Tu-134UB-L Museum Poltawa

Moderator: Kilo Mike Sierra

historienquax
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Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon historienquax » Fr 15. Mai 2020, 22:30

Im Museum der Fernflieger im ukrainischen Poltawa kann man eine Tu-134UB-L besichtigen. Hier ein paar Innenaufnahmen des einzigen in diesem Flugzeug vorhandenen bzw. erhaltenen Ausbildungsplatzes. Ein anderes Flugzeug von diesem Typ irgendwo museal zugänglich ist mir nicht bekannt. Die Kabine ist ansonsten leergeräumt aber die Ausstattung ist noch vorhanden.

Kann mir jemand erklären was dort zu sehen ist, was man dort ausbilden kann?

Bedienfeld.jpg
Hauptbedienfeld


Bug.jpg


DISS.jpg
Anzeigefeld über dem Hauptbedienfeld


Schalter.jpg
Schalterfeld über dem Anzeigefeld


Sichtgerät.jpg
Sichtgerät links neben Anzeigefeld


Übersicht.jpg
Ausbildungsplatz
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bluemchen
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Re: Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Fr 15. Mai 2020, 23:57

Es gibt tatsächlich zur 134UB-L nicht allzu viel, deswegen sind diese Einblicke besonders interessant

Ein Problem war, oder ist, für die strategischen Fliegerkräfte das Training wie den Lizenzerhalt der Besatzungen ohne die teuren Einsatzmaschinen hinzubekommen. Von denen gibt es keine Schulungsmuster.
Das betrifft die TU-22M-3 wie den "Weißen Schwan" TU-160, möglicherweise auch noch anderer Typen
Dazu wurde Tu-134UB-L in einer Version entwickelt mit der geänderten Bugnase zur Aufnahme des entsprechenden Radars, was das Design betrifft. Die gerätetechnische Ausstattung, leicht fragmentiert, gibt in dem Fall schon Hinweise und ist sehr wahrscheinlich variabel
Zum Navigationstraining und für die Waffenleitoffiziere / Operatoren wurde aber auch noch aus der "UB-L" speziell die "UB-K" entwickelt,( es wäre die Frage, was in Poltawa tatsächlich steht)
Diese UB-L Maschinen stehen noch im Dienst, im Zusammenhang mit der Modifikation der strat. Tupolews gab es GIS dieser -134, da unverzichtbar. Steht aktuell in einem Beitrag zum Thema im Forum ...

Hergestellt seinerzeit im Flugzeugwerk Charkow, Stückzahl unter hundert
Soweit
R.
(In der Ukraine sind das aber Relikte aus der Sowjetzeit, Strategische gibt es dort nicht mehr)
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Re: Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon Kilo Mike Sierra » Sa 16. Mai 2020, 00:41

Was da in Poltawa steht, ist wahrscheinlich die 1982 gebaute Tu-134UBL mit der Seriennummer 64670, aka CCCP-64670, aka UR-64670 mit der Rumpfnummer 42.
Auf den Fotos ist hauptsächlich der Arbeitsplatz des Navigators zu sehen. Ich erkenne da die Anzeige- und Bediengeräte des Doppler-Navigationssystems DISS sowie des Navigationssystems für den Nahbereich RSBN.

Wie Rainer schon erklärt hat, diente die Tu-134UBL der Umschulung von Piloten und Navigatoren auf die Flugzeugtypen Tu-22M2, Tu-22M3 und Tu-160.
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Thomas

Zur Zeit wird die Welt mit mehreren Weltuntergangsszenarien in Angst und Schrecken gehalten.
Noch vor wenigen Jahren gab es gar keine Weltuntergänge oder sie traten einfach nicht ein.
Seltsam, sehr seltsam.

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Re: Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon historienquax » Sa 16. Mai 2020, 08:20

Kilo Mike Sierra hat geschrieben:Auf den Fotos ist hauptsächlich der Arbeitsplatz des Navigators zu sehen. Ich erkenne da die Anzeige- und Bediengeräte des Doppler-Navigationssystems DISS sowie des Navigationssystems für den Nahbereich RSBN.

