Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Der Einsatz von Luftfahrzeugen in der Land- und Forstwirtschaft erreichte einen hohen Entwicklungsstand.
DDR-TKB
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Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon DDR-TKB » Sa 25. Jul 2009, 21:30

Ich bin der Meinung gehört zu haben, dass das Unterfliegen von Hochspannungsleitungen beim Agrarflug der Interflug verboten war und somit bei Verstoß zur (vorrübergehenden ???) Abnahme der Flugberechtigung geführt hat.

stimmt das ???

Ich habe seit Kurzem Kontakt zu einem ehemaligem Agrarflieger aus den Niederlanden. Laut seiner Aussage sei es dort völlig normal, dass beim Arbeitseinsatz ständig unter den Leitungen geflogen wird. ( somit ein Ausschlusskriterium für die Anschaffung der M18, wegen dem zu hohem Heck) In den vereinigten Staaten scheint es auch Gang und Gebe zu sein darunter zu fliegen, wie zahlreiche Bilder beweisen.
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Kilo Mike Sierra
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Re: Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Fr 13. Nov 2009, 18:34

Freileitungen mussten mit einem minimalen Sicherheitsabstand von 20 m überflogen werden. Diese Regelung schließt m.E. ein legales Unterfliegen aus.

Nachdem es durch Kollisionen von Agrarflugzeugen mit Freileitungen zu Schäden und sogar Totalverlusten gekommen ist, wurde bei der INTERFLUG ein Warngerät für die Annäherung an (unter Spannung stehende) Freileitungen entwickelt und durch die Agrarflugstaffel Erfurt an einer Z-37 erprobt. Dieses System basierte auf kapazitiven Sonden am Flugzeug, die die Veränderung des elektrischen Potentials im Umfeld einer Freileitung erfassten. Das Versuchsmuster war in der Lage, bereits bei einer Annäherung auf unter 1.100 m vor einer 380-kV-Leitung zu warnen. Die Entwicklung wurde jedoch 1989 eingestellt, da die Warnabstände bei 30- und 100-kV-Leitungen mit 30 bis 50 bzw. 250 bis 300 m leider unzureichend waren.

(technische Details gefunden in TIZL 25 (1989) Heft 5/6)


Ich fand gerade den Betrieb Agrarflug der INTERFLUG besonders innovativ. Es hat nicht mehr viel gefehlt und man hätte selbst Agrarflugzeuge entwickelt und gebaut. 8-)
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Thomas

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Re: Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon EA-Henning » Fr 13. Nov 2009, 20:39

Ich fand gerade den Betrieb Agrarflug der INTERFLUG besonders innovativ. Es hat nicht mehr viel gefehlt und man hätte selbst Agrarflugzeuge entwickelt und gebaut.


Gab ja mal das Projekt Flora.
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Flieger sterben nicht, sie fliegen nur höher!

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Re: Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Sa 14. Nov 2009, 22:26

Das Projekt "Flora" lief aber unter der Regie der Flugzeugwerke Dresden.

Immerhin wurde in einer Werft des Betriebes Agrarflug der INTERFLUG eine "halbe" PZL M18 Dromader im Eigenbau hergestellt. Hintergrund war, daß eine strukturell stark beschädigte M18 vom Hersteller PZL als nicht mehr reparabel eingestuft worden war. Daraufhin entschied man beim Agrarflug, die nötigen Teile der Zelle neu zu bauen. Nachdem auch die erheblichen Hürden bei der Dokumentation und Zulassung dieser Teile genommen war, konnte sich die Maschine wieder in die Luft erheben.
(So stand es einmal im START, der Betriebszeitung der INTERFLUG.)
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Thomas

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Re: Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon DDR-TKB » So 15. Nov 2009, 13:18

Thomas, da krieg ich ganz große Ohren 8-) Gibt es dazu weitere Einzelheiten, oder gar den Bericht noch irgendwo?
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Re: Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » So 15. Nov 2009, 16:18

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich die Quelle nach kurzer Suche gefunden.

Zitat aus START - Nr. 9-10/88 - S. 3:

"Wieder aufgerüstet: M-18 A DDR-TKI
...
Aufgrund eines technischen Defektes am Rumpfgerüst des Luftfahrzeuges DDR-TKI war die Luftfahrttauglichkeit nicht mehr gegeben.
...
Das Problem bestand darin, daß im Agrarflug der DDR keine Dokumente bzw. Unterlagen existieren, um ein Luftfahrzeug vom Typ M-18 A wieder aufzurüsten.
...
[Es]...besteht die Aufgabe, eine konstruktive und technologische Lösung zu erarbeiten, die es ermöglicht, das Luftfahrzeug M-18 A, welches infolge eines nicht reparablen Rumpfgerüstschadens nicht mehr einsatzfähig ist, durch den Austausch eines neuen modifizierten Rumpfgerüstes wieder neu aufzurüsten.

