zu erwarten und es fehlt das Geld. Vor wenigen Tagen wurde nun die letzte Tu-154 fertig gestellt und an die WWS ausgeliefert (Baunummer 998). Bauzeit knapp drei Jahre. Die vorletzte Maschine hatte ebenfalls eine Bauzeit von fast drei Jahren. Pure Manufakturarbeit oder ABM-Maßnahme? Absolut unökonomisch. Unökonomisch, wie der gesamte russische Flugzeugbau. Das Wunschdenken der dortigen OKB's und der OAK hält nun schon über 20 Jahre an. Fast jede Meldung über die Aufnahme der Fertigung von Typ XYZ, jedes neu vorgestellte Projekt usw. waren bis heute vorgezogene Aprilscherze. Nicht zuletzt die lächerliche Idee, die An-124 in Leipzig bauen zu wollen.

Die Zeiten des sowjetischen/russischen Flugzeugbaus sind vorbei, wie die des Britischen, des Amerikanischen (außer Boeing), des Französischen, ja und des Deutschen. Übrig sind Boeing und Airbus und die brasilianische Embraer als Nummer 3 in der Welt. Fast alle russischen Fluggesellschaften fliegen heute Airbus und Böing und ersetzten die alten sowjetischen Typen, nachdem diese ihre Stunden erreicht haben, durch westliches Fluggerät.
Es ist leider ein Dilemma und zum heulen, aber das ist nun mal der Lauf der Zeit.
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Re: Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mo 25. Feb 2013, 09:17

Das sind klare Worte. Nur, was wird aus der ehemals großen Branche? Oder gibts irgendwann den "großen Knall"?
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Re: Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mo 25. Feb 2013, 09:22

Am 20.Februar 2013 wurde die wohl letzte neue (!) TU-154M ausgeliefert!
Artikel auf RBK
Artikel auf RBK (Maschinelle Übersetzung)
Es scheint sich hierbei, wie старый мешок schon schrieb, um eine Art ABM-Maßnahme gehandelt zu haben, Abnehmer ist die Russische Luftwaffe.
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Re: Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Mo 25. Feb 2013, 09:49

Das Oberkommando der Russischen Luftwaffe fordert, die Flotte von TU-134UB-L und TU-134SH zu überholen und wieder in einen einsatzfähigen Zustand zu versetzen.
Artikel auf Istwestia
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Re: Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 25. Feb 2013, 15:11

Ich hatte so etwas geahnt.
Wovon leben eigentlich diese Betriebe und Konstruktionsbüros?
Militärische Projekte, läuft das noch?

Ich verstehe dieses Land einfach nicht.
Es ist noch nicht lange her, da war z.B. die riesige Erdöl- und Erdgasindustrie in staatlicher Hand. Jetzt ist sie jedoch plötzlich im Besitz von ganz wenigen Privatleuten, die mit Hilfe dieses ehemaligen "Volkseigentums" über Nacht zu Milliardären geworden sind - und das Land verarmt.
Was hat das große Russland nur aus sich gemacht?
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Re: Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon Peter » Di 26. Feb 2013, 09:52

Besser als старый мешок hätte sicher niemand von uns in der Kurzfassung die derzeitige Situation der russischen Luftfahrtindustrie formulieren können. Wir haben ja alle zu den sowjetischen Flugzeugen eine besondere Bindung, sind wir doch mit ihnen groß geworden und waren stolz in unserer Gesellschaft in der damaligen Zeit derartige Flugzeuge zu haben. Und nach dem Auseinanderfallen der SU stagnierte die Entwicklung. Nur beim militärischen Flugzeugbau läuft noch etwas. Und das war auch immer der große Stolz der russischen Menschen. Aber selbst dort hat die Manifaktur Einzug gehalten. Große Qualitätsprobleme sind an der Tagesordnung. Kein Flugzeug gleicht dem anderem im Detail, was nicht für eine Serienproduktion spricht. Und gerade bei Militärmaschinen sollte eine Serie homogen sein.
Selbst die Neuentwicklung, die SSJ 100, hat laufend Probleme. Von den 10 Maschinen dieses Typs bei der AEROFLOT sind nur drei im Einsatz, sowohl die Fahrwerke zeigen ständige Mängel, die Triebwerke sind störanfällig und unterdimensioniert und sonstige Mängel lassen sie am Boden stehen.

Habe heute einen Artikel unter http://www.aviaport.ru/digest/2013/02/25/249884.html gelesen, in dem wird angegeben, daß diese Konstruktion im Rahmen des russischen Programms zur Entwicklung der russischen Zivilluftfahrt in der Periode bis 2015 eingeordnet wird. Irgendwie kommen mir solche Zielstellungen bekannt vor....
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Re: Der heutige Zustand der russischen Luftfahrtindustrie

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Di 26. Feb 2013, 10:01

Das Flugzeugwerk Saratov, Hersteller vor allem der Jak-42, ist nicht nur geschlossen, sondern gleicht einem Müllplatz.
Im Werk sollen sogar eine fast fertige neue (!) Jak-42D gestanden haben, sowie zwei weitere Maschinen dieses Typs im abgebeizten Zustand, offenbar gebrauchte Flugzeuge zur Überholung.

Mein letztes Fünkchen Hoffnung ist die Jak-242 alias MS-21......
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