Ja, das ist das was mich dazu interessiert. An einem Feld steht ja DISS dran aber wo hast du das RSBN erkannt? Vielleicht könntest du deine Ausführungen dazu etwas erweitern, würde mich sehr freuen, Danke. Beispielsweise die Frage was der angehende Navigator dort real macht, also stellt er einen Kurs ein und der Pilot fliegt dann so. Denn für mich ist das ein reiner Trainer, also nix mit Lizenzerhalt oder so.

Was diese konkrete U-BL hier im Museum betrifft, die gehörte ursprünglich nach Priluki zu den Tu-160. Da gab es einige wenige davon. Ursache war das Schulungssystem der strategischen Fernfliegerkräfte. Für Tu-160 gab es da nichts, kein Ausbildungstruppenteil oder ähnliches. Das musste alles in Priluki gemacht werden.
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historienquax
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Re: Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon historienquax » Sa 16. Mai 2020, 10:30

Da ich sowohl Videos als auch Fotos mache hier der Link zum entsprechenden Videomitschnitt, Rundgang durch die Kabine. Insgesamt scheinen mir aus der Kabine Arbeitsplätze ausgebaut zu sein. Wäre es möglich das der hier angesprochene Ausbildungsplatz Navigation eigentlich zur regulären Besatzung gehört und sich die eigentliche Ausbildung hinter dem Durchgang abspielte?
https://www.youtube.com/watch?v=ikLYrlel4F0
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bluemchen
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Re: Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Sa 16. Mai 2020, 15:18

In Kürze -
das ist ein aufschlußreiches Kurzvideo -Danke!- und offenbart noch mehr Details. Zunächst ist geklärt: Eine UB-L, da hat Thomas recht, die UB-K ist vom Tisch:
UB-L.png
UB-L.png (437.04 KiB) 148 mal betrachtet
und damit wird es sich vorn auch um den Crew-Arbeitsplatz des Navigators handeln. Zum Cockpit kann Thomas sicher noch etwas ausführen, das dürfte sich vom -134 Cockpit unterscheiden.
Damit vermute ich, daß der Kabinenraum als Konferenz-/Kabinettsvariante bestuhlt war, wo die mitfliegenden Crews ihre Flugaufgaben vorbereiteten und praktischer Weise man sich zur Flugführung ablöste. Landungen vlt. mit go around praktiziert wurden oder so ähnlich.
Es ist aber nur eine Vermutung.
Nochmal: - für reines Navigationstraining soll die UB-K dagewesen sein (auch in Verbindung mit den Operatoren Waffensystem, das macht ja auch Sinn) und mit vermutlich anderer Konfiguration der Kabine.
###
R.
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Re: Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon historienquax » Sa 16. Mai 2020, 17:51

bluemchen hat geschrieben:und damit wird es sich vorn auch um den Crew-Arbeitsplatz des Navigators handeln. Zum Cockpit kann Thomas sicher noch etwas ausführen, das dürfte sich vom -134 Cockpit unterscheiden.
Damit vermute ich, daß der Kabinenraum als Konferenz-/Kabinettsvariante bestuhlt war, wo die mitfliegenden Crews ihre Flugaufgaben vorbereiteten und praktischer Weise man sich zur Flugführung ablöste. Landungen vlt. mit go around praktiziert wurden oder so ähnlich.
Es ist aber nur eine Vermutung.

Ich stelle hier mal eine provisorische Arbeitszeichnung eines Kabinenplanes zur Diskussion. Berücksichtigt sind die Raumaufteilung mit Trennwänden und dem Rumpfspant an den Notausstiegen, Fenster, Türen, die Notausstiege selbst, das WC und erste Einzeichnungen von Arbeitsplätzen.
Nummer 3 - das wäre dann der Navigator
Nummer 4 - hier ist noch Platz für ein Mitglied der Crew (fehlt doch bestimmt noch einer?)
Die roten Punkte mit den Fragezeichen, also da vermute ich 1 Fenster gleich 1 Arbeitsplatz, an den beiden Notausstiegen auf der Tragfläche hat vielleicht niemand gesessen aus Havariegründen.
fenster.jpg
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Re: Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon bluemchen » Sa 16. Mai 2020, 23:49