[Es]...besteht das Ziel, die konstruktiven und technologischen Grundlagen zur Wiederaufrüstung der DDR-TKI zu erarbeiten. Dazu gehört die Erarbeitung pausfähiger Zeichnungen bzw. Schaltpläne und die Erstellung einer Technologie, bezogen auf die einzelnen Baugruppen und Anlagen. Im Rahmen einer Dienstaufgabe erfolgt die Umsetzung der Technologie in die praktische Wiederaufrüstung des Luftfahrzeuges M-18 A DDR-TKI. Der kalkulierte Nutzen, der sich aus dieser Wiederaufrüstung und die damit verbundene Bereitstellung für die Land- und Forstwirtschaft ergibt, beträgt etwa 500.000 Mark."



Für mich klingt das weniger nach Eigenbau von Rumpfteilen, sondern nach völliger Zerlegung und Neumontage des Flugzeugrumpfes incl. gesamter Ausrüstung unter Einsatz von neuen (modifizierten?) Teilen.
Vielleicht kommt ja ein ex-Agrarflieger in diesem Forum vorbei, der genaueres darüber weiß.
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Thomas

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Re: Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon DDR-TKB » So 15. Nov 2009, 16:42

Vielen Dank Thomas! Interessant wär ja noch die Frage, wie es zu der Beschädigung gekommen ist.
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Re: Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » So 15. Nov 2009, 17:02

DDR-TKB hat geschrieben:...
Ich habe seit Kurzem Kontakt zu einem ehemaligem Agrarflieger aus den Niederlanden. Laut seiner Aussage sei es dort völlig normal, dass beim Arbeitseinsatz ständig unter den Leitungen geflogen wird. ( somit ein Ausschlusskriterium für die Anschaffung der M18, wegen dem zu hohem Heck) In den vereinigten Staaten scheint es auch Gang und Gebe zu sein darunter zu fliegen, wie zahlreiche Bilder beweisen.

Mir geht diese Aussage nicht aus dem Kopf.
Das Unterfliegen von Freileitungen mit der M18 wird als riskant betrachtet, nur weil deren Seitenleitwerk möglicherweise ein paar Zentimeter höher ist als bei anderen Flugzeugen.

Im Umkehrschluß soll das wohl bedeuten, daß Flugzeuge mit "tiefergelegtem" Leitwerk sich gefahrlos unter Freileitungen tummeln können.
Dieser Logik kann ich nicht folgen. Ich glaube das einfach nicht.
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Thomas

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Re: Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon DDR-TKB » So 15. Nov 2009, 19:38

Hier sind ein paar Zitate von Ron aus unserem Mailverkehr:

Yes, flying underneath the wires was legal and very common! Some days I would be doing more than 100 passes below the wires!


...

There was some interest in the Netherlands, but the tail was too high. The beast could not fly underneath the powerwires. Same problem with the fieldmaster!



Ich habe glaub ich nicht gesagt, dass es mit tieferem Leitwerk gefahrlos ist. Es ging viel mehr darum, dass die M18 wegen des, im Vergleich zu anderen Typen, hohen Seitenleitwerkes weniger geeignet ist, um unter Hochspannungsleitungen hindurch zu fliegen.

Hier mal ein Vergleich:
Dateianhänge
under_line.jpg
m18_tail.jpg
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Kilo Mike Sierra
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Re: Agrarflug unter Hochspannungsleitungen

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Mo 16. Nov 2009, 10:26

Das Leitwerk der M18 überragt die Kabine und den Propellerkreis nur geringfügig. Das gleiche sehe ich bei dem anderen Flugzeug. Ich sehe da keinen signifikanten Unterschied im Gefahrenpotential. Deshalb verstehe ich nicht, warum die M18 als nicht geeignet angesehen wurde.

Ron schreibt, das Unterfliegen der Leitungen war legal. Sind die Vorschriften seitdem verschärft wurden?

Ich glaube, wenn Masten im Spiel sind, kann man ein Feld sowieso nicht ordentlich befliegen. Man kann zwar zwischen den Masten unter der Freileitung hindurchfliegen. Von den Masten selbst muß man sich jedoch fernhalten, d.h. man kann nicht einfach tollkühn auf sie zufliegen und dann im letzten Moment einen rasanten Schlenker um sie herum machen.

Natürlich würde es mich jetzt sehr interessieren, wie die Praxis beim Agrarflug der INTERFLUG ausgesehen hat.
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Thomas

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