Nur mal als Einfügung,
bluemchen hat geschrieben:die UB-K ist vom Tisch:
ohne Verwirrung produzieren zu wollen
- eine "UB-K" fand sich in Nikolajew mit einem letzten (traurigen) Bild von 2013 und in der Folge zerschnitten
065441.jpg
Interessant dazu: 1982 als UB-L in Dienst gestellt als CCCP-64728, wurde sie 1983 umgebaut zur UB-K mit der Bordnummer 72, und kam erst 1994 nach Nikolajew (nach russianplanes)

Unterschiede
DieTu-134UB-K unterschied sich merklich vom Standard-UBL. Sie verfügte bereits über ein echtes PNA-Radar und die Ross-1-Antenne wurde nach unten versetzt und schloss die Verkleidung der Tu 134A.
Unter dem zentralen [Rumpf?] befand sich ein Container I-098 - eine Simulatorrakete X-22M zur Übung der Zielerfassung. Stattdessen hätte auch [ein anderes System eingesetzt werden können], aber gemäß der Vereinbarung der SIA-2 wurden es nicht platziert.
Unter dem Rumpf vor dem Flügel war eine Verkleidung aus OPB-15T mit optischem und Fernsehvisier aus der Tu-22MZ angebracht.
Im Heckteil befand sich eine Kamera AFA-BAF-40R.
Zur Ausrüstung gehörte ein Langstrecken-Navigationssystem RSDN A-723.
In der Kabine befand sich ein Übungsplatz, an dem die Kadetten die Zielerfassung und das Startverfahren des Flugkörpers übten ...

Der Text ist etwas kauderwelsch, die Grundaussage erkennbar.
- Eine Bordnummer 71 mit Bild (Glasnase) fand sich auch in Nikolajew als TU-134Sh (?) ... auch zersägt. Die "Sh" soll 145 mal gebaut worden sein.

(Wäre da nicht eine für meinen Garten abgefallen? Die Welt ist ungerecht.)
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Re: Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon historienquax » So 17. Mai 2020, 11:35

Ich persönlich habe ja jetzt nicht so das ganz große Interesse an dieser UB-K, weil quasi Einzelstück. Es gibt Fotos vom Innenleben dieser UB-K, da sieht man das ein Cockpit der Tu-22M - die hinteren beiden Plätze - darin verbaut wurde. Das stimmt dann auch mit den gemachten Angaben zur Funktion überein.

Fotos der Kabine der UB-L hingegen Fehlanzeige. Vielleicht kann man ja hier im Forum erstmal die normalen Besatzungsmitglieder in der Kabinendarstellung zuordnen. Darüber würde ich mich sehr freuen.

Normalerweise wurden diese UB-L von der http://www.ww2.dk/new/air%20force/divis ... vvaush.htm und http://www.ww2.dk/new/air%20force/divis ... tvvaul.htm eingesetzt. Die Handvoll UB-L in Priluki sind dem dortigen Einsatz der Tu-160 geschuldet. Die Typenschulung auf Tu-160 konnte nur in Priluki durchgeführt werden.

Auf dem folgenden Foto eine weitere museale UB-L, im Museum Kiew. Innenaufnahmen davon sind mir nicht bekannt aber die wird vermutlich leer geräumt sein. War (2008) meine erste Begegnung mit diesem Fluggerät.
UB-L.jpg
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Re: Tu-134UB-L Museum Poltawa

Ungelesener Beitragvon RSP-10 » Di 19. Mai 2020, 12:32

historienquax hat geschrieben:Ja, das ist das was mich dazu interessiert. An einem Feld steht ja DISS dran aber wo hast du das RSBN erkannt?


Bin mehr der Fachmann für die Bodenseite, aber meiner Meinung nach sind die 3 markierten Anzeigen für das RSBN
1 = AZIMUT (Winkel zum RSBN) in Grad
2 = Entfernung zum RSBN in km
3 = kombinierte Anzeige RSBN und PRMG

RSBN.jpg
RSBN.jpg (169.67 KiB) 72 mal betrachtet
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